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David Cronenbergs Verfilmung des Skandalromans „Naked Lunch“ (1959) des Beatnick Autors William S. Burroughs stellte ein schwieriges Unterfangen dar. Ein ständiger Drogenrausch, Halluzination als Realität, eine Fassade als soziales Umfeld sind die Basis dieses Werkes. Sobald man sich dessen bewusst wird drängt sich einem die Frage auf, ob eine Verfilmung überhaupt sinnvoll erscheint. Eine Geschichte zu verfilmen, die sich hauptsächlich in einer durch die Realität beeinflussten Traumwelt abspielt und zudem eine innere Leere und Gleichgültigkeit des Protagonisten zu zeigen, ihm jedoch auch Charakter zu verleihen, erscheint schwierig. Doch Cronenberg löste diese Schwierigkeiten mit Bravour. Er spielt mit dem Wissen des Zuschauers, dass der Protagonist Bill Lee erneut in seine Parallelwelt „Interspace“ abgedrifted ist, und es entwickelt sich hieraus eine gewisse Komik, erst Recht wenn Lee zum zweiten Mal zum „Wilhel Tell Schuss“ ansetzt, und man sich als Zuschauer nun die Ereignisse in der Realität vorstellt.

Der Vorteil eines Romans ist klar die Sprache, „das Nichtgebundensein an Raum und Zeit“ (Fassbinder). Da Drogen die Wahrnehmung und somit auch die Empfindung von Raum und Zeit beeiflussen, spricht dies klar dafür die Romanform zu bevorzugen.
Doch Cronenberg löst dieses Problem, indem er viele Ereignisse doppelt, aus der drogengeschwängerten Sicht des Protagonisten, und aus einem „normalen“ Blickwinkel zeigt.

Die Handlung des Films hält sich nicht strikt an die Romanvorlage, sondern bedient sich auch einiger Kurzgeschichten Burroughs. So wurde beispielsweise die ertste Filmszene, in der Lee das Insektenpestizid ausgeht, nicht aus dem Roman übernommen.
Desweiteren sind viele biographische Einflüsse des Autors zu finden.
Die anfängliche Bisexualität, ausgeprägt durch Burroughs frühe Ehe mit Joan, sowie seine beiden Schriftstellerkollegen entstammen seinem realen Leben.
Es sind viele Zitate aus der Beatnick-Äre zu finden, wie beispielsweise der monotone, stackatoartige Vortag eines Gedichts. Eine Hommage an „Howl !“ von Allen Ginsberg (1955), einem Wek, das zur gleichen Zeit wie „Naked lunch“ ebenfals wegen seiner Obszönität im Mittelpunkt von Gerichtsprozessen stand.

Der Film entführt einen mit „Interzone“ in eine andere Welt innerhalb des Films. Das Ticket ist für Lee das Insektenpestizid als Droge. Er reist damit in eine andere Welt, eine Welt, in der es Aufträge zu erfüllen gilt, eine Welt, in der „die beste Tarnung Homosexualität ist“, eine Welt, in der Drogen zum Alttag eines Jeden gehören.
Die Erzählung stellt eine Flucht vor der Realität dar, fort in ein Niemandsland, in dem toleriert wird, was in der damaligen amerikanischen Gesellschaft verbannt wurde.

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