Eine illustre Partygesellschaft: Alkohol, gutes Essen, flotte Musik. Doch die ausgelassene Stimmung wird jäh im Keim erstickt: Eine Leiche schwimmt im Pool: Barpianist Charley de Lisle (Sky du Mont) wurde darin ertränkt. Es ist das Resultat jahrelanger Demütigung, die die bezaubernde und äußerst attraktive Melinda van Allen (Constanze Engelbrecht) an ihrem Ehemann Vic (Peter Bongartz) begangen hat. Der Eigenbrödler interessierte sich nämlich zu sehr für seinen Oldtimer, für klassische Musik und seine Schneckenzucht und konnte mit der Lebenslust seiner wesentlich jüngeren Frau nicht viel anfangen. So hat er eine Männerbekanntschaft nach der nächsten tatenlos akzeptiert. Im Laufe der Zeit ist ein Spiel daraus geworden: je mehr Freiheiten er ihr ließ, desto stärker provozierte sie ihn. Dass es eines Tages zur Eskalation kommen musste, war zu erwarten. Vic entgeht jedoch den Schlingen des Gesetzes und kann den ermittelnden Staatsanwalt (Wilfried Klaus) von seiner Unschuld überzeugen. Im Freundeskreis hält man zu dem passionierten Musikliebhaber - niemand würde damit rechnen, dass er ein Mörder ist. Einzig der Schriftsteller Dirk Weisberg (Reinhard Glemnitz) wittert einen Verdacht und setzt es sich zum Ziel, den Mörder gemeinsam mit dessen Frau zu überführen ...
Soweit der Ausgangspunkt des ZDF-Zweiteilers "Tiefe Wasser" aus dem Jahre 1983 - basierend auf dem gleichnamigen Psychothriller der erfolgreichen Schriftstellerin Patricia Highsmith. Produziert wurde der Klassiker deutscher Fernsehkrimi-Kunst von niemand geringeren als Helmut Ringelmann, der im Laufe vieler Jahre hochwertige und überaus erfolgreiche Krimiserien für das ZDF produzierte: u.a. "Der Kommissar", "Derrick", "Der Alte" oder "Siska".
TV-Regisseur Franz-Peter Wirth adaptierte gemeinsam mit Leopold Ahlsen das Drehbuch und inszenierte einen spannenden und sehr unterhaltsamen Fernsehkrimi mit einer außerordentlich hochkarätigen Besetzung. "Tiefe Wasser" ist bis in die kleinsten Nebenrollen perfekt und glaubwürdig besetzt und besticht vor allem mit einer hervorragenden Skizzierung der wichtigsten Charaktere. Wirth lässt sich außerordentlich viel Zeit, die Geschichte zu entwickeln - der erwähnte Mord geschieht erst zum Ende des ersten Teils und ist der traurige Höhepunkt einer Ehe, die im Grunde überhaupt keine mehr ist.
Bis dahin baut der Film allmählich seine Spannung auf und setzt sich ausführlich mit der Story auseinander: Vic van Allen ist zwar ein Mörder - doch die Story ist so geschickt inszeniert, sein Charakter so perfekt in Szene gesetzt und dargestellt, und seine Frau ein so verachtenswertes Geschöpf, dass man als außenstehender Zuschauer sich mit Vic identifiziert, Mitleid empfindet und insgeheim hofft, dass er mit seiner Tat davon kommt. Man kann die Ehe und das Verhalten des Mannes nachvollziehen und leidet mit ihm. Einerseits ist er von seinem Charakter her nicht in der Lage, seiner lebenslustigen Frau das zu bieten, was sie sich unter einer Ehe vorstellt und erhofft, andererseits empfindet er noch immer so viel für sie, dass er sie auch nicht gehen lassen will. Stattdessen hält er die öffentlichen Erniedrigungen und Demütigungen durch das Verhalten seiner Frau aus - bis eines Tages das Maß voll ist und Vic den ersten Mord begeht. Die erste Tat bleibt noch ungestraft, doch sie zieht weitere Verbrechen nach sich.
Es ist schon erstaunlich, wie es Regisseur Wirth geschafft hat, aus einer recht einfachen Story einen über drei Stunden langen, durchgehend unterhaltsamen Krimistoff zu inszenieren - vor allem in Anbetracht dessen, dass der erste Mord lange auf sich warten lässt und der Mörder auch bekannt ist.
"Tiefe Wasser" orientiert sich nicht nach der klassischen "Wer war der Täter?"-Frage, sondern bezieht seinen Unterhaltungswert und seine Spannung aus dem Umstand, wie und ob der Täter letzten Endes überführt wird. Darüber hinaus liefert das Drehbuch auch noch ein paar überraschende Wendungen und Entwicklungen in der Handlung, und eine interessante und glaubwürdige Wandlung des Hauptcharakters: Vic van Allen ist sich sicher, nicht überführt werden zu können - doch die Erkenntnis, dass seine Frau, zusammen mit dem einzigen Mann, der ebenfalls an seiner Unschuld zweifelt, zusammen arbeitet um ihn aus der Reserve zu locken und des Mordes zu überführen, bringt seine starke Persönlichkeit langsam ins Wanken. Als seine Frau ihm offenbart, ihn wegen eines anderen Mannes nun endgültig verlassen zu wollen, begeht Vic einen zweiten Mord und verliert allmählich die Kontrolle über sich und die Situation...
Auch der zweite Teil von "Tiefe Wasser" bleibt nach wie vor spannend und sehr unterhaltsam. Das auf dem Cover angekündigte Psychoduell zwischen Vic und dem Schriftsteller Weisberg, kommt zwar etwas zu kurz und hätte intensiver ausgestaltet sein können - dennoch sorgt die clever durchdachte Story weiterhin für Spannungsmomente. Das Finale des Zweiteilers wirkt zwar teilweise etwas konstruiert, bleibt aber bis zu den letzten Minuten unvorhersehbar und endet in einer Tragödie, die dem Genre Psychothriller durchaus gerecht wird.
Trotz gediegener und sehr ruhiger Inszenierung ein durchaus fesselnder Fernsehkrimi!
7,5/10