Wahrheitspresse
"The Post" ist der Schnellschuss eines Meisters. In weit weniger als einem Jahr hat Steven Spielberg einen wichtigen und relevanten Film über eine Regierung gedreht, die, nicht viel andere als die heutige amerikanische, von mutigen Journalisten und zu recht wütenden Bürgern gestoppt werden musste. Spielberg unterbrach all seine sonstigen Projekte, trommelte mal eben einen All-Star-Cast zusammen und musste einfach den Mund aufmachen. Bzw. die Bilder sprechen lassen. Bravo! Es hat sich gelohnt dafür "Ready Player One" und Co. warten zu lassen. "The Post" durchzieht eine intuitive Spontanität, die man von Spielberg lange nicht mehr gesehen hat. Behandelt wird das Thema "Staat (inklusive Lügen über den Vietnamkrieg) gegen Journalismus (inklusive einer mutigen Frau als Chefin der Washington Post)". Parallelen zur Trump-Regierung und seinen Fake News sowie eine klare Stellungnahme zu rechten Parolen ala "Lügenpresse" muss man nicht lange suchen. Obwohl die Frage offen bleibt, wo denn heutzutage solch mutige Journalisten und Menschen sind oder ob die Staatsoberhäupter der Welt mittlerweile nichts und niemanden mehr fürchten müssen, die Wahrheit am allerwenigsten. Doch das ist eine andere Frage...
"The Post" ist ein fesselnder Film. Vor allem sein letztes Drittel ist explosiv und Spielberg in inszenatorischer Höchstform. Davor bekommt man solide Kost, etwas trocken und altbekannt, doch selten wirklich langweilig. Nur läuft eben alles auf die finalen Entscheidungen hin, das Vorgeplänkel kann da nicht mithalten. Zum Glück gibt es meisterliche Schauspieler wie Hanks oder Streep, die einen bei Laune halten. Vor allem Letztere passt in die Rolle der starken Verlegerin perfekt. Wie könnte sie auch anders. "The Post" drückt da wo es momentan am meisten weh tut, ohne je richtig zuzubeißen. Gekonnt, hübsch und geführt von einer der sichersten Hände Hollywoods ist er in jeder Sekunde. Spielbergs Stil orientiert sich fein am grauen Thrillerkino der porträtierten Zeit und die Dialoge sind auf den Punkt. Alles kulminiert im richtigen Moment und zurück bleiben Stolz, ein lautes Jawoll und einige Fragen zur noch wesentlich unübersichtlicheren heutigen Lage. "The Post" hat jedenfalls genug positive Energie und Frauenpower und Hoffnung, dass einem klar wird, wieviel Macht die Presse hat, haben muss, und mit wieviel Mut sie zur Wahrheit drängen sollte. Egal was es kostet.
Fazit: wenn die Maschine läuft, dann läuft sie - druckvoll und wichtig knallt Spielberg einen anfangs etwas trockenes aber dann umso aktuelleres Drama über die Meinungs- und Pressefreiheit raus. Eine Fingerübung von Format. Die Tinte und Bilder scheinen manchmal trocken, die Themen könnten kaum weiter davon entfernt sein.