Review

Die meisten Einleitungen zu jeweils neuen Filmen von Nicolas Cage, die Vorworte zu den nun doch zahlreich erscheinenden und überaus regelmäßig zu verzeichnenden Auftritten enthalten meist die Aussagen zu den Sachen, die früher einmal waren und nun nicht mehr, und was nun mit dem Darsteller los ist und was nicht. Vergangenes, dass nicht am Ruhen, sondern  unterschwellig lodern und so auch Anlass zu steten Lamentiere ist, wobei so mehrmals im Jahr das Gleiche zu verschiedenen Filmen, nur etwas abgeändert in der Ausdrucksform und auch beliebig übertragbar auf anderen Schauspieler wie (mehr) Willis und (weniger) Cusack bspw. steht.

Im Gegensatz zur steten Schriftart und auch im Gegensatz zu seinen im gleichen Zusammenhang erwähnten Kollegen, die es theoretisch genauso und nicht anders trifft, ist Cage allerdings ein recht fleißiger Genosse, der nicht nur zumeist recht prominent auch noch in den jeweiligen Filmen, als Hauptrolle nämlich und dort auch mit viel Ehrgeiz oft vertreten ist. Und der die Auswahl bezüglich auch der Regisseure und Geschichten variabel hält, noch nicht gänzlich 'abgeschrieben' ist und für Überraschungen gut, sowie für Auftritte, die zuweilen für eine eigene Art der Güteklasse reichen; auch oder wenn sie ein wenig neben der Spur und 'übertrieben' offensichtlich sind:

Das Ehepaar Ray [ Nicholas Cage ] und Maggie [ Robin Tunney ] will nach einer dramatischen Vergangenheit das Leben fernab der Großstadt neu anfangen und entscheidend sich nach kurzer Besichtigung seitens von Ray für den Kauf einer Motelimmobilie, die zukünftig geführt werden soll. Der Vorbesitzer Ben [ Bill Bolender ] ist seltsamerweise bei der Schlüsselübergabe gar nicht anwesend und hinterlässt quasi eine offene Tür und einen Zettel mit Hinweisen, auch erreichbar per Telefon ist er nicht mehr. Als der Sheriff Howard [ Marc Blucas ] anfängt Fragen über ein kürzlich ermordetes Mädchen zu stellen, ein totes Schwein im Motelpool schwimmt, und sich der Besitzer sowie die Dorfjugend von der Tankstelle schräg gegenüber auch zunehmend merkwürdig benehmen, wird Ray unsicher.

"Did you do it?"

"Did I do it?"

"Did you do it?"

- "Did I do what?"
- "Ray, did you do it?"
- "Did I do what, the pig?"
- "Did you do it?"
- "Howard?"
- "Ray, did you do it?"
- "Did I do..."
- "Did you do it?"
- "Did I do what?"
- "Ray, did you do it?"
- "Did I do what?"
- "Did you do it?"
- "Did I do what?"

"I know you didn't do it. It's all right.
So you in touch with Ben at all?
"

"No."

"Listen Ray, I want you to give me a shout if you see just anyone unusual around here."

"Unusual? So far, just you, Howard."

Looking Glass dabei als Zurücknahme im Spiel, als Thriller, als eine Mischung aus Psychodrama, vielleicht Pechschwarze Komödie und Voyeurssuspense, slow-burning & full of dark quirkiness, mit einem ansprechend kleinen Rahmen, der nur ein Set und ein Setting und häufig gar nur die Räume hinter der Fassade, das Innere gar des Äußerlichen betritt und dort auch seine Spuren hinterlässt. Im Ruhigen wird die Geschichte vorangebracht, der Zuschauer über das Ehepaar selber und den Mann speziell an die Geschehnisse herangeführt, die Reise mit ihnen von einer Tragödie in der Vergangenheit hinweg zu einem möglichen Neuanfang ganz weit draußen in der Wüste angetreten, eine Reise durch die Endlosigkeit und imposante, aber auch menschenleere Weite Amerikas, an dessen Ende der Fahrt bloß ein Motel mit etwa einem Dutzend Zimmern und diese auch alle gleich aussehend steht. [Gedreht wurde im Zwei-Sterne-Hotel Aiken's Lodge, am Highway 89 im Zentrum vom 4500 Einwohner-Nest Kanab, Utah.]

Funktional wie diese Behausung, die nur auf die Übernachtung selber und nicht etwa wirklich wohnlich, und auch nicht persönlich, sondern anonym dann angelegt ist, begibt sich auch die Regie (von Tim Hunter, der von der ursprünglich geplanten Dori Oskowitz übernahm) auf die Eröffnung seiner Narration, wird anhand des Folgens und Erkundens von Ray, der keine Übergabe vom Vorbesitzer bekommen hat und keine Führung, auch die Gegend erspäht und die noch folgenden Probleme ganz eigener Art an den Tag gebracht. Eine Art Inventur, Bestandsaufnahme der Dinge, die da sind, und der Dinge, die hier beim Neuanfang weitab vom bisherig Gewohnten noch gemacht werden müssen, und die eventuell ungewohnt erscheinen und nicht so recht in das auf Zweckmäßigkeit getrimmte und so auch gewünschte Leben passen mögen. [Die Waffe im Handschuhfach ist als erstes aus dem Rahmen fallend, gefolgt von einem schief aufgehangenen und so auch schief befestigten Bild, und alsbald galoppieren die Absurditäten und Mysterien.]     

Der Rest der Tage zieht sich so dahin, weiss man nicht genau, wieviel nun vergangen sind, warum immer nur zwei Gäste scheinbar da sind, eine davon dauernd und einer nur auf Stippvisite, wenn man das so nennen möchte, und als Ray einmal mehr macht, als nur von außen und aus sicherer Entfernung zu beobachten und per Zufall in das Innere seiner neuen Behausung, in das Skelett des Biestes steigt gewissermaßen, dann sieht er zumindest mehr als zuvor gedacht war und kann den Blick auch nicht mehr abwenden. Ein Einwegspiegel zum Leben der Menschen quasi, oder wohl eher zum Bettgeschehen dieser, also zu den Dingen, die gemeinhin hinter verschlossenen Türen und zugezogenen Gardinen passieren und deswegen intim und privat bezeichnet sind.

An Peeping Tom fühlte sich Cage selber erinnert, an ein ländliches und vergleichsweise züchtiges Body Double der Zuschauer, Neo-Noir und B-Picture Hitchcock hatte der Regisseur Hunter, heute ein Serienveteran wie so viele andere, früher mal der Macher der Dramen Tex (1982), Das Messer am Ufer (1986) und Die Helden von Fort Washington (1993) als Genre im Sinn; ein stetes Verwirrspiel mit Semi-Skurillen im Stil von Lynch, dass nur langsam zündelt und dennoch stetig am brennen ist. Herausgekommen ist unabhängig der Geschichte, die gänzlich anders gehalten ist eher der späte Nachklapp zu Früh-Neunziger Provinzialthrill wie Red Rock West, Kill Me Again, Delusion oder Bad Heat - Highway des Todes, mit einer Zeitendehnung und einer Ortsleere, in der das Kaff genauso tödlich wie der Ausritt in die Wüste und der Anblick all der karierten Flanellhemden von Hauptdarsteller Cage ist.

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