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Sein Herz gehört den schnellen Motorrädern, und so ist es kein Wunder, daß der junge Lagerarbeiter Tony (François Civil), der in seiner Freizeit Amateurrennen fährt, große Hoffnungen mit einer überraschenden Berufung in ein professionelles Team verbindet. Dort jedoch muß er sich erst gegen Konkurrenten durchsetzen, was ihm jedoch wirklich zu schaffen macht, ist der Umstand, daß seine Ex Leyla (Manon Azem), Mutter seines kleines Sohnes (den er nur am Wochenende zu sehen bekommt) Troubles mit lokalen Dealern hat - die von Geldsorgen geplagte attraktive Leyla hatte nämlich in ihrer Wohnung vorübergehend Stoff versteckt, den sich ihr neuer Partner unter den Nagel gerissen hat. Der ist seitdem verschwunden, und nun steht sie bei finsteren Gesellen in der Schuld, die als erste Warnung gerade ihre Wohnung verwüstet hatten, bis sie ihre Schulden begleichen kann.
Tony, ebenso ruhig wie herzensgut, bietet ihr einstweilen Quartier bei sich an und sucht die Dealer persönlich auf, um über die Schuld zu verhandeln - ein reichlich blauäugiges Vorhaben, das prompt scheitert. Doch als die Gangster auf sein Motorrad aufmerksam werden, bieten sie ihm einen Deal an: als schneller Motorrad-Kurier für heiße Ware zwischen Belgien und den Niederlanden kann er die Schulden seiner Freudnin abarbeiten. Zwei Monate lang muß er mindestens einmal pro Woche nachts fahren, dann soll alles vorbei sein - denkt sich Tony, der sich sogleich ans Werk macht. Mit über 200 km/h über die Autobahn, dabei stets schneller sein als die Cops und die knapp bemessene Zeit einhalten geht anfangs sogar ganz gut, dann aber kommt es doch ein wenig anders...

Ein temporeiches Spektakel um einen ambitionierten Motorradfahrer mit einem deutlichen Fokus auf heiße Zweiradaction liefert die französisch-belgische Produktion Burn Out, doch trotz der frankophilen Zusehern gut bekannten Darstellerriege von François Civil, Manon Azem und Denis Leluc kommt der Streifen über optische Highlights auf heißen Rädern nicht hinaus: zu bieder und überraschungsarm ist die Story um den gutherzigen Tony, der für seine Ex, die davon nichts ahnt, sein Leben riskiert, sich an die Spielregeln hält und erst dann (langsam) aktiv wird, als er sich gelinkt fühlt.

Wie wenig Wert das Drehbuch auf jegliche Charakterzeichnung legt, wird anhand fehlender Hintergründe der Beteiligten schon nach relativ kurzer Laufzeit klar: die Drogendealer sind die üblichen bösen Buben mit Hackfresse und fiesem Grinsen, die sich in einer kleinen Kneipe treffen, in die der tapfere Tony jedesmal mit einer neuen Lieferung zurückkehrt. Eine polizeiliche Gegenseite gibt es nicht (der Autobahnpolizei entkommt Tony jedesmal knapp aber glücklich), eine Gangster-Konkurrenz aus Schwarzen und Arabern wird nur kurz angerissen und als später einer der Dealer dran glauben muß, findet der Mord inklusive Entsorgung der Leiche praktisch völlig im Off statt. Nichts an Burn Out ist ungewöhnlich oder bemerkenswert, den Plot um den edlen Ritter, der sich in Gefahr begibt um sein verloren gegangenes Burgfräulein zu erretten hat man auch schon gefühlt tausendmal gesehen und das erwartbar unspektakuläre Ende, bei dem der Held sich eine blutige Nase (aber auch nicht mehr) holt, reißt erst recht nichts mehr heraus.

So bleibt als Fazit ein nebenbei gut mitzuverfolgender Motorrad-Actioner, der kaum Aufmerksamkeit erfordert, dank einiger rasanter Einstellungen immerhin ganz leidlich unterhält, darüberhinaus jedoch schnell wieder vergessen ist. 5 Punkte.

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