Über Zustände wie im alten Rom weiß Regiedebütant Samu Fuentes zu berichten, der sich mit einem Jäger der ganz alten Schule auseinander setzt. Die Charakterstudie ist allerdings so still ausgefallen, dass man sich alsbald hungrige Wölfe herbeisehnt, um die Lethargie ein wenig aufzubrechen.
Um 1830 lebt Jäger Martinon (Mario Casas) wie ein Einsiedler in einem Geisterdorf in den nordspanischen Bergen. Nur selten verschlägt es ihn hinab ins Dorf um Handel zu treiben. Um letztlich der Einsamkeit zu entgehen, schafft er sich eine Frau (Ruth Diaz) an, doch als diese schwanger wird, kommt es zu Komplikationen…
Es vergehen 17 Minuten, bis erstmalig gesprochen wird, denn der Stoff ist keiner der vielen Worte. Es wird zwar oft schwer geatmet, zuweilen gestöhnt und vor allem geräuschvoll gegessen, doch wirkliche Dialoge kommen nicht zustande, - da bewegen sich die Figuren mit einsilbiger Kommunikation beinahe auf dem Niveau von Neandertalern.
Martinon selbst ist auch nicht weit davon entfernt, denn Emotionalität oder gar Empathie sind ihm ebenso fremd wie einigermaßen haltbare Manieren. Wenn der Bärtige poppen will, gleicht das meist einer Vergewaltigung, beim Reinigen wird auch mal frischer Rotz beigemengt und die Fürsorge gegenüber einer Schwangeren wird durch Holzsammeln und dem Bau einer Krippe ausgedrückt. Wahrlich kein Sonnenschein, dem man hier beiwohnt.
Dumm ist allerdings auch, dass sich Abläufe stets wiederholen und sich Entwicklungen beinahe in Zeitlupe abspielen. Essen, Jagen, horizontale Stoßübungen, Ausnehmen von Erlegtem und Fellbearbeitung. Keine erwähnenswerten Probleme im augenscheinlich eiskalten Winter, keine Gefahr während der Jagd, aber auch keine offenen Konfrontationen.
Das Leben mit den Jahreszeiten kennt offenbar weder Tief – noch Höhepunkte.
Die allgemeine Ereignislosigkeit ist insofern schade, als dass die äußeren Bedingungen stark ausgearbeitet sind. Casas, aber auch die übrigen Mimen performen durch die Bank stark, die Ausstattung ist bis ins Detail glaubhaft ausgefallen und die Aufnahmen der einsamen urigen Landschaften fallen zuweilen atemberaubend aus. Auch der zurückhaltend eingesetzte Score weiß zu gefallen, indem er die Einsamkeit, gepaart mit einem leichten Anflug von Melancholie gekonnt auf den Punkt bringt.
Bezeichnenderweise fällt zu keiner Zeit ein Name, alles bleibt unterkühlt und unnahbar und obgleich zwischendurch mal ein Tränchen vergossen wird und ein neugieriger Wolf im letzten Moment den Rückzug antritt, vermag die spartanische Erzählung zu keiner Zeit mitzureißen. Schade um die grundsoliden Mimen und die visuelle Versiertheit, denn inhaltlich dreht sich die Chose zu sehr im Kreis und die erahnbare Pointe verpufft in den Weiten der spanischen Winterlandschaft.
Knapp
4 von 10