Seltener und wohl angesichts des (vergleichsweise) wenig berauschenden Einspielergebnisses auch einzählig bleibender Ausflug von Jackie Chan in die Gefilde der Science fiction; diesmal gar der erste deutliche Schritt in das Genre hinein, wenn man denn die kurzen Abstecher von Who Am I?! (1998) und The Tuxedo (2002) überhaupt mitzählen will. Der nach den letzten finanziellen Höhenflügen vor allem im wichtigen Heimatland der Volksrepublik China nun eher herbe Rückschlag mit einer Kassenbilanz von nur etwa 48 Mio. USD und dies im normalerweise lukrativen Weihnachtsgeschäft – und dabei ist man der wesentlich stärkeren Konkurrenz zum Neujahrsfest schon aus dem Weg gegangen – wird ein kleines Umdenken des altgedienten Recken sicherlich zur Folge haben; und die Konzentration von Experimenten hinweg zu weiteren Sequels und eben auch dem derzeit viel kommerzielleren Fantasy-Aspekt:
Als der Elitepolizist Lin Dong [ Jackie Chan ] eines Abends vor der Wahl steht, seine kleine und schwerkranke Tochter Xixi während einer schwierigen Behandlung im Krankenhaus zu besuchen, oder zu einem Notfalleinsatz, der akuten Zeugenbewachung des Wissenschaftlers Dr. James zu eilen, entscheidet er sich schweren Herzens, aber aus Pflichtgefühl und auch Loyalität zu seiner Kollegin Xiao Su [ Erica Xia-hou ] zum Dienst an der Waffe; der prompt aus dem Ruder läuft und heillos daneben geht. Am Ende des Tages hat er sowohl den Großteil seiner Mannschaft verloren als auch das zu schützende Objekt und auch sein Kind, was den Mann verständlicherweise in eine schwere Krise bringt. 13 Jahre später und den Beruf aufgegeben lebt er in Sydney, wo er unter Tarnung weiter den Spuren der Vergangenheit nachjagt und dabei mithilfe auch des die gleiche Richtung verfolgenden Li Sen [ Show Lo ] auf die mysteriöse heranwachsende Frau Nancy [ Ouyang Nana ] und eine erbitterte Killerin [ Tess Haubrich ], rechte Hand des genetisch manipulierten Andrew [ Callan Mulvey ] stösst.
Dabei stellt sich das Projekt Bleeding Steel natürlich schon allein durch die Zugkraft des weiterhin nichtsdestotrotz populären und gerade auch global bekannten Chan vor allem international als sichere Bank für die Vertriebsrechte (aber eben bloß für den Heimvideomarkt), und die Geschichte und seine Behandlung selber theoretisch als mit am Interessantesten in der jüngeren Karriere des weiterhin überaus aktiven und scheinbar nimmermüden Filmemachers dar. Der Grund ist hauptsächlich eine anfangs durch das Marketing angetäuschte und dann auch vollzogene Andersartigkeit des Szenarios, gerade in der Tonalität und scheinbar im Verzicht oder zumindest im Reduzieren der üblichen Mechanismen und Manierismen, die den Schauspieler seit Jahrzehnten umgeben. So ist diesmal ein unbekannter, gerade anfangender Regisseur für das Schreiben und das Inszenieren, sicherlich mit Unterstützung bzw. Wohlwollen vom 'Chef' verantwortlich und mit der gewählten weiteren Darstellerschar auch eher Neulinge und besonders auch die jüngere Generation zugegen. Die Einbindung der deutlichen Alterserscheinung vom nunmehr ergrauten Chan, dem die Unkenrufe schon seit Mitte der Neunziger nacheilen und der dem drohenden Verfall seit nunmehr 20 Jahr durch konstant hohe Leistungen (natürlich nicht mehr dem eines jungen Mannes entsprechend, aber immerhin) entflieht, und als nahezu einziger seines Jahrgangs noch entscheidend das stets nach Frischem und gleichzeitig auch Bewährtem verlangende Filmbusiness bestimmt.
Erstaunlich und als Einstieg in die zunehmend abstruse Geschichte noch gelungen ist vor allem die Eröffnungsszene, eine mehrminütige Nacht- und Nebelaktion seitens der Polizei, die während des Transportes eines wichtigen Zeugen von einer Art Küstensiedlung in regnerischer Dunkelheit überfallen und trotz heftiger Gegenwehr und theoretischer Übermacht gnadenlos nieder gemetzelt wird. Märtyrer und Massaker, die Zerstörung eines kompletten Außenliegerdorfes, dazu blutige Einschüsse und zahlreiche Todesopfer auf Seiten des Gesetzes. Eine Szene voller Explosionen und ausführlicher Schießereien, die so wie hier gemacht und mit seinem futuristischen und albern-wissenschaftlichen Zusatz fast an Früheres von Pepin / Merhi der Marke Cyber Tracker, T-Force, The Silencers und Co. erinnert und dort mit seinem Hang zum überbordenden Spektakel, dem Klotzen statt dem Kleckern und dem dafür in Kauf genommenen Verlust an "Realismus", im Grunde jeder Form der Glaubwürdigkeit überhaupt oder auch Intellekt überhaupt ganz gut aufgehoben und so als Form der niederen violenten Unterhaltung mit viel Materialschaden, Bleihagel und Detonation herzlich willkommen sowieso ist.
Ein Einstieg nach Maß im Grunde, als Pre-title Sequenz, die Versprechen dort macht, wo sie später gar nicht mehr großartig beachtet werden geschweige denn eingelöst. Der große Rest ist dann ein wenig familienfreundlich auch angelegt, mit zwei jungen Darstellern als Identifikationsfiguren für das ebensolche Publikum, wobei dieses von der hier präsentierten Mischung aus knallig-bunten und teils auch mit Filter übersättigten, aber immerhin größeren Bilder, der gebotenen internationalen Ausrichtung allein auch schon durch den Drehort Australien und das viele Englisch, der vergleichsweise typischen MacGuffin-Handlung, und auch etwas Schabernack vielleicht auch angetan und zugeneigt ist. Aber durch die weiteren Zusätze wie einem anämischen Mannsweib im Lederkostüm als Gegner, einer Transvestitenbraut im roten Straps, einem hinterhältigen Zwerg, einem scharlatanerischen Medium mit Warze auf der Nase und fragwürdiger Hypnosetherapie, einer bald letalen Zauber- und Zirkusshow mit Schminke und Kostüm, diversen Flüchen ("shit", und "bitch"), abwechselnd Kasperletheater und auch Brutalitäten wie Messer im Genick, im teilweise freiliegenden und so gut sichtbaren Gehirn oder der Kehlenschnitt, sowie einem Mad Scientist mit fleissig Menschenversuchen doch eher verstört und/oder wenig begeistert bis abgeschreckt sein wird. Und das auch zu recht. Man weiß weder, wer die Leute im Film sind, wann er überhaupt spielt (13 Jahre später als?), warum man nur für eine Autoverfolgungsjagd von Australien nach China fliegt und dann rasch wieder zurück, was das Raumschiff da macht und was das hier für eine Welt voller Bioroiden, optisch und körperlich in Richtung weißem Zombie entstellten Bösewichten und der bleichen Hauptschergin mit dem Darth Vader Umhang ist.
Zugutehalten kann man, muss man nicht, dass der zunehmend ärgerliche, da auf seine Art bald eklige Unsinn hier von der reinen Formulierung her immerhin etwas mehr Ideen und Griffigkeit aufweist als die vorangegangenen Arbeiten von Chan, ist der Schnitt schneller, die Choreografie und die Kamera anspruchsvoller und die Montage mitsamt auch akzentuierenden Zeitlupeneinsatz so etwas treibender als bei Stanley Tong oder Renny Harlin und ihren seicht-kindlichen Abenteuerkomödien Kung Fu Yoga respektive Skiptrace und ihrem Samstagsnachmittags-Nimbus gesetzt. Ein wenig mehr forte, was neben der jederzeit böse Überraschungen vorbringen könnenden Dramaturgie auch die Actionszenen betrifft, die seit langem wieder so etwas wie Druck und Bedrohlichkeit aufweisen und wo sich die Auseinandersetzungen (wie die Hangelei im und auf dem Sydney Opera House oder final in eben dem nach und nach explodierenden Raumschiff) nicht bloß damit lösen lassen, dass man dem Gegner ausweicht oder höchstens mal auf die Füsse tritt.