William S. Burroughs Skandalroman "Naked Lunch" galt als unverfilmbar, bis David Cronenberg (eXistenZ - Du bist das Spiel, History of Violence) sich für das Werk begeisterte. Aufgrund zahlreicher Obzönitäten wurde die Novelle sogar zwischenzeitlich verboten. Cronenberg ist ja bekannt für seinen besonderen Stil und die Umsetzung kontroverser Themen. Die unglaublich schwere Arbeit Burroughs Werk in ein Screenplay umzusetzen, leistete er im Alleingang, wobei er eher die Vorgeschichte zum Geschehen im Buch erzählt. Ohne Zweifel zählt "Naked Lunch" zu seinen seltsamsten Werken, leider ohne auch nur in einer Szene zu fesseln.
New York 1953: Der erfolglose Schriftsteller und Ungezieferbekämpfer Bill Lee (Peter Weller) erschießt im Drogenrausch seine Frau Joan (Judy Davis). Von der Polizei gesucht flüchtet Bill in die Scheinwelt Interzone, das Geschehen dort spielt sich in Tanger ab. Dort wird er von scheußlichen Insektenkreaturen als Geheimagent rekrutiert. Er soll das Vertrauen des homosexuellen Yves Cloquet (Julian Sands) gewinnen und was hat es mit Dr. Benway (Roy Scheider) und dem schwarzen Fleisch auf sich ? Jedenfalls verliebt sich Bill in Joan (Judy Davis), die Gatinn des Schrifstellers Tom Frost (Ian Holm). Doch damit hat er den Bezug zur Realität längst verloren.
Mit "Naked Lunch" hat sich Cronenberg in die Nesseln gesetzt, denn solch ein seltsames Werk voller Perversionen für den Zuschauer interessant zu gestalten, ist reichlich schwierig. Und genau da liegt auch der Knackpunkt, denn eigentlich ist sein Film nur eine Aneinanderreihung bizarrer Dialoge. Das Ganze knappe zwei Stunden zu ertragen kostet reichlich Nerven, vor allem dank der ereignislosen Umsetzung. Mit seinem 50er Jahre Ambiante verpasst Cronenberg dem schrägen Geschehen einen hübsch altmodischen Anstrich ohne dabei diverse Film-Noir Elemente zu vergessen. Eigentlich spielt sich "Naked Lunch" auf zwei Ebenen ab, einmal das reale Leben in New York, wo Bill als Schädlingsbekämpfer unterwegs ist. Hinter dem Verschwinden seines Wanzenpulvers wittert er gleich eine Verschwörung, doch seine Frau Joan spritzt sich das Zeug als Drogenersatz in die Venen. Und das scheint seine Wirkung nicht zu verfehlen, denn in bester Wilhelm Tell Art versucht Bill seiner Frau ein Glas vom Kopf zu schießen. Doch die Kugel landet stattdessen in Joans Kopf. Cronenberg präsentiert hier eine Welt voller Drogen und schräger Charaktere. Da wäre beispielsweise Dr. Benway, der Bill Bill das Schwarze Pulver von einem speziellen Tausendfüßler mitgibt. Dies soll den Konsum des Wanzenpulvers nach und nach abstellen, doch stattdessen scheint es Bill nut tiefer in die Scheinwelt Interzone zu bringen.
Dort irrt er als eine Art Geheimagent umher, welcher täglich auf seiner Schreibmaschine seine Berichte schreibt. Gelegentlich verwandelt sich diese in ein übergroßes Insekt und vermittelt Bill seinen nächsten Auftrag. Diese nicht selten eingefügten diabolischen Ekeleffekte sind immerhin gut gemacht, obwohl man sich wirklich an diese bizarren Formen gewöhnen muss. Wo sonst gibt es scheußliche Insektenwesen, denen Sperma aus dem Schädel tropft ? Auch wird Bill stets für einen Homosexuellen gehalten und dem seltsamen Schriftsteller Tom Frost ist seine Schreibmaschine wichtiger als seine Frau Joan. Zwischendurch gibt es ein paar Abstecher in die Realität, denn zwei Kumpel von Bill versuchen ihn immer wieder aus der Scheinwelt zu holen, doch vergebens. Für den Zuschauer ist dieser obszöne Drogenrausch trotz schräger Einfälle ziemlich langweilig, besonders das offene Ende stellt unzufrieden. Dabei macht Peter Weller (RoboCop, Screamers) einen guten Job als Bill Lee, der zwischen Realität und Fiktion umherwandelt. Mit Ian Holm (Aviator, From Hell), Julian Sands (Warlock - The Armageddon, Arachnophobia) und Roy Scheider (Powerplay, 52 Pick Up) ist "Naked Lunch" immerhin gut besetzt.
Cronenberg hat noch nie den Mainstream bedient, doch sein "Naked Lunch" ist ein abartig-schräger Trip zwischen Realität und Fiktion, gewürzt mit diabolischem Ekel. Doch im Endeffekt sehr langweilig umgesetzt, dagegen können auch die guten Darsteller nicht viel ausrichten.