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Die Anschläge auf das World Trade Center vom 11. September 2001 sitzen einem auch heute noch, 4 Jahre danach, tief in den Knochen. Als damals zwei Flugzeuge in die Türme des Centers rasten und durch den darauf folgenden Zusammenbruch der Türme mehr als 3000 Menschen ihr Leben lassen mussten, stand die Welt still und bis heute kann niemand so recht begreifen, was damals Schreckliches geschehen war. Und wie zu jeder solcher Tragödien, so gibt es auch zum Thema 9/11 massig (mehr oder weniger gute) Filme, die die schreckliche, junge Geschichte aufgreifen. So auch "The Guys" eine Homage an die Männer, die eigentlich nur ihren Job machen wollten und dafür mit dem Leben bezahlen mussten: Den Feuerwehrmännern von Manhattan. Herausgekommen ist dabei ein tiefbewegender Film, der aber seine inhaltliche Leere nicht ganz makellos überdecken kann.

"The Guys" basiert auf einem Theaterstück von Anne Nelson, die auch das Drehbuch beigesteuert hat. Die Geschichte ist im Grunde mit wenigen Sätzen erzählt. Es geht um den Feuerwehrmann Nick, der fünf seiner Männer bei den Anschlägen verloren hat. Nun möchte er gerne zu jedem einzelnen eine Abschiedsrede, auf den jeweiligen Trauerfeiern, sprechen, nur fällt es ihm unheimlich schwer, seinen Schmerz in Worte zu fassen. Also bittet er die Schriftstellerin Joan um Hilfe, die ihm daraufhin die Abschiedsreden schreibt. Wie man nicht schwer erkennen kann, gibt es so etwas wie eine Film-Geschichte hier nicht wirklich zu finden. Die Charaktere werden in keinster Weise vorgestellt und einen großartigen Handlungsbogen gibt es auch nicht zu vermelden. Im Grunde ist in wirklich jeder Szene spürbar, dass es sich hierbei um ein Zwei-Personen-Theater-Stück handelt (übrigens mit Hauptdarstellerin Sigourney Weaver und Bill Murray auf der Theaterbühne), dass nur schwer auf die Leinwand zu adoptieren ist.

Dafür sind die Dialoge aber mitunter sehr interessant gestaltet und packen den Zuschauer tief in seinen Emotionen. Wenn Nick von jedem der fünf Feuerwehrmänner erzählt, die allesamt auf wahren Opfern des World Trade Center basieren, ist der tiefe Schmerz der Figur deutlich zu spüren. Es waren alles Menschen so wie du und ich. Lustige Menschen, Familienmenschen, Menschen mit Macken, Menschen mit Visionen. Und Menschen die Tag für Tag ihr Leben riskierten, um das Leben anderer zu retten. Ohne wirklichen Kitsch, dafür mit viel Sensibilität, hat Drehbuchschreiberin Anne Nelson damit Dialoge geschaffen, die in jeder Hinsicht zu Tränen rühren, bei dem Gedanken, dass all das Erzählte keine Fiktion ist, sondern auf der Realität basiert. Sie wollte den mutigen Männern ein Denkmal setzen und das hat sie mit Sicherheit auch geschafft.

Denoch kann die Tatsache, dass es sich hierbei um einen Film handelt, nicht verschwiegen werden. Und somit muss die, darüber hinaus, inhaltliche Leere doch mit in die Beurteilung einfließen. Denn im Grunde sieht der Zuschauer wirklich 80 Minuten dabei zu, wie sich zwei Menschen miteinander unterhalten und einer der beiden Menschen sich dabei gelegentlich etwas auf seinen Notizblock schreibt. Ganz selten wird dieses Szenario mal von den Gedankenflüssen der Autorin unterbrochen, die diese Geschichte nebenbei auch als Roman umsetzt. Zum Schluss sehen wir dann noch bei einer der Trauerfeiern zu und das wars dann auch schon. Somit wird rein vom filmtechnischen her wirklich nicht viel geboten, was zwar, wie schon erwähnt, nicht wirklich kritisierbar ist, da einfach nicht anders gewollt, aber eben einfach in die Film-Bewertung einfließen muss. Auf der Theaterbühne gebe es da sicher nichts zu beanstanden.

In punkto Inszenierung und Darstellerleistung ist natürlich ebenfalls nicht viel zu erwähnen. Die Kulisse passt gut und die eingestreuten Videoschnipsel, einer Überwachungskamera des besagten Feuerwehrdepartments von Manhattan, trägt sicher zur Wirkung des Ganzen bei. Dazu ein paar zarte Musik-Klänge, die aber eigentlich nicht der Rede wert sind, sieht man einmal vom Abspannssong ab. Die Darsteller (Sigourney Weaver, Anthony LaPaglia) haben dabei, Storybedingt, logischerweise kaum etwas zu tun, außer ihre Dialoge aufzusagen und dies möglichst auf eine emotionale Art und Weise. Das gelingt ihnen dabei allerdings wirklich hervorragend und äußerst glaubwürdig.

Fazit: Eine abschließende Bewertung für "The Guys" zu finden ist somit wirklich mehr als schwierig. Auf der einen Seite haben Regisseur Simpson und Autorin Nelson, durch die wunderbar geschriebenen, wenn auch einfachen, Dialoge, ein spürbares Denkmal geschaffen, für die Feuerwehrmänner, die bei ihrem Einsatz am 11.09.01 ihr Leben lassen mussten und schaffen es zudem auch, den Zuschauer tief zu berühren. Auf der anderen Seite darf man aber auch die, Storybedingte, inhaltliche Leere des Films nicht außer acht lassen. Denn ein Film, in dem sich 80 Minuten lang zwei Menschen gegenüber sitzen und nicht viel mehr tun, als sich mit einander zu unterhalten, ist einfach kein richtiger Film. Somit wird "The Guys" den Zuschauer garantiert nicht kalt lassen, ihm aber auch nicht allzu lange im Gedächtnis bleiben! Und das ist dann, aufgrund der Thematik und der tollen Darsteller, doch ein wenig Schade!

Wertung: 6/10 Punkte

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