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Die Wahrheit liegt in den Zahlen

"Pi" ist ein Film über das Leben. Das Leben in Zahlen. Ein moderner Paranoia-Klassiker, der Darren Aronofsky auf die Filmlandschaft gesetzt hat. Als ob David Lynch und Albert Einstein eine Orgie gefeiert haben und dabei ein sehr spezielles Baby entstand. Auch an Nolans "Following" erinnert dieser artistische Indie stellenweise, sogar an "The Matrix" thematisch, doch im Endeffekt geht er tiefer und wird von Minute zu Minute verkopfter. Manchen mag das übel aufstoßen, doch mir gefällt dieser höllische Ritt in die Welt der Zahlen und möglichen versteckten Wahrheiten extrem gut. Herausfordernd, intellektuell, mysteriös. Ein fesselnder Bilderstrom aus Chaos und Ordnung, aus Horror und Psychosen, aus Wissen und Angst. "Pi" lässt man über sich ziehen wie ein delikater Dampfzug und allein der finale Bohrmaschinen-Höhepunkt ist noch immer ein Schocker... Es geht kurz gesagt um einen hochbegabten, sehr eigenen Mathematiker, der eine 216-ziffrige Zahlenfolge entdeckt, die das Geheimnis des Lebens in sich tragen könnte...

Aronofsky holt hier aus massiv limitierten Mitteln unfassbar viel heraus. Er machte die Not zur Tugend und überzieht den Cyberpunk mit einem zutiefst mathematischen Pessimismus. Vom grimmigen Look über die schwerwiegenden Themen bis zum sperrigen Blickwinkel - dieses Regiedebüt ist eins für die Annalen und zeigte schon überdeutlich, wohin sich dieser Regisseur noch entwickeln könnte. Tarkovsky wäre auf dieses Zahlenspiel des Lebens sicher steil gegangen! Das anstrengende und verworrene Werk war enorm einflussreich und ist noch immer ein komplexer Knubbel der Kreativität. Jeder Nachwuchsregisseur und Liebhaber von mysteriösen Sci-Fi-Storys ala "La Jetee" oder "The Zero Theorem" muss hier Notizen machen. Egal ob man vollkommen überfordert ist oder gar einigermaßen den Durchblick behält, egal ob Mathemuffel oder Neuzeit-Gauss - "Pi" ist ein feines Faszinosum, keine Minute zu lange und eine perfekt aufgehende Gleichung. 

Fazit: als ob Stephen Hawking einen auf "Eraserhead" macht - experimentell, analytisch, philosophisch. Einer der wegweisenden Indies der letzten 20 Jahre. Richtig spannend wurde er für mich aber selten. Eher interessant. Sehr interessant.

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