Review

Rubrik „Schade um das schöne Geld“ (2)

PACIFIC RIM: UPRISING

(PACIFIC RIM: UPRISING)

Steven S. DeKnight, USA/Japan/China/Großbritannien/Mexiko/Australien 2018


Im Jahr 2013 hatte Guillermo del Toro mit Pacific Rim eine Kombination aus Live-Mecha-Action und Kaijū Eiga abgeliefert, die Freunde des ganz speziellen Japan-Kinos von Anime-Klassikern wie Neon Genesis Evangelion bis hin zur Godzilla-Reihe zumindest auf dem Papier in helle Verzückung versetzen konnte, dann aber doch sehr amerikanisch daherkam und nicht wirklich hielt, was man sich von ihr versprechen durfte. Fünf Jahre später entstand die vorliegende Fortsetzung, bei der Guillermo del Toro allerdings nur noch als Produzent tätig war. Und auch diese wollte nicht so recht einschlagen und holte sich miese Kritiken und ernüchternde Bewertungen in den großen Datenbanken ab – hoch verdient.

Zur Handlung: Zehn Jahre nach den Ereignissen, die in Pacific Rim geschildert wurden, kreuzen erneut von garstigen Aliens in die Spur geschickte Riesenmonster aus irgendwelchen Spalten im Pazifikboden auf und machen sich daran, als kleine Aufwärmübung erst einmal Tokio kurz und klein zu kloppen. Diesem Ansinnen setzen die Menschen riesige, „Jaeger“ genannte Kampfroboter entgegen, die von in ihrem Inneren herumhampelnden „Piloten“ gesteuert werden. Und das ist sie dann auch schon, die Handlung – der Rest, wie die unlauteren Pläne eines chinesischen Hightech-Konzerns oder die anhaltenden Zwistigkeiten unter den Jaeger-Piloten, ist unnötiges und viel zu oft lästiges Beiwerk.

Steven S. DeKnights Pacific Rim-Fortsetzung macht sich schon in den allerersten Minuten mit der Vorstellung seiner beiden Heldenfiguren derart unbeliebt, dass eine Rettung kaum noch vorstellbar ist. Und da rede ich nicht einmal zuvorderst vom nominellen Protagonisten, der als großmäuliger, irgendwo im Müll hausender krimineller Dealer von Mecha-Teilen weiß Gott schon übel genug ist. Jeden Hauch von Zuneigung verspielt der Film vielmehr dadurch, dass er seinem Publikum allen Ernstes eine durch und durch nervtötende, sprich superschlaue und anmaßende Fünfzehnjährige vor die Nase setzt, die ganz allein in irgendeiner alten Fabrikhalle zwanzig Meter hohe, voll funktionstüchtige Mechas mit allem Drum und Dran zusammenbaut (!!), diese auch noch perfekt bedienen kann und Erwachsenen gegenüber sowohl verbal als auch physisch extrem aggressiv auftritt. Da wünscht man sich schon nach ihrer ersten Leinwandminute sehnlichst, dass so schnell wie möglich ein Monster des Weges kommt und von ihr nur noch einen nassen Fleck auf dem Schrottplatz übrig lässt.

Dumm, und zwar sehr dumm ist freilich das sichere Wissen darum, dass diese grässliche Figur nicht verdientermaßen in den Boden gerammt, sondern am Ende sogar als heldenhafte Retterin der Menschheit dastehen wird. Ich war wirklich kurz davor, die Sichtung abzubrechen, habe mich aber dann doch für das Weitersehen und den bedarfsorientierten Einsatz der Vorspultaste entschieden, da ich wenigstens noch etwas State-of-the-Art-Monsteraction sehen wollte – wegen der, das muss so ehrlich gesagt werden, ist man hier schließlich dabei. Bis dahin hat der Film aber erst einmal genug damit zu tun, noch weitere nervende Figuren einzuführen, wonach es in letzter Konsequenz eigentlich kaum jemanden gibt, den man nicht an die Wand klatschen möchte – lediglich die Wucht, mit der man das tun will, unterscheidet sich von Fall zu Fall.

Mit so einem Volk ist es freilich auch nahezu unmöglich, Humor zu generieren – was der Film aber mit nie ermüdender Penetranz und verheerendem Ergebnis versucht: Auf der einen Seite wird man vorrangig von den beiden erwähnten Hauptfiguren mit „obercoolen“ Onelinern zugepflastert, von denen selbst die besten nur ein gnädiges Augenverdrehen bewirken, und auf der anderen Seite installiert das Skript die hochgradig albernen und überdrehten Wissenschaftler Dr. Gottlieb und Dr. Geiszler, über die man vermutlich nur im Kindergartenalter lachen kann (die beiden sind dem erwachsenen Publikum schon im Vorgänger fleißig auf den Keks gegangen, aber hier kommt’s noch schlimmer).

Während man also nicht weiß, worüber man sich zuerst aufregen soll, gibt es ein paar ungemein wuchtige, aber letztlich doch nur öde, weil schlichtweg bedeutungslose Kämpfe zwischen „guten“ und „bösen“ Mechas, bis sich nach weit über einer Stunde endlich einmal ein Monster auf die Leinwand respektive den Bildschirm bequemt. Von nun an geht es in der Tat mit Urgewalt zur Sache und Pacific Rim: Uprising kann wenigstens auf der visuellen beziehungsweise auf der Krawallebene sein Unterhaltungsversprechen einlösen: Nachdem aus drei kleineren ein großes Monster entstanden ist, gehen die Menschen im ausufernden und schier ewigen Finale mit vier Mechas im Zentrum Tokios gegen das Ungetüm vor, bis auch der letzte Wolkenkratzer in Millionen Stücke gedroschen ist (in dieser Sache beeilt sich der Film übrigens damit, dem Zuschauer zu versichern, dass alle Einwohner in sicheren Luftschutzbunkern untergebracht wurden – klar, bei dreißig Millionen Leuten überhaupt kein Problem ...). Das hat natürlich sehr wohl seinen Reiz und beinhaltet viele wirklich atemberaubende Bilder, die anzusehen sich definitiv lohnt. Dass sie hier im Endeffekt vor die Säue geworfen werden, steht auf einem anderen Blatt – dies geschieht allein schon aus dem Grund, dass die Kämpfe nicht den leisesten Hauch von Spannung vermitteln, da ihr Ausgang bis ins triefend pathetische Detail vorprogrammiert ist. Ohnehin: Wo soll die skriptseitig intendierte Spannung herkommen, wenn man sich als Zuschauer mehr oder weniger heimlich wünscht, dass das Monster sämtliche Mechas samt ihrer bescheuerten Piloten zu Klump haut? Immerhin kann die Vorspultaste in der letzten halben Stunde ein wenig verschnaufen.

Wie schon angedeutet ist die Optik der einzige Bereich, in dem Pacific Rim: Uprising Punkte sammeln kann, und das tut der Streifen auch eifrig und liefert nicht nur allerfeinste Breitwandbilder, sondern auch eine seinem Budget angemessene Tricktechnik (wir reden von 150 Millionen US-Dollar) – wirklich grobe CGI-Ausrutscher sind mir nicht begegnet. So wird zumindest das Anschauen diverser Monsterkämpfe und Zerstörungsorgien zum Genuss.

Bei den Darstellern ist es mit dem Genuss aber ganz, ganz schnell vorbei – angesichts der hier angetretenen Leute ist eine beträchtliche Leidensfähigkeit gefragt. Der Ärger fängt schon beim langweiligen John Boyega an, der den eingangs heruntergekommenen und später umso heldenhafteren Haupthelden mimt und zumindest in meinen Augen nie dort ankommt, wo ihn das Skript hinhaben will. Geradezu schmerzhaft wird es sogar bei Cailee Spaeny, die einem als supercoole, supermutige und superschlaue fünfzehnjährige Alleskönnerin und superheldenhafte Nebensuperheldin von ihrer ersten Bildschirmsekunde an die Nerven zu Brei tritt. Ich weiß nicht, wie ich sie empfunden hätte, wenn sie mir in einer vernünftigen oder auch nur erträglichen Rolle begegnet wäre, aber während ihres hiesigen Auftritts hatte ich nicht übel Lust, für mein Erspartes nach Amerika zu fliegen und sie zu erwürgen. Ausgesprochen unerfreulich ist auch die Vorstellung von Scott Eastwood (tatsächlich: der Sohn von Clint Eastwood), der schon von Haus aus eher unsympathisch wirkt und den dauerhaft mies gelaunten Kommandeur der Mecha-Piloten spielt. Als Letzter von vielen weiteren nervenden Leuten sei noch Charlie Day genannt, der hier auf peinliche Weise als zum Antagonisten mutierender Dr. Geiszler herumkaspert. Als einzigen Lichtblick unter den Mitwirkenden konnte ich die schöne Tian Jing als Chefin der erwähnten chinesischen Hightech-Firma ausmachen. Der Score von Lorne Balfe verbreitet schließlich eingangs mit einem schönen Motiv Hoffnung, aber das scheint ein Versehen gewesen zu sein: Der Rest ist Allerwelts-Blockbuster-Orchestergedröhn von der Stange.

Somit gerät Pacific Rim: Uprising zum Reinfall, wie er im Buche steht – ich will gar nicht noch einmal mit hässlichen Details anfangen. Fest steht, dass dieser Streifen jenseits der Passagen, in denen sich Monster und Mechas Hochhäuser um die Ohren hauen, nahezu unerträglich ist – mit so etwas sollten bestenfalls minderjährige Transformers-Fans glücklich werden. Mir hat der Film indes nicht nur erheblichen Verdruss bereitet, sondern im Rückblick auch die Augen dafür geöffnet, dass selbst Guillermo del Toros Pacific Rim ziemlich üble Grütze ist, die ich seinerzeit mit dem verklärten Blick des Kaijū-Fans betrachtet habe. Sei’s drum – nachdem ich gestern Abend stinksauer war, sehe ich die Angelegenheit inzwischen deutlich gelassener, was mich allerdings noch lange nicht daran hindert, hier ein vernichtendes Fazit zu ziehen: Pacific Rim: Uprising ist schlicht und ergreifend ein gewaltiger Haufen Müll.

(08/21)

3 von 10 Punkten.



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