Wohl eher zufällig auf die große Leinwand geratener, ehedem Category 5 betitelter Actionthriller, der dann dort auch prompt untergegangen ist, oder – um im Jargon des Katastrophenszenarios zu bleiben – vom Winde verweht wurde und tatsächlich dem eines (finanziellen) Desasters entspricht. Gedreht von Rob Cohen, der seit jeher mit den Kritiken und ihrer Ungnädigkeit zu kämpfen hatte, aber ehedem noch Interesse der Zuschauer und so eine Zugkraft seiner Produktionen vorwies, und heutzutage von alledem allein gelassen ist, erweist sich der von großen Studios unabhängig produzierte Film schon von der Anlage her und der Synopsis als viel besser für den Heimvideomarkt zugänglich und wie dort für die schnelle Unterhaltung prädestiniert. Dort in seiner Isolation in VoD und DtV ist er mit seinen Kosten von 35 Mio. USD wiederum zu teuer für; ein zweischneidiges Schwert des so kaum mehr existenten Actionfilmes im mittleren Preissegment, das demnächst wohl auch dem Tsunami L.A. vom (Schmäh)Kollegen Simon West anheim fallen wird, welcher genau in diese Schiene von früher mal gefragten Konsumregisseuren v.a. im Actionbereich und nunmehr geschassten Handwerkern changiert:
Gulfport, Alabama. Während der Meteorologe Will Rutledge [ Toby Kebbell ] seinen Bruder, den Ex-Marine und nunmehrigen versoffenen Mechaniker Breeze Rutledge [ Ryan Kwanten ] vor einem in Kürze aufkommenden Hurrikan warnen will, und die Kleinstadt sowieso evakuiert ist, wird er Zeuge eines Überfalls auf die nahegelegene Münzprägestätte, in der ursprünglich 600 Millionen Dollar in Scheinen vernichtet werden sollen, aber jetzt in der Gunst der Stunde durch Connor Perkins [ Ralph Ineson ] und sein Team aus Hackern und Söldnern in Beschlag genommen ist. Einzig die Regierungsbeamtin Casey Corbyn [ Maggie Grace ] hindert die Gauner noch am Erfolg, hat sie doch kurz zuvor den Code zum Tresor verändert, und auch die Rutledge Boys erweisen sich bald als schlagkräftiges Hindernis. Dazu rast der Sturm auf die Küste zu.
Dem (gemeinen) Publikum ist natürlich egal, was woher kommt und von wem, es sollte möglichst knackig amüsieren und 90min flottes Entertainment bieten, wofür man dann eventuell auch Abstriche in Sachen Logik und Intelligenz sowieso auch in Kauf nimmt. Das boten mehr oder wenige auch die filmographischen Vorgänger von Cohen, der sich in Sachen bunten Effektspektakel für die Popcorn-Anhänger durchaus auskennt und nicht umsonst in der Zeit des Millenniums damit so richtig reüssiert hat und von dieser Reputation auch heute noch nach einigen Fehlschlägen und der damit einhergehenden Herabsetzung zehrt. Vom Regisseur von The Fast and the Furious (2001) und xXx - Triple X (2002) (und dem in einigen Kreisen zurecht geliebten Stealth) also, und das mit einer Variante, die stark an den gleichsam zu den Lieblingen gehörenden Hard Rain (1998) erinnert; tatsächlich schief gehen kann da im Guilty Pleasure - Bereich eigentlich nichts. Und tut es auch nicht.
Schon bei der Pre-title, die die Stoßrichtung vor- und die Tonalität gibt, merkt man das Gesinnen des Filmes und des seines Regisseurs, der zwar laut und stürmisch kann und auch mit als Experte dafür gilt, von Nuancen aber keinen Schimmer hat und auch dramaturgisch und in der Wahl und Führung seiner Darsteller eher voll auf die Zwölf eingestellt ist. Im besten Fall genügsame schauspielerische Leistungen, die aber auch kein gutes Material zur Verfügung haben und schon von vornherein so an zwei Seiten begrenzt sind, treffen auf einen Filmemacher, der sich auch wenig darum schert und es möglichst krachen lassen will und dies möglichst schnell und häufig. Beim ersten Hurrikan, dem Andrew, der den beiden Jungs den Vater gekostet hat und dann noch seine hässliche Fratze im Himmel am Zeigen ist, fehlt im Grunde noch die fliegende Kuh aus Twister als Lacher, ansonsten wäre die unfreiwillige Komik perfekt, die hier das Drama vollends unterspült.
Nun hat der Film, wenn denn überhaupt, aber auch ein entsprechend genügsames, dergleichen Spektakel liebendes Publikum angezogen und eines, dass keinen Shakespeare, sondern seine volle Dröhnung will; und dann auch angenehm dankbar dafür ist, dass die üblichen Sperenzchen des Katastrophenfilmes mit seinem langen Vorbau, den vielen Personenvorstellungen und den Warnungen des Wissenschaftlers sowie den Verneinungen der Politiker hier einfach ignoriert wird bzw. strengstens abgekürzt und auf das Nötigste beschränkt. Minimalismus in Reinkultur, rein und raus aus der Prämisse, dafür umso mehr Toberei auf der Leinwand selber, wo es nach wenigen Minuten auch im Hier und Jetzt stürmt und das große Bauz! und Perdauz! mit ehrenhaften Helden und gierigen Bösewichtern los ist. Rasanz vor Raffinesse, warum auch nicht. Schön auch, dass Cohen das Chaos und die Zerstörung in seinen Bildern nicht zusätzlich mit Hektik und Gewackel korrelieren lässt, sondern auf Übersicht bedacht ist. Schade nur, dass ein möglichst harmloses PG 13 angestrebt ist und schon der einleitende Überfall auf das Gelddepot nicht mit quer durch den Raum (und am besten noch in die Kamera hinein)platzenden Blutpäckchen, sondern aus der Kinderabteilung und eben mit Betäubungspfeilen umgesetzt ist; sowieso scheut der Film ein bisschen mögliche Konfrontationen und ist neben all der Blutleere auch ein wenig ausweichend und damit unter den Möglichkeiten des Sujets selber angelegt.
Denn (die ältere Generation) erinnern tut die ganze Chose dabei auffällig auch an den unverfilmten Gale Force, ein Ende der Achtziger für ursprünglich 500.000 USD (plus 200.000 USD Bonus bei Verfilmung) von Carolco gekauftes und ehedem für Sylvester Stallone und Renny Harlin angedachtes und von u.a. Joe Eszterhas bearbeitetes Skript von David Chappe, dessen Geschichte ("A group of modern-day pirates descend upon a coastal town, using a hurricane as cover for a bank heist.") hier im Grunde übernommen, in den Hauptfiguren und dem Plan der Gangster selber verändert und mit eigenen Zutaten dann angereichert wird. Dort ein ehemaliger Navy Seal plus ein ihm übel gesinnter, da rachsüchtiger Vater im Die Hard Szenario ("All Stallone cared about, was on what page did he start getting wet."), hier zwei eigenwillige Brüder mit tragischer Vergangenheit und eine Agentin vom Schatzamt, immerhin bleibt das Unwetter gleich und die bestenfalls piefige Kleinstadt, die hier perfektes Szenario für das Hin und Her zwischen Gut und Böse darstellt und bald nach allen Regeln der Kunst in ihre Einzelteile zerlegt wird.
Ordentlich was los also, viel Gebläse mit der Wind- und Regenmaschine, Verfolgungsjagden bei massiven Aquaplaning, wildgeworden über die Straße geschobene Autos, umstürzende Tanker, explodierende Tankstellen, abgeholzte Funktürme, wird fleißig geschossen und nicht nur den Kugeln ausgewichen, sondern auch all dem umherfliegenden zivilisatorischen Müll, den Karosserien, den abgeplatzten Gebäudeteilen und anderen zersprengten Mobiliar möglichst aus dem Weg gegangen, der Hurrikan dabei selber ab und an als Hilfe in der Not und wie als gigantischer Staubsauger für die Schergen oder Verstärker für die über die Straße geschleuderten Wurfgeschosse genutzt und so mit der Natur interagiert. Cohen nutzt dabei natürlich die Kraft der Special Effects Leute, die bis auf ein paar also durchsichtige Aussetzer auch soweit ordentlich arbeiten, vor allem angesichts der zur Verfügung stehenden Geldmittel, die noch ein Tick bzw. ein ganzes Drittel weniger als schon beim niederen Into the Storm (2014) gehalten sind; selbst der nicht gefilmte Gale Force (an dessen statt der Zuschauer dann Cliffhanger spendiert bekommen hat) hätte schon 40 Mio. USD kosten sollen, was inflationsbereinigt heute etwa das Doppelte des hier vorhandenen Budgets ist. Und er vertraut zusätzlich auf reale Aufnahmen und tatsächlich spürbare Kraftakte seiner Crew, einschließlich der Stuntleute und der Darsteller selber, die physisch gefordert sind und sich triefend und frierend in die hiesige "andere Seite der Hölle" begeben.