Eigentlich schien die Welle asiatischer Gruselfilme ein wenig abgeebbt, da schiebt Regisseur Jung Huh seinen zweiten Spielfilm nach „Hide and Seek“ hinterher. Man darf schon jetzt gespannt sein, wie lange findige Produzenten aus Hollywood für ein Remake benötigen werden.
Hee-yeon (Jung-ah Yum) zieht mit Mann, ihrer kranken Mutter und Tochter Jun-hee aufs Land. Als in der Nähe ihres Hauses zwei Leichen am Rande einer Höhle entdeckt werden, stößt Hee-yeon auf ein stummes Mädchen, welches sie gegen den Willen ihrer Familie zuhause aufnimmt. Von da an häufen sich mysteriöse Begebenheiten, was für Hee-yeon in Verbindung mit ihrem seit fünf Jahren spurlos verschwundenen Sohn zu stehen scheint…
Der Einstieg stiftet aufgrund fehlender Zusammenhänge zunächst ein wenig Verwirrung, als ein Mann mit einer Frau im Auto unterwegs ist, ein Hund angefahren wird und kurz darauf eine geknebelte und blutverschmierte Frau im Kofferraum auftaucht. Der eigentlich zugemauerte Teil einer Höhle wird freigelegt, was eventuell das Böse freilässt, was sich zu diesem Zeitpunkt jedoch nur mutmaßen lässt.
Erst später erfährt man, dass die Geschichte auf einem regionalen Volksmärchen basiert, wonach ein Jangsan Tiger als eine Art Formwandler unterwegs ist und jede Stimme imitieren kann, um das Vertrauen seiner potentiellen Opfer zu erschleichen. Was es mit dem gefundenen Mädchen im Wald auf sich hin, wird indes erst im letzten Drittel offenbart.
Bis dahin wächst einem die liebevolle und zugleich leidgeprüfte Mutter durchaus ans Herz, während die Oma für kurze mysteriöse Einlagen zuständig ist. Gleiches gilt für eine Blinde, die irgendwann ebenfalls ohne Kontext plötzlich auftaucht, was innerhalb der Erzählung einige Male negativ auffällt. Insofern erscheinen einige Aspekte ein wenig beliebig, andere werden nicht weiter verfolgt, wie ein verschwundenes Familienmitglied oder die Archivsuche eines zuständigen Kommissars.
In Sachen Grusel und Schockeinlagen hält sich das Geschehen lange Zeit zurück. Es gibt kaum Spezialeffekte, jedoch einen latent unheilvollen Score, ein paar immens atmosphärische Momentaufnahmen der einsamen Wohngegend und nicht zuletzt durch die Bank überzeugende Mimen, wobei sich Autor und Regisseur Jung Huh speziell auf die Jungmimen verlassen kann, denen teilweise eine Menge abverlangt wird.
Der Showdown in der besagten Höhle birgt zwar einige kleine Logiklöcher und bringt mindestens eine komplett irrationale Verhaltensweise mit sich, doch der Ausgang stimmt einigermaßen zufrieden und hinterlässt zumindest keinen schalen Beigeschmack.
Somit ergibt sich ein südkoreanischer Gruselfilm mit überwiegend bewährten und gleichermaßen bekannten Zutaten, der über weite Teile ruhig erzählt ist und sich eine Menge Zeit für seine Figuren nimmt, anstatt auf Effekthascherei und unnötiges Blutvergießen zu setzen.
Fans des Genres werden passabel bedient, für eine deutliche Empfehlung mangelt es letztlich an markanten Eigenheiten.
6 von 10