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Die Besetzung mit beiden alten Recken Van Damme und Lundgren zusammen in einem Projekt, die Präsentation Zweier von im Grunde nur noch sehr wenig übergebliebenen (bis anderweitig gar nicht mehr vorhandenen) Stars aus den Actiongenre der dafür prädestinierten Achtziger und Neunziger (des letzten Jahrhunderts) in einem Bilde erregt natürlich mehr Aufmerksamkeit als das alleinige Gebaren. Mit der Zeit gegangen und mit der Zeit gealtert, körperlich angesichts dessen aber weiterhin gut in Form und mit einer gewissen Milde und der Erfahrung sowie der Tradition ausgestattet, die die lange Karriere und das lange Überleben im Geschäft notgedrungen mit sich bringen, ist das Duo allein schon von der Anwesenheit her und damit auch Black Water seine Bedeutung wert. Was man von den Soloauftritten nunmehr nicht mehr unbedingt sagen kann, ist bei dem Schweden doch eher Masse statt Klasse und bei dem Belgier etwas viel Selbstreflexion, angefangen von diversen satirischen oder parodistischen Auftritten bis hin zu dem Aufwärmen eigener früherer Erfolge im Spiel:

Als der Agent Wheeler [ Jean-Claude Van Damme ] während einer Datentransaktion mit der Kollegin Melissa Ballard [ Courtney B Turk ] von mehreren maskierten Schergen mit Schnellfeuerwaffen angegriffen und die Frau auch vor seinen Augen getötet wird, kann er sich nur mühsam in die Flucht retten, um seinen Vorgesetzten zu kontaktieren. Kurz darauf ist eben Jener auch tot, Wheeler vom CIA Operative Ferris [ Patrick Kilpatrick ] verhaftet und außer Gefecht gesetzt auf ein U-Boot zur Befragung gebracht, die nötigenfalls auch Folter beinhalten soll. Einzig Wheelers Ausbilder Edward Rhodes [ Al Sapienza ] schlägt sich nach seinen eingeschränkten Möglichkeiten auf die Seite des Gefangenen, dem an Bord allerdings schnell der Ausbruch gelingt und zusammen mit dem Frischling Cassie Taylor [ Jasmine Waltz ] einen Ausweg aus dem Schwimmenden Sarg und die Wahrheit gleich mit sucht, und dafür auch seinen Zellennachbarn Marco [ Dolph Lundgren ], einen ehemaligen GSG 9 Spezialisten involviert; eng verfolgt von der recht nach Blut dürstenden Bewachertruppe.

Der ehedem Submerge betitelte selber trotz oder wegen der Vorgeschehnisse um die Besetzung ein dick hervorgehobener Punkt auf dem Einkaufszettel, wobei das eher stille Marketing der Januar 2017 in Mobile, Alabama gedrehten Produktion sowie auch die Verwunderung über die Verschiebung und/oder die bislang wenig globale Distribution überhaupt erstmal ignoriert werden soll, und die Hoffnung auf eine möglichst rabiate Unterhaltung mit vielleicht Anklängen an die früher ach so 'besseren Zeiten' (und hoffentlich auch der Verbesserung gegenüber Kill 'em all oder Pound of Flesh als noch die Herausstechendsten Bemühungen der jüngeren Tage) weiterhin besteht. Das der wenig berauschende Kill 'em All mit seiner Herumschleicherei im Krankenhaus dabei ebenso Vergleiche auslöst wie Lundgrens selbiges Spiel im Flugzeug in Altitude, und das hiesige Drehbuch dazu noch frappant an Escape Plan erinnert, schraubt die Vorfreude und Erwartungen allerdings nicht in riesige Höhen und sollte sich in seiner Befürchtung letztlich auch bestätigen. Die Konkurrenz sowieso rar, die Angebote allgemein reduziert, die Wertschätzung des Publikums nunmehr auf eine andere Sorte Film oder gar die Ausgiebigkeit einer Fernsehserie gelegt, so dass selbst dieses Produkt in der Potenzierung seiner Verkaufsstrategie mit gleich zwei global bekannten Stars (und neben vielleicht dem hochkarätigen Willis und dem nachwachsenden Adkins den letzten Überbleibseln einer Ära) finanziell recht unterernährt wirkt und vom Budget her wohl deutlich an die Ketten gelegt ist. Ein Bild des Jammers, was die Zukunft der Zunft angeht.

Gedreht von Pasha Patriki, einem Debütanten, der zuvor (und hier auch) als Director of Photography tätigt ist und dort zumindest bei den Allan Ungar - Filmen Tapped Out [2014) und v.a. Gridlocked [2015] reüssiert; wobei er sich gerade von dem Letzteren etwas abschauen kann, was die Inszenierung innerhalb begrenzter Räume, dräuender Fristen und aufeinander gehetzter Kontrahenten angeht. Hier wie dort ein Stahlgemäuer ohne Tageslicht, ein Ungetüm aus dunklen Ecken und verwinkelten Gassen, dass eines MacGuffins wegen belagert bzw. aus der Belagerung hinausgekommen werden soll und die Weg in die Freiheit notfalls mit Gewalt geebnet. [Ungar wird auch mit einer Überarbeitung vom Drehbuch in Verbindung gebracht, wobei man von einer Verbesserung allerdings nichts spürt; es sei denn, man war vorher noch launiger. Und war zumindest auch am Set und zwischendurch als eigentlicher Regisseur gemunkelt.]

Mit einer kleinen Rückblendenstruktur wird diese Prämisse mitsamt seinem Lockmittel, einem Datenträger an den Mann gebracht und die Erklärungen der positionierten Parteien von Doppel-Spionage und Agententümmelei geliefert, ein Vorspiel aus wiederkehrenden Erinnerungsfetzen, in dem dem Zuschauer eine Bettszene in einem (Luxus)Motel gnädigerweise nur angedeutet und dafür die folgende Schießerei an dessen statt in etwas mehr Ausführlichkeit als zuletzt gewohnt geboten wird. Die Wahl der Waffen und ihre Sprache ist neben der Besetzung, zu denen noch Patrick und Sapienza und möglicherweise Sproß Kris Van Damme auf der Habenseite stehen, dann auch der einzige positive Faktor, der unterm Strich überbleibt, was angesichts der seltenen Nutzung von Actionszenen gleich mit einem "aber" behaftet ist. Denn anscheinend findet man im U-Boot immer genug Versteck und Stauraum, dass man sich zumeist aus dem Wege geht, viel und oft den Redeschwall anstellen kann und im Grunde bis dahin das Katz-und-Mausspiel mit allerlei Positionswechseln durch Maschinenraum und andere graue Gänge wie aus einem besseren Heizungskeller anstrebt.

So richtig Bewegung und Spannung bekommt man in diese 105minütige Dunkelkammer hier also nicht herein, ein sich Manövrieren in der Konservenbüchse, dem neben Tageslicht wohl auch die frische Luft zum selbständig Atmen fehlt und sich seltsam reduziert bis zwischenzeitlich beinah apathisch anfühlt. Den wenigen Schusswechseln haftet durchaus Interesse durch eine gewisse Statik und Taktik in der insgesamt trockenen bis sterilen Inszenierung (und durch ein wenig ebensolches Blutvergießen bei den Körpertreffern) an, was sich bei den beiläufig eingestreuten und noch kürzen Kampfaktionen aber schon wieder arg hüftsteif anfühlt.

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