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Bei der Verteidigung des Planeten Erde vergaßen die Völker der blauen Welt für einige Zeit ihre innere Zerrissenheit um geeint gegen die außerirdischen Invasoren vorzugehen, eine epische Rede vor der letzten Schlacht förderte den Kampfgeist der Truppen, manche starben heldenhaft im Kampf, andere vollbrachten in der Heimat des Feindes und im Angesicht des sicheren Todes Unglaubliches und schafften es trotz der Umstände heil zurück in ihre Heimat. 
Jahre später hat sich die Erde langsam von diesem ungleichen Krieg erholt, auch wenn allerorts noch Überreste der Invasoren herumliegen, welche ausgeschlachtet und vermarktet werden. Die Menschen haben jedoch den Angriff nicht vergessen, sondern die verstrichene Zeit genutzt, um sich vorzubereiten und neue Technologien zu entwickeln, denn die  extraterrestrischen Aggressoren könnten eines Tages zurückkehren. 
Und so kommt es auch, nur dieses Mal ist die Bedrohung sehr viel größer und der Sohn eines Helden des vorangehenden Krieges muss zeigen, dass er wie sein Vater zuvor dazu auserkohren ist, die Welt erneut zu verteidigen ... 

Was soll das heißen, Independence Day 2 war ein blasser Abklatsch des ersten Teils? Das ist doch nicht ... Ah, ich habe vergessen zu erwähnen, dass riesige Roboter gegen gigantische Monster kämpfen. Ja, genau, jetzt ist wohl alles klar, es geht um Pacific Rim: Uprising, die Fortsetzung des Überraschungshits aus dem Jahr 2013. 

Kritik ist natürlich sehr subjektiv und im Nachhinein betrachtet hat schon Pacific Rim bis auf das kleine Detail kämpfender Roboter und Kaiju sehr viel mit Independence Day gemein, vom grundlegenden Aufbau bis hin zur epischen Rede; es mag dem Genre und dem üblichen dramaturgischen Bogen geschuldet sein. Leider haben die beiden Filme noch etwas gemein und das ist ein enttäuschendes Sequel, welches krampfhaft versucht, mehr zu bieten, dabei allerdings weder dem Hype noch der allgemeinen Erwartungshaltung an einen guten Film gerecht wird.
Woran also scheitert Pacific Rim 2 also in meinen Augen? Zum einen hat dieser Teil kaum Gespür für Timing, alle paar Sekunden geht irgendwo ein Alarm los und die Darsteller, welche einem im Laufe des Films kaum ans Herz wachsen, weil ihnen kaum Raum zur Entfaltung geboten wird (nein, eine einminütige Sequenz reicht dazu nicht) sind sofort Feuer und Flamme für die nächste Action-Szene (wie Independence Day). Das ist eine Hälfte des Problems. Die zweite ist die Optik der Inszenierung, denn den Ausdruck "blasser Abklatsch" habe ich absichtlich gewählt und man kann ihn durchaus wörtlichen nehmen. Die Hochglanzoptik und das tiefe Schwarz des ersten Pacific Rim, welche vor allem durch die grelle Beleuchtung an Intensität gewonnen hat ist einem reduzierten Kontrast gewichen, alles wirkt grauer, ausgeglichener, generischer. Ähnliches gilt auch für die Kulissen, Del Toros Stil mit vermutlich bewusst künstlich wirkendem Hintergrund, welcher auch durchaus mit Tim Burtons Inszenierung vergleichbar ist und einen ganz eigenen Charme versprüht lässt Filme oftmals in Ansätzen wie eine großangelegte Theateraufführung wirken, zudem fügen sich auch überdrehte Charaktere wie die beiden Wissenschaftler Geiszler und Gottlieb recht gut in das märchenhaft-fantastische Ambiente und tragen ihrerseits dazu bei, die erzeugte Stimmung noch zu verstärken. Nun, genannte Charaktere wirken auch in Uprising noch überzeichnet, doch die Sets wirken realististischer und die überzogenen Figuren fügen sich nun nicht mehr so gut ein. 

Dass der Film abseits der Vergewaltigung physikalischer Grundsätze (wer würde mit dem Hintergedanken in so einen Film gehen ...) etliche Logiklöcher aufbaut, über die man nicht weiter nachdenken sollte, sehe ich weniger schlimm; eigenartig wirkt es aber schon, wenn man in einer Szene sieht, wie ein Kaiju Hochhäuser vernichtend durch Tokio zieht und Menschen panisch davonlaufen, aber 10 Sekunden später ein Darsteller verkündet, alle Einwohner der Stadt wären in unterirdischen Bunkern in Sicherheit und die eintreffenden Jaeger müssten sich nicht um Kollateralschäden sorgen. Na, klar ... Und natürlich stehen für die Jaeger-Roboter keine gut ausgebildeten Piloten, sondern nur die Kadetten zur Verfügung, welche noch nicht mal das Training absolviert haben. Spoiler-Warnung: Ausbildung wird offensichtlich überbewertet. 

Immerhin gelingt es dem Film beim Endkampf für kurze Zeit dramaturgisch an den Vorgänger heranzukommen und damit ist er zu guter Letzt dann doch einen Deut besser als der unsägliche zweite Teil von Independence Day. Sofern Del Toro allerdings nicht gerade an einem weiteren Oscar-Werk arbeitet würde ich mir seine Fortführung des Franchises allerdings herbeiwünschen - seine Akzente machen einfach den feinen Unterschied aus.

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