Review

Eigentlich handelt es sich bei „House IV: Home Deadly Home“ (aka „House 4: the Repossession“, 1992) erst um den dritten Teil der Reihe, doch zuvor hat man (im Jahre 1989) in Australien und Großbritannien den (bis auf Produzent Sean S.Cunningham) unabhängigen Horrorstreifen „the Horror Show“ kurzerhand zu „House 3“ umbenannt, weshalb sich die Macher bei dieser Fortsetzung entschieden, jenen Film von Beginn an in der Zählfolge zu berücksichtigen, um Missverständnisse und/oder Verwirrung zu vermeiden.
Okay, vom Titel her mag ihnen das gelungen sein, doch leider nicht auf allen Ebenen: Auf der Besetzungsliste taucht beispielsweise William Katt als „Roger Cobb“ auf, genauso wie im Original, weshalb man glauben könnte, es würde sich um eine direkte Fortsetzung handeln – weit gefehlt, denn Cobb ist hier mit einer ganz anderen Frau verheiratet, hat eine Tochter anstelle eines Sohnes und ist übernatürlichen Phänomenen anscheinend noch nie in seinem Leben begegnet. Außerdem steht das betreffende Haus dieses Mal nicht in einer Wohngegend, sondern inmitten einer Einöde weit außerhalb der Stadt. Wir haben es also (wie schon bei „the Horror Show“) mit einer anderen Ausgangssituation zutun, in der zufällig ein Charakter mit demselben Namen auftaucht, welcher zudem noch vom gleichen Schauspieler verkörpert wird…

Lange stand das alte, abgelegene Haus leer, welches Roger (William Katt) vor Jahren von seinem Vater geerbt hatte, doch nun will Stiefbruder Burke (Scott Burkholder) das Grundstück erwerben, um das Land gewinnbringend zu nutzen. Leider hat er nicht mit Rogers Beharrlichkeit gerechnet, der damals seinem alten Herrn versprach, es im Besitz der direkten Familie zu belassen. Auf der Rückfahrt geraten er, seine Frau Kelly (Kerri Treas) sowie Tochter Laurel (Melissa Clayton) jedoch in einen schlimmen Autounfall, bei welchem er getötet und Laurel schwer verletzt wird.
Nach der Beerdigung entscheiden sich die beiden Frauen, Rogers Wunsch auch weiterhin zu respektieren, worauf sie in das Haus einziehen und sich ans Renovieren machen, obwohl Laurel nun von der Hüfte an abwärts gelähmt sowie permanent an den Rollstuhl gefesselt ist. Schon nach kurzer Zeit wird Kelly aber von schrecklichen Visionen heimgesucht, und ein alter Freund der Familie deutet an, dass es wahrscheinlich etwas mit dem Grund zutun hat, auf welchem man das Gebäude damals ganz speziell errichtet hatte. Es kommt ihr jedoch auch so vor, dass neben den negativen Erscheinungen ebenfalls die Präsenz ihres Mannes im positiven Sinne zugegen wäre. Als dann noch Laurel von zwei Schlägertypen verletzt wird, die ihnen Burke auf den Hals gehetzt hat, um sie zum Verkauf zu zwingen, eskaliert die Lage vollends – inklusive verstärkter Phänomene der paranormalen Art…

In „House 4“ gibt es einige deutliche Referenzen an das Original, doch fast nie gelingt es dem Film, jenen Charme und schwarzen Humor tatsächlich zu erreichen. Stattdessen werden die typischen „Spukhaus“-Klischees lauwarm aufgetischt, die recht schwachen Special Effects gegen Ende verärgern und die Handlung dümpelt belanglos sowie ausgereizt vor sich hin. Das Haus wurde damals auf einer geheimnisvollen indianischen Quelle gebaut (um diese vor der „Entweihung des weißen Mannes“ zu schützen), welche über positive Kräfte verfügt (zB Kranke heilen kann) – und trotzdem wird das Gebäude von negativen Geistern belagert, was unlogisch erscheint und auch nie wirklich aufgeklärt wird. Irgendwann hören die Terrorerscheinungen zudem schlagartig auf, nämlich als man von der Quelle erfährt und es mehr um Burke´s Machenschaften geht. Irgendwie passen die beiden Filmhälften nicht ganz zueinander, wodurch das Gefühl entsteht, man hätte zwei Entwürfe kurzerhand miteinander verbunden, ohne die Nahtstellen plausibel auszuarbeiten. Auch die Idee, dass die Familie einen alten indianischen Schamanen namens Ezra (Ned Romero – „Children of the Corn II“) als Freund hat, der über das Anwesen wacht und in Abwesenheit im Keller bei der neongrün schimmernden Abdeckung Rituale vollzieht, scheint ein weiteres Indiz dafür zu sein, dass man mit diesem Projekt das alte „Poltergeist“-Thema mal wieder heraufbeschwören wollte. Der Zugang zur Quelle befindet sich übrigens mitten im Raum des Untergeschosses und ist nur notdürftig mit Holzlatten abgedeckt – sehr merkwürdig, dass keiner der Familie es je entdeckt hat, wo es doch derart auffällig ist und zudem im Dunkeln leuchtet…

Aus den Reihen der Schauspieler ragt eigentlich nur Kerri Treas (TV´s „Alien Nation“) heraus, denn sie verkörpert ihre Rolle (Kelly) sehr charmant und sympathisch, was dem Film eindeutig zugute kommt. William Katt („Cyborg 3“) ist nicht lange mit von der Partie, Melissa Clayton („Stay the Night“) ist in meinen Augen einfach zu fröhlich für ein querschnittsgelähmtes Mädchen (obwohl man sich schon fast denken kann, was am Ende geschieht, wenn unterm Haus eine heilende Quelle sprudelt). Scott Burkholder stellt Burke zwar schön schleimig dar, doch er gefiel mir persönlich am wenigsten, da sein Part eigentlich nur aus Klischees bestand – kaum zu glauben, dass gerade er von allen Beteiligten die erfolgreichste Karriere hinlegte (“Swordfisch“/“Bandits“). Die Regie von Debütant Lewis Abernathy, der hiernach übrigens nie wieder einen Film inszenierte, liegt im typischen B-Film-Durchschnitt.

Es gibt einige Ansätze des klassischen Humors der Reihe: Etwa eine Giftmüll-Firma, die mit dem Slogan „Progress through Chemicals“ wirbt, in welcher die Arbeiter allesamt oben ohne und mit Latzhosen arbeiten sowie von einem Liliputaner geleitet werden, der seine Feinde schon mal dazu zwingt, den schleimigen Brei zu trinken, den sein Hals absondert (eine wahrhaft ekelige Szene), oder ein singender Pizza-Service, der eine dämonische Pizza liefert, die sprechen kann und gar Kelly angreift (die beste Sequenz!) … das reicht aber nicht, um den Film letztendlich zu retten oder auch nur in den mäßigen Bereich zu heben.

Fazit: „House IV“ ist eine belanglose Horror-Komödie: Weder wirklich witzig noch gruselig – kurzum: Überflüssig! … knappe 3 von 10

Details
Ähnliche Filme