Review

Das Review bezieht sich auf die gesamte Serie und ist de facto Spoilerfrei.

Corrado Cattanis Kampf gegen die Mafia...
Kaum eine andere Serie kann bis heute mit diesem italienischen Erfolgshit mithalten. Gerade in puncto Spannung, schauspielerischer Intensität, Handlung und Musik steht für mich „Allein gegen die Mafia“ nach wie vor auf Platz Numero Uno. Dabei war ich kein Fan respektive Verfolger der ersten Stunde, sondern bin mehr durch die Ausstrahlungen der neueren Staffeln Anfang der Neunziger (dann mit Vittorio Mezzogiorno in der Hauptrolle) auf die Serie aufmerksam geworden, bis ich mir endlich vor nicht allzu langer Zeit mal nach und nach die DVD-Fassungen der ersten drei Staffeln zulegte und mir eine nach der anderen angeschaut habe.

Dabei ist man alleine schon wegen der Handlung, die unheimlich viel Raum für Verstrickungen bietet und ein Garant für absolute Hochspannung ist, spätestes nach der ersten „Puntata“ (Folge) nicht mehr von der Mattscheibe wegzubekommen und will sich am liebsten eine DVD nach der anderen geben, bis die Augen quadratisch werden.
Corrado Cattani (Michele Placido mit charismatisch-genialer Darbietung) wird mitsamt seiner Frau Else und seiner Tochter Paula nach Sizilien versetzt, um dort polizeikommissarischen Dienst zu verrichten. Dabei hatte es gleich der Grund seiner Versetzung schon in sich: sein Vorgänger wurde erschossen in seinem Auto aufgefunden. Cattani nimmt mit Ehrgeiz und Scharfsinn die Ermittlungen auf und stößt bald fernab jeglicher Mutmaßungen seiner Kollegen und der Staatsanwaltschaft auf ein Spur, die in feine Gefilde führt: eine ländliche Gräfin hatte sich in der gleichen Nacht das Leben genommen. Zufall? Cattani bleibt an der Sache dran, und bald merkt er, dass er seine Nase zu tief in die Angelegenheiten der Mafia hineingesteckt hat, und eine erste Rechnung bekommt er prompt in Form eines toten Kollegen präsentiert. Doch Cattani will als engagierter, willensstarker Polizeibeamter nicht aufgeben – nicht zuletzt aber auch, weil er nicht ahnt, wozu die Mafia imstande ist. Der Preis, den er zahlt, ist hoch...

Auch wenn der Handlung aufgrund zu vieler italienischer Namen mitunter etwas schwerer zu folgen ist, gelingt es doch am Ende immer, den Silberfaden nicht zu verlieren und man erfreut sich an wahrlich süchtig machender Fernsehunterhaltung. Dabei ist jedoch der durchdachte Plot nur eine Stärke der faszinierenden Einer-gegen-Alle-Saga: die Darsteller liefern intensive, glaubwürdige Leistungen ab, und bis in die Nebenrollen kann sich hier wirklich jeder sehen lassen. Zwar bleiben gewisse Klischee-Kleinigkeiten nicht ganz außen vor, doch im Gesamtresultat spielt das kein Rolle mehr. Zwar ist jeder, der hier epischen, prallen Bilderrausch ála „The Godfather“ erwartet, leicht fehl am Platze, da man sich hier mehr darauf konzentrierte, absolut nüchtern zu inszenieren, doch bleiben starke Gefühle niemals aus – bestes Beispiel ist Hauptdarsteller Placido, der einen Charakter spielt, der auf einem schmalen Grat wandert: nach und nach wird ihm wirklich alles genommen, was ihm lieb und teuer ist, und auch er selbst wird Opfer von diversen Anschlägen; auf der anderen Seite muss er seinem Feind nicht nur ins Gesicht sehen, sondern auch noch dessen Hände schütteln und ertragen, was man ihm antut und angetan hat. In seinem gigantischen „Lügenspiel“ (O-Ton) muss er wandelbar sein wie ein Chamäleon, doch er schafft es nicht immer und zerbricht nach und nach an seinem eigenen Willen.
Untermalt wird das dramatische, verzweifelte Spiel (zumindest ab der zweiten Staffel) von der Musik eines wie immer routiniert genialen Ennio Morricone, dessen mitreißender Score den vormaligen, aus der Feder von Riz Ortolani (dessen Namen viele wohl noch am ehesten aus dem Vorspann von berüchtigten Kannibalenreißern kennen) ersetzt. Beide Kompositionen sind stilgebend und erfüllen ihren Zweck, der Serie noch mehr Würze zu geben. Besonders in Erinnerung bleibt dabei der Titelsong „My Heart and I“, der zusammen mit dem Ende der dritten Staffel, was hier jetzt nicht gespoilert wird, einen wirklich bewegenden Eindruck hinterlässt.

Also – alle Freunde der gewaltigen Gangsterepen aus Amerika von Sergio Leone, Martin Scorsese oder Francis Ford Coppola sollten schleunigst etwas nachholen, sollte der Inhalt dieses Serien-Meilensteins noch nicht bekannt sein. Auch wer nicht so sehr auf das Serienformat steht, sollte zumindest einen Blick riskieren, und den meisten garantiere ich Lust auf mehr.
Nur noch eine Anmerkung zu den Koch Media DVDs: leider sind die ersten drei Staffeln das Einzige, was bisher auf DVD zu haben ist, und die Herren von Koch waren sich ihres „Monopols“ scheinbar etwas zu sicher, denn die Bildqualität der ersten Staffel spottet jeder Beschreibung. Das bessert sich zwar bei der zweiten Staffel, doch über VHS-Niveau kommt das Bild nicht hinaus. Dazu kommt, dass stellenweise völlig unbegründet die deutsche Sprachausgabe unter den Tisch fällt und durch deutsche UT ersetzt wird, und das auch nicht immer. Großes Ärgernis, aber letztlich kann man in diesen sauren Apfel schon beißen, um in den vollen Genuss der ungekürzten Serie zu kommen.

Ein unvergessliches Fernseherlebnis!!!

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