Der beruflich stark gestresste Immobilienspekulant Karl Brendt (Wotan Wilke Möhring) möchte sein völlig zur Nebensache gewordenes Familienleben wieder aufwerten und bringt eines morgens überraschend die Kinder zur Schule - es ist der Hochzeitstag. Während seine Frau denselben längst vergessen hat und eher irritiert reagiert, sitzen die Kinder bereits auf der Rückbank des standesgemäß protzigen Wagens und freuen sich darauf, von Papa in die Schule kutschiert zu werden. Dummerweise meldet sich schon nach wenigen Minuten ein Erpresser, der in der Nacht zuvor fernzündbare Bomben in das Auto eingebaut hat und den konsternierten Karl nun per Handy durch Berlin dirigiert... Steig.Nicht.Aus! lautet die titelgebende Devise, die der angestrengt und zunehmend nervös wirkende Immobilienhai nun beherzigen muß, bekommt er doch schon nach kurzer Fahrt demonstriert, wie es einem Freund von ihm ergeht, dessen Auto ebenfalls präpariert wurde: BUMM!...
Regisseur und Drehbuchautor Christian Alvart hat sich bei einer spanischen Vorlage bedient und läßt das Erpressungs-Road-Movie nun mitten in Berlin spielen. Temporeich inszeniert er einen Thriller, der sich hauptsächlich in einem Auto abspielt. Seine Spannung bezieht Steig.Nicht.Aus! daraus, daß Brendt sich bald mehreren Dilemmata gegenübersieht, die ihn schier zu erdrücken drohen: Zum einen möchte er natürlich seine Kinder schützen, die zuerst gar nicht begreifen, wieso sie an der Schule nicht aussteigen dürfen (daß unter ihrem Sitz eine Bombe lauert, die beim Sitzwechsel/Aussteigen detoniert, kann er ihnen erst später begreiflich machen), zum anderen ist da dieser merkwürdige Erpresser, der - technisch versiert - über ein anonymes Handy kommuniziert, eine seltsam krumme Geldsumme fordert und über dessen Identität Brendt lange rätseln muß - erst später offenbart sich der Unbekannte, der soziale Motive vorgibt und dessen Handeln zumindest teilweise nachvollziehbar scheint. Zu allem Überfluß für den überforderten Brendt ist da noch die Polizei, die längst mitbekommen hat daß der Wagen vermint ist, ihn daher nicht mehr im dichten Stadtverkehr fahren lassen will, allerdings Brendt selbst für den Erpresser hält und ihn auf einen geräumten Platz dirigiert, wo die Scharfschützen bereits Aufstellung genommen haben...
Auch wenn die Story teilweise ein wenig konstruiert scheint, ist sie dennoch routiniert abgedreht und glaubwürdig umgesetzt. Möhring war und ist kein Sympathieträger, dennoch nimmt man ihm den steigenden Stress und sein langsames Durchdrehen ab. Mit zahlreichen kleinen Nebensträngen wird die Spannung am köcheln gehalten, auch wenn zu keiner Zeit ein Zweifel daran besteht, daß Brendt am Ende heil aus der Sache herauskommt - schließlich sind ja Kinder mit an Bord, und der durch einen Querschläger am Bein verletzte Bub, der ohne ärztliche Behandlung langsam ohnmächtig wird, ist ohnehin schon leicht grenzwertig. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang auch die starke Leistung von Emily Kusche als beherzte Tochter auf dem Rücksitz. Immerhin gelingt es Brendt, die Sprenstoff-Expertin Pia Zach (Hannah Herzsprung) davon zu überzeugen, daß er selbst erpresst wird, während der Einsatzleiter (Aleksandar Jovanovic) nur darauf wartet, seinen Scharfschützen den Feuerbefehl erteilen zu dürfen. Diese Kompetenzstreitigkeiten, bei denen sich schlußendlich weibliche Intuition durchsetzt, wirken ebenso aus dem Leben gegriffen wie der geschäftliche Hintergrund des Immobilienhais, dessen Chefs und Kollegen ihn trotz aller Solidaritätsadressen vorhersehbarerweise wie eine heiße Kartoffel fallen lassen. Nicht fehlen darf bei einem Berlin-Krimi auch eine Demo, durch die sich alle Beteiligten am Ende - wie in einer Art Katharsis - durchwursteln müssen.
Insgesamt bietet Steig.Nicht.Aus! zwar konventionelle, aber durchaus unterhaltsame Krimikost ohne allzu große Höhepunkte oder Plot-Twists - 6 Punkte.