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Mit einem doppeldeutigen Titel geht der französische Regisseur Yann Gozlan ins Rennen: Burn-Out als Erschöpfungszustand oder als Fachbegriff für das Durchdrehen von Reifen im Stand, - beides passt zum Inhalt, dessen Prämisse entfernt an „Drive“ von Nicolas Winding Refn erinnert.

Tony (François Civil) ist auf dem besten Weg, Profi-Rennfahrer auf dem Motorrad zu werden, als er seiner Ex und Mutter seines Sohnes aus der Patsche helfen muss. Um ihre Schulden bei der lokalen Drogenmafia abzuarbeiten, tritt Tony für zwei Monate als Drogenkurier auf dem Motorrad an. Doch die Dauerbelastung bleibt nicht ohne Folgen…

Erstaunlich, dass es bislang vergleichsweise so wenige Actioner mit Motorrädern gibt, denn der Geschwindigkeitsrausch, gepaart mit Wendigkeit und scheinbar grenzenloser Freiheit kann durchaus in seinen Bann ziehen, wie bereits die ersten Szenen untermauern, als Tony beim Rennen antritt, um wenig später über die Autobahn nach Rotterdam zu rasen.

Die Hauptfigur ist keine der großen Worte. Tony ist deshalb sympathisch, weil er zu keiner Zeit einen Helden markieren will, sondern sich erfolgreich in Zurückhaltung übt. Zudem offenbart er körperliche Schwächen, was ebenfalls zu einer gewissen Authentizität beiträgt. Die Drogentypen sind demgegenüber ein wenig klischeebeladen gezeichnet, einschließlich einiger Verbindungsmänner und rivalisierender Gangs.

Alles außerhalb vom Motorrad fällt leider reichlich austauschbar aus. Die Geschichte verläuft straight und ohne sonderliche Schnörkel, im letzten Drittel gesellen sich aufgrund etwas zu ausgiebigen Taktierens gar minimale Längen hinzu, was das saubere Handwerk in Sachen Rennen und Adrenalinrausch jedoch recht gekonnt zu kaschieren vermag.

Im Zusammenhang mit dem pulsierenden Score kommt es zu einigen atmosphärischen Einstellungen. Hierzu zählen primär die nächtlichen Fahrten über Autobahnen, durch Tunnel oder bei kurzen Stopps auf Parkplätzen oder zwielichtigen Hinterhöfen.
Diesbezüglich ist die Kamera stets auf Höhe des Geschehens und wechselt gekonnt zwischen Ego-Perspektive und einigen aussagekräftigen Blicken auf das Gesicht des Fahrers.

Dadurch, dass die Geschichte weitgehend vorhersehbar abläuft und trotz einiger solider Action ohne erwähnenswerte Wendungen auskommt, taugt „Burn Out“ eher zum Berieseln, zumal sich der Spannungsfaktor trotz soliden Showdowns in Grenzen hält. Dennoch passabel performt und handwerklich sauber, nur eben nicht viel, was für längere Zeit in Erinnerung bleibt.
6 von 10

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