Review

Cieco, ein blinder Revolverheld ist um 50 Frauen betrogen worden, die er einer Gruppe von Minenarbeitern liefern wollte.
Doch die Frauengruppe hat sich das verrückte mexikanische Brüderpaar Domingo und Candy geschnappt, die ihre eigenen Pläne mit den Damen haben. Cieco grät, als er seine 50 Weiber zurückhaben will, zwischen einen Krieg der beiden Brüder gegen El General und mischt dabei selber kräftig mit.
Skurril, so könnte man den Film mit einem Wort zusammenfassen. Da wäre zuerst Tony Anthony, der hervorragend und überzeugend den blinden Cieco spielt (als Vorbild diente wohl der blinde Zatoichi im gleichnamigen Samurai-Film). Cieco, ausgestattet mit einem Gewehr, das gleichzeitig als Blindenstock dient, kämpft sich geschickt durch die Prärie. Blindenlandkarte, Blindenkompass oder auch sein "wegweisendes" Pferd, sind nur weitere Gimmicks. Dazu lässt Cieco immer mal wieder Weisheiten oder trockene Sprüche ab, die zwischen witzig, zynisch oder auch ironisch angesiedelt sind. Selbst vor Schurken macht der Gute nicht halt, hört er doch außerordentlich gut und pumpt die Gegner mit ausreichend Blei voll. Anthony passt einfach super, zeigt sich immer cool, versteckt sich unter dem breiten Hut und trägt viel zum überaus positiven Gesamteindruck bei.
Die verrückten mexikanischen Brüder werden absolut hervorragend von Lloyd Battista und, hört, hört, Ringo Starr dargestellt. Battista spielt mit vollem Einsatz und ist ein guter Gegenpart zu Anthony. Ringo Starr beisst zwar relativ schnell ins Gras, überzeugt aber durchaus in seiner Screen time als dreckiger Schurke.
Die Inszenierung bietet technisch gesehen guten Durchschnitt. Ein effektvoller oder raffinierter Umgang mit der Kamera ist eher selten, dafür überzeugt das Eingefangene mit imposanten Kulissen und Ideen:
Eine Geisterstadt, vollgestopft mit weißen Kreuzen. Die fast vollständig schwarz angemalte Festung von Domingo, nachdem sein Bruder Candy getötet wurde, etc.
Immer wieder wird unterschwelliger Witz eingebaut (Ciecos Sprüche) oder wenn sich der Gute mal verschätzt und mit der Rübe gegen eine Balken knallt.
Dagegen stehen als harter Kontrast krass eingefangene Szenen, wie die Verfolgung der 50 Frauen durch die Wüste. Die mexikanische Bande tötet die Damen, ohne mit der Wimper zu zucken oder schlagen sie brutal zusammen. Oder El General, der seinem Gegner die Augen mit der Zigarre ausbrennt... Dazu ist der Bodycount insgesamt auf einem "recht hohen Niveau".
Der Soundtrack ist überaus eindringlich, kein billiger Klon und unterstreicht die Bilder gekonnt. Hat mir sehr gut gefallen.
Dazu gibt es (gleich zu Beginn) massig Brüste und Hintern über die gesamt Spielzeit zu sehen. Bei 50 Frauen kommt da schon einiges zusammen.
Dazu benutzt der Blindman auch gerne mal Dynamit und es kracht und scheppert ganz schön. Genretypisch muss Cieco, auch auf Grund seiner Behinderung, mächtig einstecken. Auf der anderen Seite nutzt er diesen "Nachteil" oft zu seinem Vorteil, um die Gegner wegzupusten.
Ein Nachteil dieses Films ist es vielleicht, das die Jagd nach den 50 Frauen irgendwann eine gewisse Ermüdungserscheinung aufkommen lässt. Ein ständiges hin und her zwischen Cieco und Domingo. Der Plot ist zwar mal was anderes, allerdings auch nicht gerade originell und kann nicht ganz einen kontinuierlichen Spannungsbogen halten. Dazu gesellen sich ab und an unlogischen Handlungen der Figuren (warum schickt Cieco den Alten seinen Wagen holen? Man kann sich denken, dass die Schurken auf ihn dort warten). Aber gut, in diesem Genre ist das nicht ungewöhnlich.
Blindman ist ein gelungener Italowestern, der mal eine andere Story und einen anderen Helden hat (wenn auch nicht neu - siehe Zatoichi).
Die Kulisse ist Klasse und die Darsteller agieren mit viel Elan und geben dadurch den Figuren Profil. Der Soundtrack hört sich nicht an, wie die 50. Kopie von Meister Morricone und passt super zu Blindman.
Für Fans ein sicherer Kandidat für die Sammlung, obwohl der Film nicht ganz dem Hype gerecht wird, den man gerne mal in Foren liest. Blindman verfehlt somit nur knapp eine 8/10 und ist ein rundum gelungener, dreckiger spät Spaghetti-Western.

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