Review
von Leimbacher-Mario
Die Außenseiterbande
Ted Geoghegan - ein Name, der wohl selbst Horrorheads (momentan) leider kaum etwas bis gar nichts sagt. Sollte er aber. Denn während ich seinen tollen Geisterterror „We Are Still Here“ zu einem der Geheimtipps dieses Fachs des kompletten letzten Jahrzehnts zähle, den ich mir um Halloween herum immer wieder gerne angucke, hat er nun/vor zwei Jahren mit „Mohawk“ sogar auf ähnlichem Niveau (ähnlich gut, leider auch ähnlich leise was die Aufmerksamkeit angeht) nachgelegt. In diesem zu unrecht bis heute mächtig übersehenen Western-Horror-Intimstück hat ein Indianer des Mohawkstammes gegen Ende des amerikanischen Bürgerkriegs einige Unionssoldaten auf dem Gewissen und flüchtet nun vor deren Rache mit seiner schwangeren Liebe und einem weiteren Freund...
„Mohawk“ ist politisch, thematisch und filmrechnisch eindringlich, relevant, unangenehm, was ihn von der Masse abhebt und zum (leider nicht immer positiven) Gesprächsstoff macht. Warum er derart polarisiert oder sogar angefeindet wird, kann ich als Nicht-Ami und Nicht-Historienexperte allerdings kaum verstehen. Sei’s drum. Ist auch egal. Denn mir hat „Mohawk“ gut bis sehr gut gefallen. Ein Rohdiamant, noch etwas ungeschliffen und rau, aber genau das macht vielleicht sogar seinen Charme aus, irgendwo zwischen „The Revenant“, „Bone Tomahawk“ und „Savaged“. Mit dicken Eiern und Drang nach vorne, mit Gefühl und Atmosphäre. Die Kostüme und Sets scheinen mir etwas zu sauber und glatt zu sein, da macht sich das sicher sehr niedrige Budget sichtbar. Ansonsten habe ich nur noch ein paar etwas steife Performances zu beanstanden. Der Rest ist bravurös und ein Indie-Schmankerl für Genregucker. Zügig, hart, rigoros. Alles wirkt frisch und voll motiviert. Geoghegan ist einer zum Beobachten, spätestens jetzt! Ich hoffe, der Gegenwind zu diesem kleinen, fiesen Skalpierer versaut ihm nicht Talent und Motivation. „Mohawk“ kann was, er kann was. Einfach selbst ein Bild machen!
Fazit: eindringlich, mutig, rau, ungeschliffen, brutal - ich kann nicht verstehen, warum „Mohawk“ die Geister scheidet. Für mich ein beeindruckendes, starkes Indie-Western-Survival-Horror-Brett, das etwas zu sagen und zu zeigen hat. Politisch und gesellschaftliches engagiertes, raues Terrorkino. Sehr amerikanisch, dadurch aber nicht minder gut.