Review

Die Verfilmung des Stephen King-Romans BRENNEN MUSS SALEM ist ein zwiespältiges Vergnügen. Zum einen kann sich der Film (bis auf den gelangweilten David Soul) auf ein Ensemble gestandener Darsteller stützen.
Andererseits merkt man aber auch deutlich, dass die Macher reichlich Schwierigkeiten damit hatten, King's Roman in eine adäquate Form zu bringen: Der Film hat mit dem Buch nicht mehr viel zu tun. Es fehlt nicht nur fast der halbe Roman, auch der Rest wurde stark verändert.
So ergeben sich in der Handlung zahlreiche Löcher und Ungereimtheiten.
Vor allem aber der "Rollentausch" des im Roman als klassischer Vampir im Gefolge Draculas erscheinenden Barlow und dessen kahlköpfigen, kriechenden Diener Straker wirkt vollkommen lächerlich. Hier ist Straker der nobel erscheinende Mann von Welt, während Barlow als kläglicher Nosferatu-Verschnitt mit Hasenzähnen daherkommt.
Wie schon erwähnt ist David Soul in der Hauptrolle als Ben Mears nicht besonders überzeugend. Er schleppt sich durch den Film, als ob er ständig unter Drogen stünde. Die unterforderten Recken Lew Ayres und James Mason können einem fast leidtun, dass sie gegen diese Trantüte anspielen müssen.
Auch wird das Ganze reichlich blutleer präsentiert. Statt dessen setzt man auf altbackene Gruseleffekte aus der Mottenkiste des Genres, die nichteinmal meine Oma hinter dem Ofen hervorlocken würden. Die Kinoversion versucht dies zwar mit einigen alternativen, härteren Sequenzen auszugleichen, jedoch ist sie, was die Handlung betrifft, so dermaßen zusammengestaucht worden, dass man kaum noch dem Faden der Geschichte zu folgen vermag.
Tobe Hoopers Inszenierung wirkt konventionell und geradezu bieder. Man hat stehts das leise Gefühl, gerade die Hardcore-Version von UNSERE KLEINE FARM präsentiert zu bekommen.

Aber trotz allem bietet der Film einen gewissen Unterhaltungswert, gerade wegen seiner Unzulänglichkeiten. Trash as trash can.

Wertung: 5 von 10



Übrigens ist die deutsche TV-Fassung nicht ungekürzt. Auch die Videofassung, die auf der US-Kinofassung basiert, musste federn lassen, denn in allen deutschen Fassungen ist eine Szene geschnitten:

Als Cully Sawyer seine Frau Bonnie mit Larry Crockett im Bett erwischt, ist in der deutschen Fassung zunächst etwas kürzer, wie Bonnie versucht, alles abzustreiten und behauptet, Larry hätte versucht, sie zu vergewaltigen.
Im Anschluss hieran fehlt die komplette Szene, wie Cully Larry unter dem Vorwand ins Wohnzimmer bittet, mit ihm reden zu wollen. Stattdessen zwingt er Larry, sich den Lauf der Schrotflinte vor das Gesicht zu halten und seine Augen zu schließen. Cully drückt ab, aber das Gewehr ist nicht geladen.
Erst jetzt ergreift Larry die Flucht und rennt dem Vampir Barlow direkt in die Arme.


Zu der britischen Videofassung sei noch anzumerken: Obwohl von der länge her mit der TV-Fassung identisch, enthält sie doch die alternativen härteren Szenen der US-Kinofassung:

- Als Dr. Norton aufgespießt wird, ist statt der Nahaufnahme von dessen Gesicht (TV-Fassung) eine Halbtotale des aufgespießten Norton (Kinofassung) zu sehen.

- Barlow ist nicht so leicht tot zu bekommen wie in der eigentlichen TV-Fassung. Er windet sich noch länger und schreit. Währenddessen erwachen auch die anderen Vampire im Nebenraum und kriechen langsam auf die Tür zu. Mark kann die Tür in letzter Sekunde verschließen.

- Das Marsten-Haus brennt in der Kinofassung wesentlich länger. Die Kamera fährt auf eines der Kellerfenster zu, dessen Scheiben in der Hitze platzen und aus dem Flammen züngeln. Man hört die Schreie der verbrennenden Vampire.

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