Review

TV-Adaptionen der Werke Stephen Kings sind ja immer so eine Sache, doch Tobe Hoopers „Salem’s Lot“ hinterlässt einen sehr guten Eindruck.
Selbst der Prolog aus dem Roman, der zu Kings besten gehört, ist übernommen worden, wenngleich Hooper den dort auftauchenden Personen dort zwangsweise Gesichter geben muss (im Buch war anfangs unklar, welche zwei Figuren dort auf die Geschehnisse zurückblicken). Erfreulicherweise behält Hooper auch einen Großteil des Panoptikums an Charakteren, die „Salem’s Lot“ als Buch so gut machten, bei, streicht zwar einige weg, aber bevölkert die titelgebende Stadt mit vielen, gut erdachten Figuren.
Dazu gehört auch der Schriftsteller Ben Mears (David Soul), der nach Jahren der Abwesenheit in seine Heimatstadt Salem’s Lot zurückkehrt, um dort ein Buch über das alte Marstenhaus zu schreiben. Selbiges ist jedoch bereits von dem seltsamen Richard K. Straker (James Mason) und dessen bisher ungesehen Partner gemietet worden. David will über das Haus schreiben, da er dort einen Hort des Bösen vermutet und tatsächlich sind die neuen Bewohner reichlich seltsam: Der eine rennt nur in dunklen Anzügen herum, den anderen hat noch kein Einwohner gesehen.

Tatsächlich hat Ben mit seiner Furcht recht, auch wenn er noch nicht weiß wie sehr: Hausbewohner Nr. 2 ist ein Vampir, der sich daran macht, Salem’s Lot zu entvölkern und die Bewohner in Vampire zu verwandeln, was jedoch vorerst keiner merkt...
Verfilmungen sollte man ja möglichst eigenständig sehen, gerade da umfangreiche Romane schwer auf Spielfilmlänge zu trimmen sind, doch bei Hoopers rund dreistündiger TV-Adaption kann man die Werktreue positiv anrechnen, sodass Film beinahe so spannend wie das Buch ist. Nur wenige Episoden und Charaktere streicht Hooper und behält auch den angenehm kompromisslosen Ton des Buches bei: Hier sterben auch Sympathieträger, die 08/15-Horrorstreifen überleben würden, nur das Vampirbaby aus dem Buch enthält Hoopers uns vor (wenngleich es immerhin erwähnt wird) und selbst die für den Helden krasseste Begegnung im Finale behält Hooper bei, wenngleich sie hier vom Finale auf einen im Buch nicht vorkommenden Epilog verlegt wurde.
Doch auch allein gesehen hat „Salem’s Lot“ seine Vorzüge, denn man bebildert den Horror, das Freunde, Verwandte und Geliebte nicht nur sterben, sondern auch zurückkehren, um ihre Leute ebenfalls zu Kindern der Nacht zu machen, recht einfallsreich. Der exzessive Einsatz der Nebelmaschine hat zwar ein bisschen was von Budenzauber und die Effekte sind zwar für damals OK, aber heute leicht antiquiert, doch Stimmung hat „Salem’s Lot“ schon. Gerade die Interieurs des Marstenhauses erzeugen ein gelungenes Gänsehautfeeling und ein paar schöne Schockeffekte zaubert Hooper schon aus dem Hut.

Auch die Darstellerleistungen sind zwar nur gehobenes TV-Niveau, aber im grünen Bereich. „Stirb langsam“-Ehefrau Bonnie Bedelia darf man in einer frühen Rolle als Unschuld vom Lande sehen und David Soul gibt einen zufriedenstellenden Helden ab. Den besten Part hat jedoch James Mason als stets gefasster, teilweise sarkastischer Vampirhelfer, der hier klar den bleibendsten Eindruck hinterlässt.
Jedoch wäre bei „Salem’s Lot“ noch mehr drin gewesen und das liegt leider an den TV-Wurzeln. Das Vollbildfomat stört nicht wirklich, doch die Inszenierung ist etwas bieder und gerade im Bereich Kulissen hätte man an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Budget gut gebrauchen können. Zudem merkt man, dass die Macher hier gezwungen waren, den Horror auf für Fernsehzuschauer erträglichem Niveau zu halten: Sehr gruselige Stimmung gibt es nur am Ende und (wie bei jeder TV-Adaption von King eigentlich) wird bei den Beiß- und Gewaltszenen immer sehr schnell weggeblendet (wobei das Buch ja nicht sonderlich hart ist).

Doch trotz einiger Mängel ist „Salem’s Lot“ eine recht spannende und vor allem sehr stimmungsvolle Angelegenheit. Einer der werkgetreuesten Kingverfilmungen und die vielleicht beste TV-Adaption eines seiner Romane.

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