Review
von Leimbacher-Mario
Staffel 2
Ein Grat, rutschig und schmal
Die erste Staffel von „Future Man“ war eine Sensation. Oder eher gefühlt meine Sensation, da sie außer mir kaum jemand gesehen geschweige denn derart gefeiert hat. Erst recht hierzulande. Amazon hat einfach nicht das Netflix-Standing und deren Mundpropaganda. Dennoch hat Hulu eine zweite Season spendiert. Zum Glück. Oder doch nicht? Denn im zweiten Jahr versucht die Sci-Fi-Parodie sich neu zu erfinden - obwohl das eigentlich kaum nötig war. Und so kommt es zu Rückschritten, Ärgernissen, Verwässerung und Verschlimmbesserung. Ärgerlich und einfach zu selten noch der „Future Man“, in den man sich Ende 2017 verliebt hatte. Kernstärken wie die enorme Chemie im Cast bleiben zwar, doch insgesamt verbreitet dieser krude Mix dieses Mal weniger Kurzweile, eher Langeweile. Und das ist bei diesem Konzept doch arg an der Grenze zum Abschalten. Selbst wenn das von Seth Rogen produzierte Ding so unberechenbar daherkommt, dass ich ihm sogar eine nochmalige Kehrtwende in einem möglichen dritten Jahr zutrauen würde. Bevor ich meine Kritik und Mängel an dieser Staffel jedoch weiter ausführen werde, hier ein kurzer Handlungsüberblick: nachdem Jo(o)sh, Tiger und Wolf die Welt fürs erste gerettet haben, heißt es nun noch einmal zusammen zu kommen, in der Zukunft, da die dortige, nun entstandene Utopie ebenfalls ihre Schattenseiten besitzt und ein alter Bekannter die Verlegung der Menschheit auf den Mars plant... oder so ähnlich. Denn eine kohärente, einigermaßen sinnvolle und spannende Story muss man sich hier eher selbst zusammenreimen.
Diese dreizehn neuen „Future Man“-Folgen haben einfach nicht mehr die Magie ihrer Vorgänger. Ein eindeutiges Hauptprobleme dafür ist schwer auszumachen, eher kommen viele kleinere Fehlentscheidungen zusammen. So ist es beispielsweise schade, dass unsere drei Helden die meiste Zeit getrennt Abenteuer durchlaufen, dass sich die Geschichte kaum noch von der postapokalyptischen Kernzeitebene wegbewegt, dass Zeitreisen Mangelware werden, dass die Jokes einfach nicht mehr auf dem vorangegangenen Niveau sind und dass interessante Nebenfiguren (wie der Officer) nahezu komplett wegfallen. Es wird zwar versucht, sich ein wenig mehr auf die Nicht-mehr-ganz-Geheimwaffe Wolf aka Derek Wilson zu konzentrieren, doch auch er erreicht nie mehr ganz sein bekanntes Momentum. Haley Joel Osment gibt als vielschichtiger, fast bemitleidenswerter Bösewicht alles, doch es wirkt sehr bemüht. Außerdem gehen Dinge wie ein Musicalabstecher und weitere Doppelrollen der Stars ziemlich nervig und unnötig in die Hose. Ich sage nur „hohe Stimme“. Die Story wirkt unwichtig und konfus, ziellos und konstruiert. Organisch und harmonisch läuft hier kaum etwas. Auf Retrofeeling wird kaum zurückgegriffen. Die letzten zwei Folgen reißen das Ruder dann nochmal rum, fast in den positiven Bereich, u.a. mit einem genialen Chameo von Seth Rogen und einer „Running Man“-artigen Aussicht und vielen Möglichkeiten wieder mehr durch die Zeit zu reisen - doch im Endeffekt bleibt ein hauptsächlich ernüchterndes und hängen gelassenes Gefühl zurück.
Fazit: irgendwie nicht mehr der Future Man aus dem Premierenjahr... Nur noch sporadisch lustig, mit wirren Plots und viel Leerlauf, weniger Highlights und abgenutzteren Gags, kaum Zeitsprüngen und voneinander dauerhaft getrennten Hauptfiguren, die sich zudem noch ziemlich komisch und anders als zuvor verhalten. Das ist schon ein starker Druckabfall, selbst wenn sich die Serie hintenraus wieder fängt und dann doch die Schranken und das Interesse für eine dritte Staffel öffnet und weckt. Zumindest ansatzweise. Staffel 1 spielt allerdings in einer anderen Liga. (5,5/10)