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In einer glanzlos diesigen Wolke aus Stolz und Selbstbewusstsein steckt der gleichnamige Film; dem Titel alle Ehre machend das hoffärtige Motto auch derartig präsent an hervorgestreckter Brust umher schwingend, dass man vor all dem kultivierten Ego nur schnell in Deckung oder gleich Reißaus nehmen kann. Eine vor Blindheit beschlagene Selbstüberschätzung mit dem Verlangen nach gebührenden Tribut macht sich vom ersten Moment an breit, nur alibihaft verzögert durch einen dramaturgischen Stolperstein vor dem Finale. Eine wichtigtuerische Trotzgeste, die das aufgeblasene Ichbewusstsein durch eine vermeintliche Verneinung nur noch weiter in ungünstiger Bedeutung gebraucht. Eine selbstvergötternde Mischung aus Ein Offizier und Gentleman sowie Top Gun schon von der Narration, aber eben auch von der Heldenmut-Diktion her. Das Relikt einer anderen Zeit, einer anderen Gesinnung, als eitler Hochsinn, der die Verachtung jedes Niedrigen gar nicht weiter aussprechen muss, sondern schon vom Weiten in arroganter Blasiertheit vor sich her verbreitet.

Von der Geschichte wie seine offenkundigen Vorbilder ein ebenso plaktives, jede Distanz aufgebendes Hohelied konventionell klingender Definition; auf die makellose Verfassung der militärischen Hierarchie mit stets gleichbleibendem Stellenwert, die sowohl die glückliche Phantasie von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit als auch den standesgemäßen Aufstieg, die Erwachsenenreife, die Erfüllung darin und das private Glück gleich mit bietet. In tiefster Bescheidenheit die Bewährung an stetig wachsenden Anforderungen, die bis hin zur Gefahr für das eigene Vaterland gehen können, und in dessen Abwehr sich erst zeigt, was ein richtiger Mann ist. Die Besten der Besten, fern diskreter Anachronismen. Leitsprüche und Widersprüche einer patriotischen Motivation, die durch ihre schlichte Einfalt schmalspuriger Primitivität mit ins Hemmungslose übersteigerten Actionszenen und albernen Machismus einen fieberhaften Zustand der Betäubung und Verwirrung herausfordern. Eine trügerisch geckenhafte Vorstellung, die im pfaunhaften Hochglanz im Stil eines poster & print store vor lauter vermeintlicher visueller [ Spiel der Vorstellungskräfte ] und emotionaler Überwältigung [ Gesetzmäßigkeit des subjektiven Fühlens ] gar nicht angezweifelt werden kann.

Schmeichelnden Beifall erwartet vor allem der Mittelpunkt des Geschehens, mit heartthrob Andy Lau idealtypisch und gleichzeitig wie auch der Rest des Castes überaus fehlbesetzt; ein Mensch als Abziehbild, der immer nur sich selbst darstellt, aber zumindest darin gekonnt ist, schon aus Gefälligkeit mit jedem Lob zufrieden zu sein.
Lau spielt den vorsintflutlichen Draufgänger Wah, der damit eingeführt wird, dass er gegen den Befehl des Vorgesetzten mit einen unmöglichen Schuss einen Geiselnehmer außer Gefecht gesetzt hat. Wie auch Kollege und Freund Wai [ Miu Kiu Wai ] möchte Wah zu einer neu einberufenen Spezialeinheit, die sich für die kommenden Jahre der politischen, militärischen und ökonomischen Unruhe als letzte Verteidigungsbastion wappnen muss und entsprechend dessen nur Diejenigen aufnimmt, die sich in untadelhafter Aufführung von Ruhm, Größe und Liebe beweisen. Wah als Musterexemplar von Ehrgeiz und Ehrsucht sticht auch die innerbetrieblichen Konkurrenten Popeye [ Dick Wei ] und He-Man [ Francis Ng ] schnell auf die zweiten Ränge aus und kann es sowohl dem Vorgesetzten Chiu [ Lam Wai ] als auch der Theoretikerin Miss Tang [ Rosamund Kwan ] beweisen. Bis nach einigen spielend leichten Aufträgen die wahre Gefahr einfällt: Vietnamesische Söldner, die als kranke Glieder der Gesellschaft und noch frisch vom Krieg geschult mit ihrer Guerillastrategie eine ganz neue Bedrohung darstellen.

Dabei zeichnet sich die sinnstiftende Handlung von erst Rebellion, dann Usurpation, dann Integration durch eine angenehme Beschränkung des Personals, dem Streichen etwaiger familiärer Problematiken und der deutlichen Akzentsetzung auf stetige Steigerung in den Aufgaben, ohne vorläufige Ruhepunkte aus. Eine Unausweichlichkeit des Ablaufes in handwerklicher Beherrschung der entsprechend antreibenden Mittel. Ähnlich wie die Person des Wah, der es sichtlich eilig hat, durch immer aufs Neue erworbene Verdienste seinen Wert in den Augen der Truppe und besonders auch Miss Tang zu vergrößern, so folgt der Film einer allgemeinen Entwicklungslinie, die selbst das Training nach Schießübung, Bombenentschärfung und Hindernislauf stark abkürzt und den kindlichen Abenteuerspielplatz als Belustigung rasch gegen den Einfall der ersten kriegerischen Auseinandersetzungen austauscht. Wo in anderen, in Grundzügen vergleichbar aufgebauten kantonesischen Arbeiten wie die SDU - Reihe um Final Option, Best of the Best und First Option viel Zeit auf gemächliche Vorbereitung, Bekenntnisdrama und den didaktisch-moralisierenden Aspekt vergeudet wurde [ City Hero vorher und Option Zero nachher fallen genau in die gleiche althergebrachte Marge ], hält man sich hier durch radikal durchgezogenen Absolutheitsanspruch viel Stauraum für die Aktionen in und um die flammenden Spezialoperationen des Elite Corps zurück.

Eingepeitscht durch den druckvoll aufschlagenden Score von Lowell Lo, der glücklicherweise die drei furchtbaren 80er Jahre Gesänge von Maria Cordero ablöst, bahnt sich die zerstörerische Energie ihren Weg in das Gefilde eines rauhbeinigen Partisanenkampfes. Nachdem schon aus Spaß für den Vorführeffekt die ersten Silos in die Luft gesprengt wurden, steht eine resolute Geiselbefreiung innerhalb des Stadtkerns an sowie die Vermeidung eines Attentates auf Hoher See, bei dem ein weiträumiges Kreuzfahrtschiff von Innen nach Außen nit viel Durchsetzungsvermögen in seine Bestandteile zerlegt wird. Einmal schroffe Attacke, einmal kompromißlose Verteidigung, beides als oratorienhaft konzertanter Gewaltrausch in waffengespickter Großoffensive, stetiges Dauerfeuer, einem Killerpriester !, ruckartige, aber rationell aufeinander abgestimmte Bewegungen in rapider Abfolge und aufschäumenden Tatendrang immer wiederkehrender Angriffswellen im verwinkeltem Labyrinth. Nur die Ouvertüre für das zwanzigminütige Finale im freien Feld; eine schon zur Armeeaktivität gereifte Materialschlacht, die derartig exzessiv mit Maschinengewehr, Handgranaten, Raketenwerfern und folgerichtig massivem bodycount an allen Flanken hantiert [ auf der Seite des Gegners, wohlgemerkt ], dass man schon die Schranken seiner Art überschreitet und nahezu die gigantischen ballistic Auswüchse wie später nur noch bei Hard Boiled erreicht werden. Leider die einzige Leistung des hochexplosiven, aber sonst nicht zumutbaren Rekrutierungskinos, auf die Regisseur Lee King-Chue im Nachhinein [zu Recht] noch stolz sein kann.

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