"Du sitzt ganz tief unten in der Scheiße, ist dir das klar?"
Frank (Kim Bodnia) und sein befreundeter Kollege Tonny (Mads Mikkelsen) sind stadtbekannte Drogendealer in Kopenhagen. In überwiegend kleineren Tagesgeschäften verticken sie die von dem Großdealer Milo (Zlatko Buric) gekauft Ware, um über die Runden zu kommen. Von den nächtlichen Eskapaden in Bars abgesehen ist Frank so ziemlich alles egal, und so reagiert er auch gegenüber seiner Freundin Vic (Laura Drasbæk), die als Stripperin und Prostituierte tätig ist, eher abweisend.
Da Frank Milo noch Geld schuldet kommt ihm ein ehemaliger Knastkollege, der eine größere Menge Heroin einkaufen möchte, wie gerufen. Das Geschäft platzt allerdings als sich die Polizei hinzu gesellt. Frank wird das Heroin zwar los, sieht sich nun aber mit noch höheren Schulden bei Milo konfrontiert. Dieser gibt ihm nur wenige Stunden Zeit um das Geld zu beschaffen und droht ansonsten seinen berüchtigten Schläger Radovan (Slavko Labovic) auf ihn loszulassen.
Regisseur Nicolas Winding Refn's ("Walhalla Rising", "Drive") Debütfilm "Pusher" beschreibt sieben Tage im Leben eines Drogendealers, die sich immer weiter zuspitzen. Durch seine ungeschönte Inszenierung und verständliche Charaktere wirkt das Abbild des Milieu enorm real. Trotz dieser Stärken kann der Film seine Schwermütigkeit allerdings nicht kaschieren.
Viel zu erzählen hat "Pusher" nicht. Die übersichtliche Anzahl an Charakteren und Schauplätzen, sowie der lineare Ablauf schränkt das Milieu- und Charakterdrama ein. Besonders die erste Hälfte bremst den Spannungsbogen, durch alltägliche Begegnungen und Ereignisse, spürbar aus. Erst in der zweiten Hälfte steigert Winding Refn das Tempo, indem er seinen Protagonisten durch verwinkelte Gassen und Wohnungen scheucht.
Auffällig bei "Pusher" ist die durchgehende Humorlosigkeit und die Nähe zum Hauptcharakter. Durch die einwöchige Begleitung von Frank in allen Bereichen seines Lebens erhält der Film dokumentarische Aspekte. Stets hängt die Kamera an ihm dran, seine Gedanken bleiben aber mangels Erzählerstimme verborgen.
Recht offensichtlich wird, dass eine Sympathiefigur nicht vorgesehen ist und Bezugspunkte nicht abgedeckt werden sollen. Dadurch nimmt der Film eine recht neutrale Haltung an und setzt eintönige Alltagsgeschehnisse und plötzliche, drastische oder temporeiche Szenen auf eine Ebene. Gerade letztere können dem Film seine Spannungskurve gewährleisten, treten allerdings eher selten auf.
Der Schluss gleicht einem Schlag in die Magengrube, denn genauso überraschend, wie auch plötzlich flimmert der Abspann über die Leinwand. Was danach überwiegend hängen bleibt ist die schwermütige, bedrohliche Atmosphäre, die einerseits stimmungsvolle Szenen erschafft, andererseits keine Höhen zustande bringt.
Die ausschließliche Verwendung von Handkameras erzeugt eine passend minimalitische Optik, an die man sich zunächst einmal gewöhnen muss. "Pusher" bleibt durchgehend bodenständig und zeigt seine Straßenzüge und Wohnungen ungeschönt und greifbar.
Die frischen Gesichter der Schauspieler passen zum realistischen Setting. Kim Bodnia ("In China essen sie Hunde") dominiert mit einer unglaublichen Präsenz und versteinertem Mienenspiel, wodurch seine Figur ein hartes auftreten, wie auch ein melancholisches erhält.
Weniger präsent, aber nicht weniger charismatisch, sind Mads Mikkelsen ("Casino Royale") sowie Zlatko Buric, die eine offenere Präsentation vorlegen und somit in ihren Szenen mehr wahrgenommen werden als der Hauptdarsteller.
"Pusher" bleibt durchgehend authentisch und entzieht dem Gangsterleben jegliche Romantik und jeden Glamour, stellt seine stark besetzten Figuren stattdessen an den Rand ihrer Existenz. Die immer wieder auftretende Gossensprache ist dabei genauso sperrig wie das Milieudrama schwermütig ist. Gerade in der ersten Hälfte kämpft der Film mit spürbaren Längen. Erst in der zweiten Hälfte steigern sich Tempo und Spannung, wodurch die kompromisslos präsentierte Welt bis zur plötzlichen, bitteren Pointe greifbar anfühlt. Knappe ...
7 / 10