Kletter-Ida (8/10)
Es ist halt immer schön, auch mal einen Film zu sehen, der offiziell als Kinderfilm angepriesen wird, trotzdem auch für Erwachsene gute Unterhaltung bietet.
Idas Lieblingsbeschäftigung ist das Klettern. Also ist es kein Wunder dass sie (Julie Zangenberg) schnell weiß, was zu tun ist, als ihr Vater einen schweren Unfall hat und ohne ärztliche Hilfe bald sterben wird. Einzig eine Klinik in den USA kann die schwere Operation ausführen, doch dazu fehlt das Geld. Zusammen mit ihren beiden Freunden Sebastian und Jonas (Stefan Pagels Andersen und Mads Ravn) entschließt sie sich zur ultimativen Aktion, einem Bankraub.Da ihre Mutter als Sicherheitsangestellte arbeitet, scheint der Einbruch kein Problem.
Kletter-Ida hat mir gut gefallen. Zum einen kann er amerikanischen Filmen das Wasser reichen, ohne den selben Pathos am Ende zu haben. Zugegeben, es wird auch kräftig gemenschelt, und man ist am Ende gerührt wie in einem US-Film, doch ist hier die menschliche Wärme nicht aufgesetzt und es kommt an keiner Stelle heuchlerisch rüber.
Zum Zweiten sind die Charaktere sehr sympathisch, vor allem Julie Zangenberg als Ida. Sie spielt die Rolle selbstbewusst, intelligent und rasant.
Des weiteren kommen auch die typischen Probleme zur Sprache. So sind zum Beispiel beide Jungs in sie verliebt, und wollen mit ihr gehen. Es kommt sogar zum Streit, wer der Liebling von Ida ist. Die Lösung ist einfach, und befriedigt die einfache Denkweise der Jungs: beide bekommen eine Kette von ihr, mit Idas Bitte, dem anderen nichts davon zu sagen, um ihn nicht eifersüchtig zu machen. Eine prima Szene ist, als beide, mitten in den Ausführungen des Bankraubs, dahinter kommen, und sich zu streiten anfangen. Ida ist wütend, und meint, warum Jungs immer so dumm tun müssen. Eine prima Anspielung auf das Alpha-Männchenverhalten.
Kletter-Ida lebt nicht von Perfektion, und, so viel sei verraten, der Bankraub geht schief, und alle drei werden durch die Polizeiberichte landesweit berühmt. Es ist mehr die Menschlichkeit, die hinter der Aktion steht, und die an ein bisschen weniger Bürokratie appelliert, und die zeigt, dass Kinder für scheinbar schwierige Probleme einfachere Lösungen haben als die Erwachsenen.
Das heißt nicht, dass Kletter-Ida nicht gut gemacht wäre: sehr gut sogar. Schnelle Verfolgungsjagden, schnelle Schnitte, alles ist enthalten. Das amerikanische Remake Catch-that-Girl ist dagegen so blutleer und seelenlos, dass man allen, Erwachsenen wie Kindern, Kletter-Ida empfehlen kann.
Ein prima Film aus Dänemark, der prächtig unterhält.
Als Extras gibt es noch ein Making-Of im Dänischen mit deutschen Untertiteln, wobei Dänischfans noch mal auf ihre Kosten kommen. Der Trailer ist dagegen nur in Dänisch. Schadet aber nix.
Sehenswert.