Mal wieder muß „Rashomon“ als Blaupause herhalten, diesmal für einen modernen Militärthriller.
Wo die persönliche Komponente der erzählenden Personen im Klassiker das Geschehen erst mit Leben erfüllte, verlässt sich „Stirb langsam“-Regisseur John McTiernan in seiner ach so aufsehenerregenden Neuzusammenführung der „Pulp Fiction“-Stars Travolta und Jackson ganz auf die Oberflächenreize einer Story, die sich ständig selbst als Lüge enttarnt und mittels einer neuen Wendung ganz andere Perspektiven eröffnet.
Macht es aber Spaß, sich als Zuschauer komplett von einer Story brüskieren zu lassen, die man mit eigenen Mitteln niemals selbst würde lösen können? Immer wieder mutieren die Rückblenden, werden nicht erweitert oder vertieft, sondern komplett verändert, indem Identitäten und Hautfarben getauscht werden, Motive und Perspektiven sich um 180 Grad drehen.
Sofern der Wunsch besteht, immer wieder aufs Neue düpiert zu werden, ist man mit diesem Thriller genau richtig. Man wird Überraschungen in Reihe erleben. Brüskiert einen aber die Hilflosigkeit angesichts der Willkür des Drehbuchs, dann ist „Basic“ nicht anderes als eine seelenlose Maschine, die erzählerische Klasse zugunsten von unrealistischen Plot-Twists eintauscht.
Denn Realismus zählt nicht gerade zu den Stärken dieses Wirrwarrs rund um den Mord an einem Vorgesetzten, persönliche Animositäten, Medizinschmuggel und Arzneimißbrauch, Korruption und Verrat. In diesem Punkt ist „Basic“ eine leere Hülse, wie ein Feuerwerk; laut, bunt und schnell vergessen.
Da trifft es sich sehr gut, dass die Charaktere demzufolge nur gerade so weit entwickelt werden, wie es nötig scheint, da ja am Ende eh immer wieder alles anders ist. Travolta spielt wie üblich das lässige Arschloch, dem keiner was kann, Jackson mimt in Rückblenden den harten Beißer, Connie Nielsen spielt gegen ihre eigene Farblosigkeit an und Giovanni Ribisi gibt, man glaubt es kaum den schrägen und schwulen Sohn eines hochrangigen Militärs.
Hier werden Rollenklischees zu Figuren von Stars und wieder zurück. Kino für Geeks.
Aber bitte dabei nicht nach Wahrscheinlichkeiten fragen, durch den Sumpf kommt man selbst mit längerem Nachdenken nicht durch, denn die Auflösungen sind letztendlich kompletter Quark, weswegen man sich nach der letzten Zwiebelschale an Überraschungen auch so wenig mit Erklärungen aufhält, dass ich die letzten 8 Minuten zweimal sehen musste, um zu begreifen, was angeblich wirklich los gewesen sein soll, ohne einen logischen Gedanken daran zu verschwenden, wie man das alles bewerkstelligt haben soll.
Zu viel erklären kann man bei den Funktionen dieses Films leider nicht, ohne zu spoilern, man sollte dem Werk aber nicht mit der großen Logik kommen.
Aber so lässig wie sich Jackson/Travolta am Schluß in bester „jetzt-haben-wir-es-dem-Publikum-aber-gezeigt“-Haltung geben, war der Film wohl sowieso als eine Art In-Joke geplant.
Hat funktioniert, nur ohne Substanz. (6/10)