Wer mit dem Schlagwort „Skandinavischer Film“ einzig und allein Ingmar Bergmans 3,5-Stunden-Einschlafhilfen wie „Szenen einer Ehe“ verbindet und gelangweilt abwinkt, der muss eines Besseren belehrt werden. In den vergangenen 10 Jahren wurde in den skandinavischen Landen hervorragende Arbeit geleistet. Allen voran sind da Filmproduktionen aus unserem Nachbarland Dänemark zu nennen. Und noch bevor Filme wie „In China essen sie Hunde“, „Old men in new cars“ oder „The good cop“ hierzulande bekannt wurden und nahezu Kultstatus erreichten, drehte Nicolas Winding Refn mit „Pusher“ den Auftakt zu einer Trilogie, die mehr als einmal an den jungen Tarantino erinnert. Und ganz nebenbei etablierte sich durch diesen Film Kim Bodnia in der Créme de la Créme des dänischen Schauspiels.
Frank (Kim Bodnia), Drogendealer aus Kopenhagen, sitzt tief in der Tinte. Ein Deal, den er durchführen sollte ist geplatzt und nun schuldet er der Jugoslawen-Mafia 230.000 Kronen. Er hat eine Woche Zeit, um das Geld zu beschaffen… und er weiss: wenn er es nicht schafft, können sich die Jugoslawen rund um Anführer Milo (Zlatko Buric) zu unbequemen Zeitgenossen entwickeln…
Nicolas Winding Refn wurde im Vorfeld plakativ als der „Tarantino Dänemarks“ gepriesen. Nun kann man diesen Vergleich als gerechtfertigt ansehen oder auch nicht, was auf jeden Fall feststeht: Man merkt „Pusher“ bereits in den ersten Minuten an, dass der Regisseur stark von Quentin Tarantino beeinflusst ist. So erinnert zu Beginn des Films ein Gespräch zwischen Frank und Tonny (Mads Mikkelsen) im Auto doch allzu sehr an die Anfangssequenz aus „Pulp Fiction“. Und auch im weiteren Filmverlauf begegnet dem Zuschauer die eine oder andere Szene, in der er sich denken muss: „Irgendwoher kenn ich das…“ Diese Parallelen zwischen „Pusher“ und den Filmen Tarantinos erscheinen jedoch keineswegs als ein dreistes Plagiatsvergehen. Ganz im Gegenteil: Nicolas Winding Refn schafft es, diese Szenen so in ein stimmiges Gesamtes einzufügen, dass man den Respekt, den er Tarantino damit zollen wollte, jederzeit zu spüren bekommt.
Die Geschichte wird dem Publikum, das „In China essen sie Hunde“ und dessen Prequel „Old men in new cars“ gesehen hat, bekannt vorkommen: Kim Bodnia muss sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Jugo-Mafia zur Wehr setzen. Alter Hut? Naja, irgendwie schon. Aber so oft man diese Rahmenhandlung auch wählt: seltsamerweise verliert sie nie an Spannung und Witz. Daher schafft es auch „Pusher“ eine angenehme Mischung aus Thriller und Drama darzustellen, die eigentlich nie langweilig wird. Es gibt zwar nur äußerst selten erwähnenswerte Höhepunkte während des Filmverlaufs, dies wird jedoch durch erzählerische und filmische Stilmittel geschickt kaschiert. Zur schauspielerischen Komponente muss eigentlich nicht viel gesagt werden. Wer Kim Bodnia kennt, wird wissen, dass er eigentlich nie schlecht agiert. Gewohnt souverän setzt er hier seine Rolle als sympathisches Arschloch Frank um, wie er es Jahre später als Harald in „In China essen sie Hunde“ und „Old men in new cars“ erneut tun soll… Aber auch Zlatko Buric (als herrlich böser, aber auch witziger Jugo-Mafia-Boss) und Mads Mikkelsen (als Franks Brother-in-Crime Tonny) gewinnen recht schnell die Herzen (oder den Hass) der Zuschauer. Kurzum: schauspielerisch passts an allen Ecken und Enden bei „Pusher“.
Nicolas Winding Refns Regiedebüt präsentiert sich im Gesamten als stimmiger Gangster-Thriller, der richtig Spaß macht und zugleich die Initialzündung für einige weitere, großartige dänische Filme darstellte. Wer Tarantinos „Frühwerk“ mag, wird sich auch bei „Pusher“ bestens aufgehoben fühlen. Und jeder, der Lasse Spang Olsens „In China essen sie Hunde“-Reihe liebt, kommt ohnehin nicht umher, sich „Pusher“ anzuschauen. Klasse Film, der meine Affinität zum skandinavischen Kino weiter gestärkt hat. 8 von 10 Punkten!