Ziemlich beste Brüder für immer... und Geldmacher
Nach dem neuen und hoffentlich wirklich finalen Fack, hat "Dieses bescheuerte Herz" Einiges gut zu machen. Nach Kinorotz aus deutschen Landen ala "High Society" oder "Hot Dog" erst recht. Was kann also der neue M'Barek-Kasssenschlager über eine ungleiche Freundschaft zwischen einem verwöhnten Arztsohn und einem schwer kranken Jugendlichen? Ist er ein faul auf die Tränendrüse drückender "Ziemlich beste Freunde"-Aufguss oder eine echte, auf wahren Begebenheiten beruhende Herzensangelegenheit? Ich tendiere zu Letzterem. Klar übernimmt er viele abgehalfterte Muster aus ähnlich humorvollen Filmen über ernste Themen, kommt nie wirklich auf das Niveau von den besten des Fachs. Doch im Endeffekt ist er ein wirklich gut anzusehender Film, weit über dem durchschnittlichen Niveau deutscher Dramödien. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, "Dieses bescheuerte Herz" ist ein Meisterwerk im Körper eines guten, mit einigen Ärgerlichkeiten behafteten Films. Oder noch anders: eine Empfehlung, bei der viel mehr drin gewesen wäre.
Elyas M'Barek spielt das routiniert aber oft spürbar auf Autopilot, fast schon hölzern. Man merkt ihm sein limitiertes Schauspieltalent immer wieder an und seine Figur ist zudem maximal eindimensional und vorhersehbar, die typische Läuterungen eines Partyplayers. Gähn. Die Stellen seines Gegenparts, dem relativ frischen Philip Schwarz, funktionieren besser, doch die sind wiederum nicht selten überdreht und launisch. Was aber natürlich auch auf den echten David zutreffen könnte. Allgemein kann man sich kaum vorstellen, dass sonderlich viel Wahrheit in den einzelnen Szenen steckt. Im Gesamtkonzept allerdings schon, sodass konstruierte Szenenfolgen der Kraft und positiven Message insgesamt wenig nehmen. Der Soundtrack ist gefühlvoll aber spielt sich zu oft in den Vordergrund. Der Humor funktioniert weitestgehend, kommt aber über gern genommene Standardgags zu selten hinaus. Mal wirken die Chemie und die Dialoge authentisch, mal gestelzt und erzwungen. Viele positive Dinge, ebenso viele Abers. Leider. Am Ende ist man dennoch gerührt und von dem erstaunlich unspektakulären Ende vielleicht sogar begeistert. Aussagen und Thema sind es eh wert in diesem großen Rahmen beleuchtet zu werden.
Fazit: ein erfreulich geerdetes und unaufgeregtes Drama, dass einem Hoffnung macht und einem näher geht, als es Trailer und Vorurteile vermuten lassen. Am Ende bleibt neben ärgerlichen Klischees, flachen Figuren und ein paar kleineren technischen Mängeln trotzdem ein warmes Gefühl. Ein Film, den man gerne sieht und dessen Schwächen man gerne übersieht. Ein echter Crowdpleaser. Oder um es anders zu sagen: er wirkt oft wie Schlumpf-Eis, ist aber im Kern echtes Vanilleeis.