Review
von Leimbacher-Mario
Psychedelische Plunderplörre
Fast, als ob eine kindlichere Version von Scientology ein Fantasymärchen hätte machen wollen - so wirkt „Das Zeiträtsel“. Schade. Denn audiovisuell ist das oft überwältigend (wenn auch super artifiziell), die Aussagen sind im Kern auch wertvoll, als Trip, und sei es nur ein unfreiwillig wilder und komischer, hätte das Ganze schon funktionieren können. Doch bricht dieser esoterisch-kitschige, unfassbar oberflächliche Quatsch leider nur gefühlt alle 5 Minuten in sich zusammen, implodiert vor lauter Glanz, aufgezwungenem Zauber und seltsamen Schnitten. Das ist absolut kein guter Film, nicht mal im geringsten. Was. Für. Ein. Murks. Ärgerliche Zeitverschwendung, Geldverschwendung, Talentverschwendung bei einigen Darstellern und Effektlünstlern. „A Wrinkle In Time“ ist ein kunterbunter Unfall, ein Fest des Fremdschämen, das einem oft die Kinnlade herunterklappen lässt - nur leider seltenst aus den richtigen Gründen... Faulis Universumsfabrik.
Erzählt wird von einem jungen Mädchen, dessen Vater auf mysteriöse Weise verschwunden bzw. durch das Weltall (?) und/oder die Zeit (??) gereist ist - und nun macht sie sich zusammen mit einem Freund und ihrem kleinen Bruder auf, ihm hinterherzuteleportieren. Als seltsame Wegweiser und Lehrer dienen Oprah Winfrey und ihre meditativ-magischen Kolleginnen als intergalaktische Zauberinnen (???)... Oh man, oh man, wo soll man hier anfangen... Bei den pompösen aber meist unfreiwillig komischen Kostümen? Beim Overacting? Beim sprunghaften Aufbau? Beim Dickauftragen um dann doch nur wie ein seelenloser Clown zu wirken, nie auch nur den Hauch von Emotionen hervorzurufen??? „A Wrinkle In Time“ ist ein verdientes Millionengrab und riecht auch so. Die junge Storm Reid kann dafür nichts, ist süß und begabt, auch Chris Pine gibt sein Bestes und die fremden Welten, Farben, Räume und Formen sind immerhin manchmal etwas fürs Auge. Doch alles dahinter ist gequirlte Grütze, die durch das löbliche, extrem diverse und passenderweise ebenfalls sehr bunte Ensemble nur noch ärgerliche und vergebener erscheint. Wie kann man die solide Grundgeschichte nur dermaßen vermasseln... Frau DuVernay scheint für solche Studioblockbuster null gemacht zu sein. Und zu behaupten, Disney hätte ein Problem mit neuen IPs und originalen Stoffen, ist wohl die Untertreibung des Jahrzehnts...
Fazit: holy moly mouse house... Was für ein buntes, wirres und oft schlicht peinliches Desaster. Ganz sicher einer der schwächsten Filme, die je unter dem Banner der Maus erschienen. Eher madig als magisch, eher Magerquark als „Avatar“, eher eine unkenntliche Geschichte als „Die unendliche Geschichte“. Das Gegenteil eines modernen „Zauberer von Oz“. Und ein schön-schreckliches Double Feature mit dem neuen „Artemis Fowl“. Äußerlich prickelnd, innerlich gammelnd.