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„Identität“ ist ein an sich ziemlicher spannender Thriller, der leider sehr an seinem Ende krankt.
Es beginnt recht ohne große Erklärungen: Es sind vor einiger Zeit 6 Morde in einem Motel geschehen und der Angeklagte wurde zum Tode verurteilt. Doch Dr. Malick (Alfred Molina), sein Psychiater, verlangt eine erneute Sitzung in der Nacht vor der Hinrichtung. Man erfährt nichts über den Prozess, noch nicht mal wer der Angeklagte ist und inwiefern es mit der Haupthandlung zusammenhängt und ob der Angeklagte eventuell eine Person aus dieser Handlung ist.
Die Haupthandlung spielt nämlich in einem Motel in einer Regennacht. Durch überflutete Straßen und Pannen kommen 11 recht unterschiedliche Personen zusammen: Der biedere Familienvater George York (John C. McGinley) mit Frau Alice (Leila Kenzle) und Sohn Timmy (Bret Loehr), Ex-Cop und Chauffeur Ed (John Cusack) und das von ihm gefahrene Starlet Caroline Suzanne (Rebecca De Mornay), der Cop Rhodes (Ray Liotta) mitsamt dem Gefangenen Robert Maine (Jake Busey), der Vermieter Larry (John Hawkes), das Callgirl Paris (Amanda Peet) und das junge Ehepaar Lou (William Lee Scott) und Ginny (Clea DuVall). Die Auswahl der Charaktere bietet eine bunte Durchmischung und ist zudem ziemlich prominent besetzt.

Während des Dauerregens versucht man die zuvor angefahrene Alice zu versorgen und Kontakt zur Außenwelt herzustellen, wobei letzteres jedoch unmöglich wird. Bald erschüttert ein Mord das Geschehen. War es einer der 10 Verbleibenden? Alle haben ihre kleinen Eigenheiten und Geheimnisse...
„Identität“ kommt als sehr spannender und düsterer Thriller daher. Die Handlung bleibt undurchsichtig und die überraschungsreiche Tätersuche besitzt auch genau das richtige Tempo. Zudem fiebert man mit vielen der Charaktere mit, selbst mit denjenigen, die mehr oder minder große Macken haben. Die Charaktere sind außerdem recht gut erdacht und wirken nur selten wie Klischeecharaktere oder Abziehfiguren. Das Ganze spitzt sich nach der betont langsamen Einführung.
Nach kurzer Zeit kommt dann jedoch eine anscheinend übersinnliche bzw. fantastische Komponente mit ins Spiel, was ein wenig den Reiz dieses Hitchcock-artigen Kammerspiels schmälert. Allerdings gingen derartige Verbindungen auch „Schatten der Wahrheit“ gut auf. Doch dann kommt 20 Minuten vor Schluss noch die entscheidende Wendung, die vieles versaut. Sie ist zwar überraschend und eine echte Abwechslung, doch leider verliert man alle Sympathie für die Figuren und die Spannung sinkt auch. Kurz vor Schluss kommt dann ein erzwungener und sehr B-Movie-mäßiger Schlussgag, den man besser weggelassen hätte, da er nur teilweise logisch ist.

Stilistisch kann man „Identität“ allerdings nicht herummeckern: Die düstere, verregnete Atmosphäre verfehlt ihre Wirkung nicht und zieht den Zuschauer ebenso in den Bann wie die erst gegen Ende erklärte Parallelhandlung mit der Anhörung. Zu Anfangs hat Regisseur James Mangold die Handlung zudem noch durch leicht zeitversetzte, sich teilweise in anderer Perspektive wiederholende Erzählweise interessanter gestalt.
Die Schauspieler agieren allesamt wirklich top, wobei vor allem John Cusack und Ray Liotta großartig wie fast immer spielen. Doch auch Amanda Peet, Jake Busey und John Hawkes legen Bestleistungen hin und die restlichen Darsteller spielen alle auf recht hohem Niveau.

„Identität“ ist ein düsterer, spannender und gut gespielter Thriller, der leider in den letzten 20 Minuten dermaßen schlimm einbricht, dass das Ergebnis lediglich gut mit einem faden Beigeschmack bleibt.

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