Und noch eine Umsetzung mehr von Shelleys Roman, welche auf geradezu unerträgliche Weise demonstriert, wie man ein absolut zeitloses, gehalt- und anspruchsvolles literarisches Meisterwerk in trivialen Kitsch verwandelt. Ausstattung, schauspielerische Leistungen und Dialoge bewegen sich dabei konstant unterhalb des Standards einer herkömmlichen TV-Produktion. Viele Kulissen und Requisiten sind einfach nur billig und wirken stellenweise sogar lächerlich (z.B. die "Qualzüchtungen" in Frankensteins Labor, gegen die sogar die Fraggles wie lebensechte Wesen wirken). Nun muss ein winziges Budget noch nicht zwangsläufig einen schlechten Film bedeuten, doch leider hat diese 1993er Verfilmung des klassischen Stoffs auch inhaltlich nicht mehr Substanz, als eine x-beliebige TV-Schmonzette.
Die Handlung folgt im wesentlichen dem Verlauf des Romans, enthält aber einige Kürzungen und Änderungen. Wäre alles legitim, wenn unterm Strich ein passables Ergebnis stehen würde. Leider aber gehen die auch heute noch relevanten und diskussionwürdigen Themen, Motive und Symbole des einzigartigen Romans von 1818 in "Dr. Frankenstein" entweder völlig verloren, oder werden schnöderweise auf banalste Statements reduziert. Der vielschichtige, psychologische Unterbau der Vorlage ist im Film quasi überhaupt nicht mehr vorhanden. Auch von Shelleys geschliffener Sprache und den bedeutsamen Monologen / Dialogen des Romans fehlt jede Spur. Stattdessen quält sich der Zuschauer Szene für Szene mit dem belanglosen Gelaber einer prototypischen, historischen Herz-Schmerz Geschichte.
Mir ist keine Umsetzung bekannt, die sich - im Rahmen gewisser Freiheiten - derart bemüht, der Literatur zu folgen und dabei doch so kläglich scheitert. Auch als Horror- bzw. Gruselfilm ist "Dr. Frankenstein" ein absoluter Rohkrepierer, da die obligatorischen Elemente hierfür mehr als dünn gesät sind und überdies vollkommen spannungsfrei umgesetzt wurden. Am Ende schauderte es mich lediglich bei der Vorstellung, diesen Film zu Lebzeiten nochmal ansehen zu müssen. Dann lieber zum wiederholten Male das Buch lesen, oder auf die wohl beste, äußerst werkgetreue Verfilmung von Regisseur Kevin Connor zurückgreifen.
2.5 / 10 Punkten.