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Wer gedacht hat, nach Filmen wie „Die üblichen Verdächtigen“ und „The Sixth Sense“ seien Last-Minute-Plot-Twists ausgereizt, der hat sich getäuscht. James Mangolds „Identity“ läuft zunächst scheinbar in die Richtung eines typischen Horrorthrillers, der seine Figuren nach dem 10-Kleine-Negerlein-Prinzip dezimiert, nur um nach gut zwei Dritteln die Katze aus dem Sack zu lassen und alles vorher gesehene in einem anderen Licht erscheinen zu lassen.

Atmosphärisch stets wahnsinnig dicht, ja fast unreal, sitzen mehrere Existenzen aufgrund eines furchtbaren Unwetters in einem abgelegenen Motel fest und bangen bald um ihr Leben, da einer nach dem anderen dahingemetzelt wird, stets mit einer Botschaft, nämlich einem Zimmerschlüssel, versehen. Parallel dazu findet eine Sitzung eines Gremiums statt, welches über den Geisteszustand eines mehrfachen Mörders urteilen soll, welcher kurz vor seiner Hinrichtung steht, es sei denn, ihm wird Unzurechnungsfähigkeit aufgrund von Schizophrenie attestiert. Wie die beiden Storys zusammenhängen, wird erst später klar.

Es ist immer sehr riskant, den Effekt eines Films nur auf die entscheidende Kehrtwende auszulegen, bei „Identität“ geht es größtenteils gut, was aber nicht so sehr am Twist an sich, sondern vielmehr an der Inszenierung liegt. Über gut eine Stunde ist man trotz mancher Logikfehler gebannt, wen es als nächstes erwischen wird und auch wie dies geschieht, denn das Ableben des ein oder anderen Protagonisten ist äußerst innovativ und auch graphisch recht deutlich in Szene gesetzt. Das nicht enden wollende Unwetter verpasst der Atmosphäre den richtigen Anstrich, „Identität“ wirkt phasenweise fast künstlich, was letzten Endes mit dem entscheidenden Kniff in der Story zusammenhängt.

Leider liegt genau da der Fehler, den Mangold und sein Autor machen: Die Wende wird viel zu früh eingeleitet, was die darauf folgenden 20 Minuten zu einer völlig unnötigen Warterei auf das überfällige Ende macht, welches dann auch noch mit einem herbeigezwungenem Schlussgag abgeschlossen wird, der logisch überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Zudem kann man als aufmerksamer Betrachter bereits nach dem Vorspann, spätestens aber als Cusack seine Pillen gegen Schizophrenie einnimmt, ahnen, wie hier der Hase läuft.

„Identität“ versucht zwar, den Zuschauer geschickt zu überrumpeln, begeht dabei aber den Fehler, seinen Twist etwas zu früh zu offenbaren und zu viele Fährten zu legen, die den Schluss etwas vorhersehbar machen. Nichtsdestotrotz mal ein Mysterythriller, der den Mut hat, anders zu sein und Genrefans gefallen dürfte.

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