Review

Die noch halbwegs junge Lilith wird auf Grund eines illegalen und urheberrechtlich bedenklichen Eingriffs in den Ablauf eines Duells zur Vampirin. Die Zeit geht dahin, und mit ihr kommt die Langeweile. Um dieser zu begegnen, lässt Lilith sich als Auftragsmörderin anheuern und durchlebt ein spannendes und auch für eine Untote nicht ganz gefahrloses Abenteuer, bei dem sie immer wieder mit Inbrunst ihr Rasiermesserlächeln zeigt.

Das Rasiermesserlächeln ist aber nicht wirklich bezaubernd, weil schon mächtitg abgestumpft – und zwar in fast allen Bereichen. Die Dialoge sind teils dermaßen – ja, man mag fast sagen: ‘infantil’, dass sie bestenfalls noch 13-jährige Gothicfans begeistern könnten. Völlig ausgelutschtes, kindergartenhaft anmutendes Gerede über die Beschaffenheit, Eigenschaften und richtigen Verhaltensweisen von Vampiren sind nun einmal nicht mehr das, was sich in unserer Zeit noch in die Rubrik „Interessant“ einfügen lässt. Spätestens seit dem ebenfalls (zumindest nach meiner unqualifizierten Meinung) höchst albernen „Interview mit einem Vampir“-Kinohit, bei dem wir alle ganz überrascht lernten, dass Vampire sich doch nicht vor Kruzifixen fürchten und auch manchmal in Spiegeln zu sehen sind, ist dieses Moment der Überraschung nun einmal nicht mehr gegeben und damit recht eigentlich überflüssig. Die Illuminati-und Freimaurergeschichte, die im Film vorkommt, kann ebenfalls nur noch als obsoletes Relikt aus irgendeiner Jahrhundertwendromantik denn als Mittel zur Spannungsbildung wahrgenommen werden. Ein wenig lächerlich ist auch die Tatsache, dass die Auftragsmordvampirin sich immer ganz toll an Leuten, die direkt neben ihr stehen, vorbeischleichen kann, ohne dass sie dabei bemerkt wird, und dass sie darüberhinaus in den von ihr durchlebten Feuergefechten häufig unendlich Schuss Munition hat. Das ist zwar irgendwie voll super, mit so unendlich Schuss herumzulaufen und alles totzuballern, aber leider nicht wirklich glaubwürdig und überzeugend.

Zum Glück gibt es neben den Rasiermesservampirzähnen – die einen bestenfalls, wie auch in anderen Reviews angemerkt, noch aufs Horn nehmen können – noch andere Zähne, wie sie jeder hat, und die gehen noch, dergestalt, dass die Handlungsabfolge recht rasant ist, sodass an eigentlich keiner Stelle im Film Langeweile aufkommt, und die stumpf[sinnig]en Dialoge durch herrlich klingendes British-English gewetzt werden. Die Story als solche ist auch ganz in Ordnung (hier hätten wir funktionierende Backenzähne) und auch die albernen Spezialeffekte wirken gerade auf Grund ihrer unglaublichen Trashigkeit wieder in gewisser Weise gediegen und passend.
Was nur unendlich nervt – und die Unendlichkeit des Nervens übersteigt bei Weitem jene obgenannte Schusszahlunendlichkeit – ist das andauernde „aah“ und „ssss“ und „schhhhhhhhhhh“- Gezische, das bei jeder, wirklich jeder noch so nebensächlichen Einblendung der perikulösen Vampirzähne eingespielt wird. „Sssss“ hier und „sssss“ da und überall – das ist letztlich noch viel schlimmer als die anderswo monierten komischen schwarz-weiß-Rückblenden mit dem orangenen Blut. Dennoch (und das sind dann wohl die hypnotisierenden Augen, die zum Rasiermesservampirlächeln dazugehören) , ist das Ende des Film sehr gelungen; es überrascht, ist aber trotzdem so gut vorbereitet, dass es logisch schlüssig ist und den Zuschauer mit einer gewissen Zufriedenheit aus dem Film entlässt.

Alles in allem kann man, sofern man bereit ist, unreifes Gothic-Gelaber und blödes Gezische über sich ergehen zu lassen, sich Razor Blade Smile ganz gut anschauen. Ich würde mir den Film jetzt nicht unbedingt gleich kaufen, aber wenn einen in der Videothek plötzlich die Lust auf einen Trash-Abend überkommt, und man nichts findet, was man sich schon immer einmal anschauen wollte, dann kann RBS womöglich als passable Wahl durchgehen.

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