iHaveCNit: Die Verlegerin (2018)
In diesem Jahr geht es politisch und journalistisch weiter – im neuen Steven-Spielberg-Werk „The Post“. Hier haben wir neben dem Regisseur auch noch erstmals zwei absolute schauspielerische Schwergewichte vor der Kamera – Meryl Streep und Tom Hanks. Seitdem ich vor 2 Jahren „Spotlight“ im Kino gesehen habe, liebe ich es, mir auch journalistische Politthriller anzusehen. Vor allem, wenn sie das Kraftvolle im Nüchternen und Neutralen finden. Und so habe ich bereits den etwas nüchtern und neutral erzählten „Bridge of Spies“ von Spielberg geliebt. Spielberg hat diesen Film nach der abgeschlossenen Drehphase von dem im April erscheinenden „Ready Player One“ in voller Gänze fertig gestellt und bereits im letzten Jahr mit einem Release in den Staaten die Voraussetzungen für die Award-Saison erfüllt, die letztendlich mit 2 Academy-Award-Nominierungen honoriert worden ist. Nach meiner Meinung zurecht.
Katherine Graham erbt die Führung der etablierten Zeitung „The Washington Post“ und muss lernen sich als Frau in einer Männerdomäne zu behaupten. Die Lernkurve jedoch steigt plötzlich unglaublich an, als durch einen Whistleblower die brisanten Regierungsdokumente „Pentagon Papers“ in den Umlauf kommen, die 2 Jahrzehnte andauernde politische Entscheidungen auf höchster Ebene bezüglich des Vietnamkriegs kritisch hinterfragt, obwohl diese nie an das Licht der Öffentlichkeit gelangen sollten. Nachdem „The New York Times“ bereits nach einer Veröffentlichung rechtlich mundtot gemacht worden sind, muss Katherine Graham die wichtige, folgenschwere und komplexe Entscheidung treffen, die die berufliche Pflicht, rechtliche Konsequenzen, und das eigene Vermächtnis betreffen.
„The Post“ ist trotz seiner Verortung in den 70ern brandaktuell wie nie, vor allem im Bezug auf Donald Trump, der Rolle der Medien, Fake-News und auch der beruflichen Gleichberechtigung von Frau und Mann. Dafür bedient sich Spielberg bei einfachen, aber effektiven Mitteln und erzählt die Geschichte neutral und nüchtern, aber in den passenden Momenten mit großartigen inszenatorischen Einfällen und starken, gefühlvollen Emotionen. Vor allem haben mir hier z.B. der Einblick in das Setzen der Lettern gefallen, die quasi wie in einer Munitionsfabrik genau die Projektile vorbereitet werden, mit denen eine Zeitung schießen kann. Und dann wird durch ein Beben des Gebäudes beim Druck der Zeitung auch das Beben symbolisiert, dass durch eine Nachrichtenmeldung ausgehen kann. Eindrucksvoll, effektiv und simpel – das seine Kraft durch Inszenierung und auch die tolle Musik von John Williams entwickelt. Aber nicht nur daraus. Auch wenn ich weder ein großer Fan von Streep und auch Hanks bin, so respektiere ich die Leistung von Beiden. Vor allem das Zusammenspiel und auch die Entwicklung von beiden ist großartig. Wie Streep erst etwas unsicher, unbeholfen, aber auch gut vorbereitet auftritt und im Laufe des Films durch die Komplexität ihrer Entscheidung zu einer selbstbewussten Leaderin wird, ist richtig stark. Genauso wie Tom Hanks, der sich leicht in die entgegengesetzte Richtung entwickelt und sich gegenüber Streep dezent in den Hintergrund begibt. Der Look des Films versetzt einen regelrecht in die 70er und uns wird eine Zeit präsentiert, in der die Printmedien neben TV-Meldungen das einzige Nachrichtenmedium gewesen sind. Und welche Verantwortung mit der unabhängigen Pressefreiheit einhergeht – wenn es sich auch um den sehr aufwendigen investigativen Journalismus geht, für den sich heutzutage in der Schnelllebigkeit der Informationen und ihrer Flut im Internet kaum noch richtig Zeit findet. Dementsprechend ist „Die Verlegerin“ auch eine Liebeserklärung an die freie Presse und den investigativen Journalismus.
„Die Verlegerin“ - My First Look – 9/10 Punkte.