„Naked Lunch“, nach dem autobiographischen Roman von William Burroughs ist nun wohl weiß Gott nicht der Stoff, aus dem die Filmträume gemacht sind, ein wirrer Drogentrip, der sich der rationalen Erklärung entzieht.
Aber wenn sich David Cronenberg an so etwas versucht, dann wird daraus auch was.
Ein wirrer Drogentrip nämlich, der sich der rationalen Erklärung entzieht.
Der Film beschreibt, mal was Neues, nicht den Inhalt des Buches, sondern mehr oder minder seine Entstehungsgeschichte, ohne daß man schlußendlich die Bilder dechiffrieren oder rational deuten könnte. Was an Inhalt überhaupt rüberkommt, spricht wohl durch die Bilder für sich selbst, anders wird das kaum zu erklären sein.
Peter Weller spielt hier den Schriftsteller William Lee, der sich als Ungezieferbeseitiger betätigt, während seine Frau von dem Wanzenpulver regelmäßig high wird. Nachdem er selbst mit dem Zeug auf dem Trip ist, verwandelt sich seine Schreibmaschine bald in einen Typewriter-Wanzen-Hybriden und blökt ihm diverse Verschwörungstheorien ins Ohr und gibt ihm den Auftrag, seine Alte umzupusten. Was dann auch, mehr versehentlich, so geschieht.
Notgedrungen flieht der Autor ins fiktive nordafrikanische Nest „Interzone“, wo er richtig vor die Hunde geht. Seine Maschine fordert von ihm dauernd ausführliche Berichte, er lernt diverse Schriftsteller kennen und wird ständig für einen verkappten Homosexuellen gehalten. Was Realität oder Illusion ist, bleibt dabei beständig offen, meist verschmelzen die Szenen ineinander, löst sich das Gefüge von Zeit und Raum auf.
Lee begehrt auf, flieht, kehrt zurück und fängt von vorne an, während er von einer glitschigen Monstrosität in die nächste läuft.
Man muß wohl schon das Buch kennen, um dem etwas abgewinnen zu können, denn wer hier gegen wen und wegen was spioniert, bleibt offen. Es ist zu ahnen, daß die sexuelle Unsicherheit hier eine starke Rolle spielt, Schreiben und Drogen bisweilen gleichgesetzt werden und der Schriftsteller den Schreibprozeß zu Ende bringen muß, wo es in diesem Film jedoch kein Ende gibt, aber all das ist vage, schemenhaft, rudimentär.
Was bleibt, ist ein visuell interessanter Film, dessen permanente Undechiffrierbarkeit jedoch keinen Zugang zuläßt. Es sei denn, man nimmt selbst exzessiv Drogen. Und Cronenberg hat wohl mehr die Aufhebung der körperlichen Grenzen, die wunderlich-kafkaesken Transformationen gereizt. Deswegen ist das aber noch lange keine Offenbarung. (4/10)