Review

Nicht nur in diversen Märchen ist das Motiv der bösen Stiefmutter wiederkehrend, - früher gab man den Opfern Namen wie Schneewittchen, heute sagt man einfach nur Scheidungskind.
Der Thriller von Regisseur Sean Olson legt seine Karten früh auf den Tisch und zaubert leider kein zweites Ass aus dem Ärmel, eigentlich spielt er das erste nicht einmal aus.

Als sich die sechszehnjährige Brooke (Kennedy Tucker) mit ihrem Vater Mitch (Tyler Christopher) aus dem Urlaub zurückmeldet, staunt Mom Jackie (Annie Wersching) nicht schlecht: Ihr Ex erscheint nicht allein und hat die auffallend junge Tiffany (Kimberley Crosman) im Gepäck, die er vor kurzem geheiratet hat. Noch ahnt niemand, dass Tiff einen Keil zwischen die familiären Bindungen zu treiben versucht…

Der Stoff spricht Ängste geschiedener Eltern an und schildert im ersten Drittel noch halbwegs nachvollziehbar, wie Tiffany pädagogische Autoritäten untergräbt und mit ihrer jugendlichen Frische schon bald mehr Einfluss auf den Alltag von Brooke ausübt. Das äußert sich zunächst einigermaßen subtil, indem gezielt auf Wünsche und Bedürfnisse der Minderjährigen eingegangen wird, doch sobald sich Manipulation und Intrigen steigern, verliert der Stoff an Glaubwürdigkeit.

Denn kaum ein ominöser Vorfall wird hinterfragt, eine langjährige Haushälterin wird auf vagen Verdacht hin gefeuert und spätestens nach einem tödlichen Unfall sollten die Alarmglocken schrillen, was stattdessen eine umständliche Recherche einläutet.
Natürlich lässt die Psychopathin irgendwann ihre Maske fallen, eine nachvollziehbare Motivation wird allerdings kaum geliefert.

Entsprechend fällt der Showdown nahezu komplett vorhersehbar aus, es gibt ohnehin kaum Actioneinlagen oder anderweitige Schauwerte und auch der Blutgehalt tendiert gegen Null, wenn nach wuchtigen Schlägen mit einer Eisenstange noch nicht einmal eine kleine Hautblessur, geschweige denn eine klaffende Wunde entsteht. Zwar hängt man noch ein, zwei Szenen hintendran, doch derlei Pointen sind hinlänglich bekannt.

Folgerichtig kommt der Stoff auf keiner Ebene über schlichtes TV-Niveau hinaus. Zwar wird die Geschichte einigermaßen aufs Wesentliche konzentriert vorgetragen, so dass während der 86 Minuten Laufzeit keine Längen entstehen, doch Spannung und Atmosphäre haben innerhalb der schlichten Ausstattung und der allenfalls zweckmäßigen Performances der mittelmäßigen Mimen das Nachsehen. Überraschungsfreie Dutzendware.
4 von 10

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