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Das Geheimnis vom Green Lake

Vorsicht: Spoiler!

Stanley hat an einem Tag, an dem er unter einer Brücke langgeht, Pech: erst wird er wie von einem herabsegelnden Paar Turnschuhe getroffen, und dann verhaftet, weil eben dieses Paar Schuhe aus einer Auktion für obdachlose Kinder gestohlen wurde. Er wird vom Richter ins Camp Green Lake geschickt, um dort seinen Charakter zu festigen.

In diesem Camp wird der englische Originaltitel des Films („Holes“) sichtbar: jeden Tag müssen die Knaben, die hier rehabilitiert werden, ein Loch graben, das so groß wie die Schaufel ist, die sie bekommen haben. Wer es eher schafft, darf früher ins Camp zurück, wer nicht, muss in der Gluthitze weiterschuften.

Jon Voight spielt einen der Vorarbeiter des Bosses (Sigourney Weaver in einer meines Erachtens völligen Fehlbesetzung). Er spielt ihn dabei aus einer Mischung aus Härte und Hinterlistigkeit, und sein Mimenspiel macht einfach Spaß.

Die Story ist genauso verwickelt wie gut verwoben: in der Vergangenheit hat sich eine junge Lehrerin in einen Schwarzen verliebt, und, da dies alles in Texas, dem Land der Hinrichtungen und des Rassismus spielt, diese Liebelei führt erst zur Erschießung des Schwarzen auf einem See. Dieser See trocknet nach einem Jahrhundert aus, und an Bord des Bootes war ein Schatz: deshalb müssen die Jungs jeden tag Löcher graben. Der Boss will den Schatz finden, und nimmt dabei später im Film selbst den Tod eines Jungen in Kauf (der jedoch gerettet wird).

Obwohl der Film ab 6 Jahren freigegeben ist, sollte er auch von Erwachsenen eines Blickes gewürdigt werden. Und dies hat zwei Gründe: zum einen sind die im Film enthaltenen Anspielungen und Verwicklungen (Themen wie Rassismus, die Erschießung und die Rache der Lehrerin in Gestalt eines Outlaws) zu kompliziert für kleiner Kinder. Im Kino in Bremen, wo dieser Film lief, kamen die Kleinen schon bald nicht mit, und verloren den roten Faden.

Zum Zweiten ist die Rückblende, in der die Liebelei zwischen der Lehrerin und dem Schwarzen gezeigt werden, in Szenen gesetzt, ja fast schon episch zu nennen, dass dies sich nur einem Erwachsenen in seiner ganzen Dimension erschließt. Zu nennen ist eine mir ganz besonders gefallene Szene, in der die Lehrerin, sich in der Wüste versteckend, von einem Pärchen mit der Waffe bedroht wird. Beide wollen wissen, wo der Schatz vergraben ist (also die gesamte Beute, die sie zusammengeraubt hat). In dieser Szene wirft die Lehrerin den Revolver weg. „Ich werde dich nicht erschießen. Wenn du mich erschießen willst, nur zu, ich bin schon lange tot.“ Das ist so hervorragend dargestellt und so deprimierend, dass dem Zuschauer die Augen feucht werden.

Alles in allem ist der Film gelungen, doch ist Sigourney Weaver eine völlige Fehlbesetzung: die harte Leiterin des Camps nimmt man ihr nicht ab, und ihre Gestalt ist daher unglaubwürdig. Um so mehr wird sie von den Neulingen im Film, den jungen Akteuren (vor allem Shia LaBeouf, der den Stanley spielt) an die Wand gespielt.

Das End eist wie immer ein Happy End (der Film ist ja auch von Disney produziert) und bietet wie immer ordentliches Gemenschel. Das tut dem Film jedoch keinen Abbruch: er unterhält prächtig.

Fazit: Ein Junge wird wegen vermeintlichem Turnschuhdiebstahl in das Camp Green Lake eingewiesen, wo er mit anderen Delinquenten Löcher buddeln muss. Der Film überfordert zwar ein zu junges Publikum durch die Behandlung von Themen wie Rassismus und Tod, wird aber niemals übertrieben pathetisch oder peinlich. Die jungen Schauspieler sind hervorragend. Sehenswert.

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