Durch ein schweres Gewitter und unglückliche Zufälle gelangen 10 Personen in ein entlegenes Motel, in dem sie von der Außenwelt abgeschnitten sind. Bald werden die Personen nacheinander unter mysteriösen Umständen ermordet.
(Ab jetzt Spoiler)
Die Story ist brilliant und in zwei Handlungsstränge unterteilt. Im einen Handlungsstrang wird das reale Geschehen gezeigt, in dem sich mehrere Personen, unter anderem Psychologe Alfred Molina über die Hinrichtung eines Serienkillers unterhalten, der doch noch freigesprochen werden soll, da er eine gespaltene Persönlichkeit ist und nur eine seiner vielen Identitäten die Morde begangen hat. Der zweite Handlungsstrang, der den Film klar dominiert, zeigt die Geschehnisse im Motel und erst gegen Ende wird klar, dass sie lediglich im Kopf des, im ersten Handlungsstrang erwähnten Killers stattfinden und die Konfrontation der verschiedenen Identitäten darstellen.
Manchem mag diese Story zu krank, zu unglaubwürdig oder zu kompliziert sein, aber, wenn man sehr viele Filme und durchschnittliche Thriller sieht, freut man sich sehr über Thriller, die nicht nach dem 0815-Muster gestrickt sind. Dieser Einblick in die menschliche Psyche mag übertrieben dargestellt sein, aber spätestens seit dem brillianten "Fight Club" sollte sich niemand mehr daran stören. Dass der Mörder in der letzten Szene doch wieder von seiner "mordenden Identität" kontrolliert wird ist nicht umbedingt zufriedenstellend, beendet den Film aber mit einem Knaller und einer unerwarteten finalen Wendung.
Von der ersten Minute an kann Identität Spannung aufbauen. Die Dunkelheit und der Regen schaffen zusammen mit den zwielichtigen Charakteren und den ständigen Donnergrollen eine Atmosphäre der Angst, die noch verstärkt wird, da die Personen durch die überschwämmten Straßen das Motel nicht verlassen können. Nach dem ersten Mord ist diese klaustrophobische, angsterfüllte und schreckhafte Atmosphäre perfekt. Wenn dann im Mittelteil auch noch die Leichen verschwinden und die Personen feststellen, dass sie mehrere Gemeinsamkeiten haben und parallel ein Wahnsinniger verhört wird, zieht der Film den Zuschauer endgültig in seinen Bann. Gegen Ende verdächtigen sich die Personen gegenseitig des Mordes und durch den rasannten Schnitt bietet der Film endgültig atemlose Hochspannung.
Tiefe hat der Film stellenweise, wobei man die Analyse dieses kranken Geistes auch noch besser hätte gestalten können. Die verschiedenen Identitäten werden zufriedenstellend charakterisiert und mindestens die Hälft von ihnen wirkt sehr suspect, wodurch der Zuschauer endgültig keine Ahnung hat, wie es ausgehen könnte. Der Film ist von Anfang bis Ende unvorhersehbar.
Filmmusik gibt es kaum, was aber gut so ist, da dem Regen und dem Gewitter sonst der Wind aus den Segeln genommen würde. Regisseur James Mangold beweist bei seiner Umsetzung ein sehr gutes Händchen und liefert nach Copland und Durchgeknallt einen weiteren hervorragenden Thriller.
John Cusack und Amanda Peet spielen ihre Hauptrollen stark und steigern die Spannung ungemein. Die Nebendarsteller sind ebenfalls hervorragend, kein Darsteller hat auch nur einen schwachen Moment. Ich habe bisher selten eine so starke Besetzung gesehen. Ray Liotta spielt mit Abstand am besten, eine der besten Leistungen seiner langen Karriere, er spielt den suspecten und brutalen Polizisten hervorragend.
Zusammenfassend ist Identität ein hervorragender Psycho-Thriller, der durch starke, unvorhersehbare und schnelle Wendungen, durch eine angesterfüllte Atmosphäre, hervorragende Darsteller und einen tiefen Einblick in die Psyche einer gespaltenen Persönlichkeit von Anfang bis Ende atemlose Hochspannung erzaugen kann.