John McTiernan, immerhin Regisseur von Actionklassikern wie Die Hard 1 und 3 oder Predator, gelang in den letzten Jahren kein großer Wurf mehr. Seit dem er sich bei dem durchaus überzeugenden Wikingerabenteuer "Der 13. Krieger" mit den Produzenten stritt, die den Film kürzer haben wollten, mit "Die Thomas Crown Affäre einen solides und mit "Rollerball" ein katastrophales Remake ablieferte musste man um seinen guten Ruf fürchten. Mit dem in Amerika gefloppten, aber sehr guten Militärthriller "Basic" findet er jedoch zu alter Stärke zurück.
Das ist vor allem den namhaften Hauptdarstellern John Travolta und Samuel L. Jackson (Gut wie immer, aber eher eine Nebenrolle) zu verdanken. Letzter spielt die Ausbilderlegende Seargent Nathan West, die 1999 im Regenwald von Panama mit seinen Soldaten eine zweiwöchige Übung durchführt und sie knallhart und schonungslos vorantreibt. McTiernan erzeugt schon bei der Landung der Soldaten (werden mit einem Hubschrauber abgesetzt) eine spannend, etwas unheimliche Spannung. Dank eines Ungewitters, prasselnden Regens und Blitzen ist die Sicht stark begrenzt, was aber die Soldaten nicht davon abhält in den Dschungel zu marschieren. Doch als sie später von dem Hubschrauber wieder abgeholt werden sollen, erscheinen nur zwei Soldaten (einer von ihnen schwer verletzt).
Da der Befehlshabende nichts aus den einzig ansprechbaren Zeugen herausbekommt wendet er sich an einen alten Freund. Ex-Militär und jetzigen DEA-Agenten Tom Hardy (John Travolta, mit sichtlichem Spaß an seiner Rolle), der die Umstände aufklären soll. Zur Seite steht ihm dabei Julia Osborne (Connie Nielsen,blaß und austauschbar), die mit ihm die Untersuchungen angeht. Das diese nicht zu trocken und dialoglastig verlaufen, ist dem Einschub von Flashbacks der Überlebenden zu verdanken, auf die ich unten noch näher eingehen werde.
Erwartunsgemäß müsste ein, aus den letzten Jahren doch bekannten, vor Patriotismus überschäumender, klischeebeladener Werbefilm für das amerikanische Militär folgen, doch statt dessen entfaltet sich ein facettenreicher, völlig unvorhersehbarer Plot mit so vielen temporeichen und Überraschungen wie man sie schon ewig nicht mehr in Hollywoodproduktionen zu sehen bekam.
Im Stil von Kurosawas Klassiker "Rashomon" erzählen die Überlebenden nämlich die Geschichte in Flashbacks alle anders. Die Szenen um das rätselhafte Schicksal der Soldaten werden immer anders inszeniert,erzählt und dazu noch in eine erstklassige Optik verpackt, von dem so manch anderer Kriegsfilm der jüngsten Zeit sich eine große Scheibe abschneiden könnte. Die Atmosphäre in dem von Gewitter geplagten Dschungel ist umwerfend und erzeugt Gänsehaut beim Zuschauer, kann er sich doch in die durchnäßten und sich untereinander mißtrauenden Soldaten hineinversetzen. Die sich aufbauenden Spannungen in der Blechhütte, wo sich alle versammeln ist greifbar. Hier wird deutlich, wo McTiernans Stärken liegen und womit er sich einen Namen gemacht hat. Doch sind diese Rückblenden immer nur kurze Einschübe, um den Film ein wenig mehr Spritzigkeit zu verpassen.
Schwierig hier ein aussagekräftiges Review zu verfassen ohne jetzt mehr über den Film zu erzählen, die ersten Überraschungen, plötzliches Ableben von Charakteren und irren Auflösungen kurz vor Ende zu verraten und zu spoilern.
Nur so viel: Man könnte wahnsinnig werden :-)
Fast jede Figur spielt ein doppeltes Spiel und erzählt bis zum Ende nicht die volle Wahrheit oder alles über sich, seine Identität und Motive. Figuren vertauschen ihre wahren Identitäten, lügen und erzählen doch wieder die Wahrheit. Als Zuschauer verliert man dann schon mal die Übersicht, so dass dem Film ein bisschen weniger Komplexität zuträglich gewesen wär und ihm auch einen Minuspunkt beschert.
Fazit:
Einer der besten "McTiernan" aller Zeiten. Schade, dass er sich an der Kinokasse so unter Wert verkaufte. Der irre, unvorhersehbare Plot strotzt vor Überraschung und führt den Zuschauer an der Nase herum. Hinzu kommen erstklassige Actioneinlagen im Dschungel und bis auf Connie Nielsen gut aufgelegte Darsteller, die sichtlich Spaß haben und sich in ihren Rollen wohl fühlen. Die ungemütliche Kulisse (ständiger Regen, nur Nacht) erledigt den Rest. Einer der besten Filme des Kinojahres 2003.