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Vor 150 Jahren wurde Lilith Silver (welch passender Name!) von einem Vampir zu seinesgleichen verwandelt. Heute arbeitet sie als Auftragskillerin, was den Vorteil mit sich bringt, dass sie ihre Zielobjekte genüsslich aussaugen kann, bevor oder nachdem sie sie erschießt. Dabei kommt sie einer mächtigen Geheimorganisation auf die Spur, die ihr bald das eingespielte Vampirinnenleben doch etwas erschwert.

„Razor Blade Smile“ ist ein sichtbar kostengünstig gedrehter Trash-Horror-Action-Streifen, dessen Story irgendwo zwischen Vampir-Grusel und Killer-Action mit Softsex-Einlagen changiert. Das ist weder originell noch gut geschrieben oder gespielt, erzielt aber dennoch irgendwie einen gewissen Unterhaltungswert.

An das filmisch wirklich niedrige Niveau hat man sich allerdings erst einmal zu gewöhnen. Schon die Einleitungsszene irritiert mit gewollt pathetischer Inszenierung: Da werden zwei Duellanten in blassem Schwarz-Weiß bei ihren Vorbereitungen gezeigt, während Lilith auf einem Pferd angeritten und schließlich gerannt kommt, alles von einer zu schrägen Winkeln und eher unfreiwillig komischen Close-ups neigenden Kamera eingefangen. Auch im weiteren Verlauf erweist sich die technische Umsetzung als nur mit Mühe und Not über dilettantischem Niveau: grobe Schnitte, ungelenke Kameraschwenks, das alles in eher billigen Kulissen, die nicht von ungefähr nach Stadtpark, privatem Hinterhof oder Wohnung eines Bekannten aussehen.

Garniert wird das von wahrlich miesen Darstellenden, die ihre Rollen eher vortragen als spielen und die darüber hinaus mit absurden bis dümmlichen Dialogen zu kämpfen haben – wenn etwa eine Gothic-Gruppe zusammen am Tisch sitzt und mit bleiernen Mienen und einer Ernsthaftigkeit über Vampirismus diskutiert, als ginge es um weltpolitische Probleme. Echter Tiefpunkt ist aber die Off-Erzählstimme der Hauptfigur Lilith, die nicht nur redundante und belanglose Dinge zum Besten gibt, sondern das (vor allem in der deutschen Synchronisation) auch noch mit einer völlig deplatzierten Betonung tut, die der angestrebten Ernsthaftigkeit des Erzählten jegliche Intensität nimmt. Über „Razor Blade Smile“ kann man vor allem dann lachen, wenn er es gar nicht darauf anlegt, während die wenigen bewussten Gags eher plump und billig daherkommen.

Auch dramaturgisch bleibt er ziemlich flach, verwirrt eine Zeitlang mit zu vielen Figuren, die zu flüchtig eingeführt werden, wirren Verhältnissen zwischen den Agierenden (und dann auch noch Traumsequenzen, die das Ganze noch abstruser machen) und einer Story, die erst nicht wirklich vom Fleck kommt, um irgendwann in eine hanebüchene Verschwörungsgeschichte zu kippen. Über den Inhalt sollte man also am besten nicht allzu viel nachdenken – der Drehbuchautor und Regisseur hat es offensichtlich auch nicht getan.

Aber immerhin: Der Score erweist sich erstaunlicherweise als recht gelungen. Mit guter Electro- und Gothic-Musik werden viele Szenen ein Stück weit aufgepeppt – vor allem eine lesbische Liebesszene gewinnt durch einen überaus passenden Synthie-Song reichlich Atmosphäre und Intensität – und bis auf wenige Szenen kommt die Spannungsmusik auch nicht allzu platt daher. Auch gefallen bei aller grundsätzlichen Naivität doch einige Inszenierungsideen, etwa Liliths Verwandlung, die in Schwarz-Weiß gefilmt wird, in dem nur das sprudelnde Blut rot aufleuchtet. Und so plump die Frauen hier auch zwischen Lack und Leder möglichst viel nackte Haut präsentieren sollen, weiß vor allem Hauptdarstellerin Eileen Daly doch ganz gut, wie sie ihre Reize einsetzen kann – eine gewisse durchaus ansprechende Grundästhetik wird hier durchaus erreicht.

Schließlich gefällt am Ende dann sogar die so überraschende wie sarkastische Schlusspointe, die tatsächlich gelungen daherkommt und für die meisten Genre-Fans unvorhergesehen sein dürfte. So gelingt es dem Film also immerhin, mit einem halbwegs versöhnlichen Ende abzuschließen. Die billige Inszenierung, inklusive hundsmiserabler End-90er-Computereffekte, billigst choreografierter Schwertkämpfe und Schießereien und miserabler Darstellendenleistungen, dürfte aber trotzdem ein gehöriger Wermutstropfen sein. Für eingefleischte Trash-Fans sicher mal eine nette Nebenmahlzeit, im Großen und Ganzen aber nichts Besonderes. Nur die Ähnlichkeiten zum später erschienenen „Underworld“ sind schon auffällig – ob sich dessen Produzierende hier vielleicht inspirieren ließen, um dann alles um ein Vielfaches aufwendiger und besser zu machen?

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