Manche lassen früh nach, andere starten spät durch: Während Robert Englund außerhalb des Universums von „Nightmare“ lediglich in B- und- C-Filmen auftaucht, wurde Lin Shaye erst durch die Reihe „Insidious“ einer breiteren Masse bekannt, nachdem sie beinahe vierzig Jahre lang in zahlreiche Nebenrollen schlüpfte. Die beiden werten das Remake des gleichnamigen irischen Streifens immerhin deutlich auf.
Schülerin Alex (Gabrielle Haugh) kümmert sich um ihre demenzkranke Oma (Lin Shaye), welche allein in einem alten Haus lebt. Per Zufall entdeckt Alex auf dem Dachboden eine ominöse Schachtel und beschließt diese mit ihrem Kumpel Miles (Grayson Gabriel) zu öffnen.
Mithilfe der dort befindlichen Utensilien lässt sich ein Spiel mit dem Schattenmann anzetteln, auf das die Teenager besser verzichtet hätten…
Regisseur Travis Zariwny steigt vergleichsweise brachial ein, indem er während der 1953 angesiedelten Exposition mal eben zwei Kids über die Klinge springen lässt.
Bis es erneut blutig zur Sache geht, vergehen allerdings rund 60 Minuten, in denen sich deutlich zu wenig ereignet.
Die Figuren erscheinen zwar sympathisch, weil die jungen Leute angenehm natürlich auftreten und weitgehend glaubhafte Dialoge hervorbringen, doch da sich das Geschehen nahezu ausschließlich im Haus abspielt, wird zu selten für Abwechslung gesorgt. Es zieht sich, bis der Spielablauf komplett befolgt wird und der Schattenmann erstmals in Erscheinung tritt, der immer dann creepy wirkt, wenn er im Halbschatten verweilt und eher nicht so viel mit seiner tiefer gepitchten Stimme von sich gibt.
Das mit den Schattenspielchen wird auf Dauer jedoch überstrapaziert. Anfangs wirkt das noch stilvoll, als das Gesicht von Shaye auf dem Bett nur halb zu sehen ist und Einzelheiten in der detailverliebt ausgestatteten Wohnung zunächst ein wenig untergehen. Doch mit der Zeit ermüden die kontrastarmen Bilder trotz einer solide geführten Kamera ähnlich, wie das Nutzen der Klischeeutensilien zwischen Kerzen und Salzstreuer.
Spannung kommt bei alledem viel zu selten auf, kurze Inserts und kleine Rückblicke nehmen stets ein wenig Fahrt heraus oder sorgen für Verwirrung aufgrund fehlender Zusammenhänge.
Bezeichnend für das schwach ausgearbeitete Drehbuch sind die spezifischen Ängste der Teens, auf die im Zuge des Spuks fast gar nicht mehr eingegangen wird.
Passend hierzu auch das enttäuschende Finale, bei dem sich Genreklischees die Klinke in die Hand geben.
Darstellerisch kann der mangelnden Originalität ein wenig entgegen gewirkt werden, speziell Shaye brilliert in der Rolle einer unberechenbaren Alten, während Englund routiniert den Erklärbär gibt. Die Jungmimen performen okay, werden allerdings auch kaum gefordert.
Gleiches gilt für den Score, der sich überwiegend zurückhält, wodurch sich das Geschehen verstärkt auf die (un)natürliche Geräuschkulisse konzentriert.
Die recht dünne Story, die nahezu frei von Überraschungen ist, bietet nicht mehr als Durchschnittskost, woran die zwei, drei Gewalteinlagen, die erstaunlicherweise noch eine FSK16 erhielten nicht viel ändern. Auf diese Art und Weise wird der „Midnight Man“ wohl eher ein Schattendasein fristen…
4,5 von 10