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Jetzt ist eine Entschuldigung an alle thailändischen Kindermädchen fällig

"Madre" ist ein chilenischer Thriller und Geheimtipp. Ein Film über und voller Ängste. Der Angst die Kontrolle zu verlieren, Kinder zu verlieren, dem Wahnsinn zu verfallen. Der Angst vor dem Unbekannten, Fremden, anderen Sprachen, Kulturen, Menschen. Angst sich nicht wiederzuerkennen und Angst als Mutter zu versagen und abgehängt zu werden. Und so viel Angst ist immer hilfreich für eine Geschichte die spannend sein soll. Es geht um eine schwangere Mutter, die eine neue Haushelferin und Kinderdame für ihren anstrengenden und autistischen Sohn engagiert. Zuerst scheint alles traumhaft und erleichternd, doch dann verliert die überforderte Mutter mehr und mehr die Kontrolle. Ein Alptraum aus Ungewissheit, Paranoia und Misstrauen breitet seine Flügel aus...

Der Film wird getragen von einer engagierten Hauptdarstellerin, der realistischen Darstellung des Alltags mit einem autistischen Kind und vielen kleinen, gruseligen Details, die wie Nadelstiche sitzen. Leider überdrehen die letzten Minuten etwas und kosten den gelungenen Aufbau nicht ganz aus. Trotz Shock Value. Etwas Bodyhorror, viel Psychoterror. Selbst wenn man darüber streiten kann, wie viele Vorurteile und Ängste der Thriller gegen Thailänder bedient. Doch das Horrorgenre darf viel, von deutschen Nazidoktoren über australische Outback-Psychopathen bis thailändischen Babydiebinnen. Zu ernst sollte man das alles nicht sehen. Ich hätte den Film jedoch subtiler und ambivalenter enden lassen. Spannende Unterhaltung als Mix aus "Rosemaries Baby" und "Inside" ist trotzdem akut. Langsam legen sich Schauer und Neugier in unseren Nacken und man bleibt unbedingt am Ball und der Spitze des Sessels. 

Fazit: selbst wenn ich persönlich das Ende komplett gegensätzlich gezeichnet hätte - "Madre" ist ein chilenischer Paranoia-Schmankerl von internationalem Kaliber. Low-Budget, High Tension. 

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