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Staffel 2

Immer noch tun sich seltsame Dinge im ostfranzösischen Villefranche, jenem Dorf in den Vogesen, dessen riesiger Wald ein Eigenleben zu haben scheint: Major Laurène Weiss (Suliane Brahim), die Teamleiterin der kleinen Gendarmerie, wurde mit mehreren Schüssen niedergestreckt und erwacht Stunden später - nur mit Moos bedeckt - irgendwo im Schatten der Bäume. Erstaunlicherweise heilt das von unbekannter Hand drappierte Gewächs die Schußwunden in kürzester Zeit, sodaß die Polizistin bald wieder ihren Dienst versehen kann.
Unterdessen erreicht Staatsanwalt Franck Siriani (Laurent Capelluto) eine Durchsuchung des Steinbruchs, wo er mit Hilfe der Umweltinspektorin Delphine Garnier (Marina Hands) Beweise für eine illegale Giftmülldeponie zu finden hofft - doch erneut gelingt es dem sämtliche Wirtschaftsbelange der Gemeinde dominierenden Vater Gérald Steiner, sich trickreich herauszuwinden. In dessen Sohn Bertrand, durch den Tod seiner Tochter nachdenklich geworden, erwächst Siriani jedoch ein unerwarteter Verbündeter, denn der Bürgermeister hat den unwiderruflichen Entschluß gefasst, die Vorherrschaft seines Vaters in Villefranche zu brechen.
Inzwischen nähert sich die Nacht des keltischen Samhain-Fests, in der der Sage nach deren Gottheit Cernunnos mit seinen Hunden auf die Jagd geht - und tatsächlich finden sich am Morgen dieses Tages Hirschknochen vor zahlreichen Häusertüren des Ortes. Steckt die immer noch aktive Umweltschützergruppe der Kinder von Arduinna dahinter oder offenbart sich nun endgültig der bisher immer nur kurz und schemenhaft auftauchende gehörnte Waldgott?

Auch die zweite Staffel der französischen Mystery-Thriller-Serie Black Spot folgt in Punkto Drehbuch, Schnitt und Darreichungsform (8 aufeinander aufbauende Episoden zu je ca. 55 Minuten) dem Schema der ersten Staffel, nimmt jedoch wesentlich mehr Bezug auf die keltische Gottheit und vernachlässigt dabei ein wenig die Krimi-Elemente, von denen es pro Folge nach wie vor immer noch einen oder zwei mehr oder weniger aufzuklärende (und danach abgeschlossene) Mordfälle gibt. Dadurch entwickeln sich die beiden Hauptstränge (Mordfälle und Waldgott) jedoch immer weiter voneinander weg, sodaß mit zunehmender Dauer ein gewisses Chaos entsteht, unter dem der Erzählfluß, vor allem aber die Spannung leidet - zwar können, wie gewohnt, die einzelnen Fälle bald gelöst werden, doch stehen sie nicht mehr unmittelbar in Zusammenhang mit dem geheimnisvollen Cernunnos, von dem bis zum Ende nicht klar wird, ob es ihn tatsächlich gibt (geben soll) oder irgendein nicht näher bekannter  Einheimischer dessen Rolle spielt.

Während die aus der ersten Staffel bekannten Charaktäre sämtlichst wieder auftreten und an sich genau das Gleiche tun wie zuvor, gibt es in Sachen Plot keine wirkliche Weiterentwicklung - stattdessen wird die hochmerkwürdige Heilung der weiblichen Hauptdarstellerin relativ emotionslos und erklärungsfrei abgehandelt, während ein längerer Rückblick in die Römerzeit, wo ein Expeditionstrupp schon vor 2000 Jahren an selber Stelle von einem gehörnten Waldgott niedergemacht wurde, den verdutzten Zuschauer auf eine Zeitreise mitnimmt, die sich im Nachhinein als für die Handlung völlig überflüssig herausstellt.
Der einzige neu eingeführte Filmcharakter (die Umweltinspektorin) erweist sich bei deren eher geringer Screentime als nicht sonderlich aufregend - immerhin beschert sie dem stocksteifen Staatsanwalt eine Romanze, welche allerdings zu den eher komischen Momenten der Serie gehört, genau wie ein Vorgesetzter von Major Weiss, der wie ein durchgeknallter Sadist auftritt oder der Meerschweinchen-verliebte Polizist Nounours, der längere Zeit verletzt im Wald leiden muß, bevor auch er gerettet wird.
Viel zu kurz dagegen kommt die Finte, mit der der plötzlich recht couragiert auftretende Bertrand (nachdem er zuvor wochenlang dem Alkohol zugesprochen hatte) seinen Vater zu Fall bringen will. Auch wer der Anführer der Kinder von Arduinna ist wird enthüllt, doch inwiefern dies eine Bedeutung hat, entzieht sich dem Zuschauer. Woher dieselben dann Sprengstoff und das Know-how im Umgang damit haben, fragt man sich dann besser schon nicht mehr, auch das zwischenzeitliche Auftreten von Killerbienenschwärmen bleibt wie so manches andere eine schlichtweg ins Nichts führende Spur.

Konnte man über gewisse Ungereimtheiten in der ersten Staffel dank einer starken (oder zumindest interessanten) Figurenzeichnung noch hinwegsehen, treten diese Absurditäten in der zweiten Staffel umso mehr in den Vordergrund, als die handelnden Charaktäre in den Hintergrund treten. Den zu keiner Zeit rational begründeten, aber fast die halbe Laufzeit einnehmenden Waldschrat-Schwachsinn hätte man sich getrost sparen können - hier haben sich die Drehbuchautoren mit ihrer Vorliebe für keltische Mythen meines Erachtens vollkommen verzettelt.

Mit einem deutlich zu wenig vorbereiteten Finale, in welchem sich vom Erzähltempo her - im Verhältnis zu den vorangegangenen Episoden - die Ereignisse geradezu überschlagen, endet dann diese zweite Staffel, die am Ende bewußt uneindeutig bleibt und mit ihren aufgeworfenen Fragen eigentlich eine dritte Staffel nach sich ziehen müßte - sofern diese überhaupt noch jemand sehen will.
Schade, nach 8 Punkten für die erste ist diese zweite Staffel insgesamt eine herbe Enttäuschung und bestenfalls noch 5 Punkte wert.

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