Review
von Leimbacher-Mario
Wer and'ren eine Grube gräbt...
„Holes“ aka „Das Geheimnis von Green Lake“ verbindet Western-, Sommercamp-, Abenteuer-, Disney-, Gefängnis- und Teenager-Elemente zu einem Film, wie es ihn bis dato und seitdem nicht gegeben hat. Das klingt etwas hochtrabend und ausufernd, aber „Holes“ ist nunmal ein sehr eigenständiges und eigenartiges Biest, das ich mit reinstem Gewissen als Geheimtipp weiterempfehlen kann! Erzählt wird von einem Jungen, der wegen einem kleineren Diebesdelikt (den er nichtmal selbst begangen hat!) in eine Mischung aus Jugendstraflager und Sommercamp geschickt wird, dort jeden Tag ein großes Loch in der Wüste buddeln muss - zuerst ohne Ziel oder Ahnung, worum es den fiesen Besitzern und Aufpassern gehen mag. Doch mit der Zeit kristallisieren sich bei ihm, seinen Mitinsassen und auch uns Zuschauern einige Themen wie Freundschaft, Ausdauer, mentale Stärke, Erbe und Schicksal heraus, die das Martyrium lohnenswert machen könnten...
„Holes“ ist ein äußerst ungewöhnlicher und ziemlich herausragender Disneyfilm, der dem sonst oft immer extrem berechenbaren Konzern gut zu Gesicht steht, es aber leider nie zu echtem Ruhm und Erfolg gebracht hat. Vielleicht kann er sich ja jetzt als staubiges Schattengewächs auf Disney+ ein paar Gucker und Fans erschaufeln. Ich würd's allen Beteiligten gönnen! „Holes“ hat Fantasie und surreale Elemente, ist aber dennoch durchgehend geerdet und authentisch, er hat mehrere Backstories und Rückblenden, wirkt aber dennoch nie überfrachten, er hat einen jungen Shia LaBeouf und ist dennoch nie nervig. „Holes“ ist ein kleines Wunder. Und das trotz (oder zusätzlich noch gerade wegen?) einem völlig overactenden Jon Voight, maßlos veralteten Computereffekten und einer ambitionierten Lauflänge für sein Kernpublikum. Hier gibt’s Blasen an den Fingern und sklavische Untertöne, hier gibt’s tote Esel und wird Leuten in's Gesicht geschossen, hier strahlt die Sonne erbarmungslos herab und küssen heiße Bankräuberinnen Leichen goodbye. Jip, „Holes“ ist eine Menge - aber nicht dein typischer Disneymovie für einen heißen Sonntagnachmittag im Juni. Oder doch. Man muss aber nur wissen, was einen erwartet...
Fazit: ein surrealer Sommercamp-/Straflager-Western (!), der näher an „Cool Hand Luke“ oder „The Great Escape“ sitzt, als an allem, was je sonst auf dem Disneychannel lief. „Holes“ ist heißer Halbstarkenstoff!