Review

Ein verfluchtes Gebirge ist mit der Koinzidenz zweier junger Menschen blutgeil geworden und evoziert eine krude Odyssee infernaler Albtraumbilder ...

Die Atmosphäre von EVIL CLUTCH ist drakonisch, beinah hermetisch. Niemals lässt sich ein Element der Hoffnung blicken, dass länger anhalten könnte. Kommt eines auf, wird es ruckzuck im Keim erstickt. Das Atmen fällt schwer bei derart Anspannung, die der italienische Regisseur Andreas Marfori mit seinem Film vermittelt.  Ich glaube kaum, dass dieser Horrorschocker aus dem Hause Troma sich hinter Größen wie TANZ DER TEUFEL zu verstecken braucht, zumal bei EVIL CLUTCH der atmosphärische Strang an Strenge sehr viel weiter stringiert wurde, nicht zuletzt aufgrund dem Ausfall diverser Gags, Komiken und schwarzem Humor - Hier bei EVIL CLUTCH gibt es nämlich keinen schwarzen Humor, keine Ironisierung, alles ist monoton. Sämtliche Farben werden in schwachen, kühlen Bildern gezeigt, fast schon verwaschen, als würden sie in extremies liegen. Der schwere, lugubre und taumelnde Score, welcher immer wieder ertönt, macht die Schlachtplatte nahezu melodramatisch und sucht seinen Kulminationspunkt in der spaßlosen Düsternis.

Die Dämonen und Wildheiten sind ein wenig lumpig dargestellt, sympathisieren aber mit innovativen Ideen (Eine gigantische Klaue kommt aus einer Pussy; eine Kuckucksuhr, die Blut speit; und das Beste: Massig Glibber ...). Dafür ist nun der Zombie ein waschechter Zombie mit allem Drum und Dran. Das Make-Up wirkt virtuos in Szene gesetzt, nicht 08/15 wie in vielen anderen Produktionen. Sehr grotesk, dekadent und diabolisch. Man sieht gerne zu, wie unser lebender Toter am Ende des Filmes zusammenschmilzt - Ein Melting-Effekt, der so schnell nicht vergessen wird! Auch alle anderen Splattersequenzen, die mehrheitlich zum Finale eintreten, sind toll, handmade und anmutsvoll trashig. Mir gefällt die Szene sehr gut, in der Tony resigniert seine Hände auf ein planes Gestein legt - Anschließend kommt der Zombie und drischt mit einem riesigen Fels drauf - Das Ergebnis der abgefetzten Hände harmoniert mit der Staffage des darauffolgenden Abrisses der Birne, die vorher durch die Speichen eines Kutschenrades gezwängt wurde - Wirklich ergötzerisch! 

Also im Großen und Ganzen ist der Film außerordentlich gleichförmig gehalten, zeigt weder Intention noch Interesse 'Neues' auszuprobieren - Oldschool eben und darf deswegen auch für seinen Purismus belohnt werden. Aufgrund des drückenden Charakters zwar nicht für das schnelle Zwischendurch, aber für erlesene Momente völlig geeignet. Ich weiß nicht, warum ihn andere hier als "Mistfilm" betiteln. Auch, dass man allerorts auf seiner Grundstimmung herumreitet, finde ich an den Haaren herbeigezogen, nervtötend und horrorfilmkritisch illegitim - Es gibt halt nicht immer alles auf EVIL DEAD-Niveau, ihr verwöhnten Gören. Weil der Filmablauf sich dezent gibt und willkürlich in seiner Barbarei häsitiert, kann man diesem guten Stück doch keine Ennuyanz ankreiden. Man sollte die Kamerafahrten und das bisschen Panorama genießen und nicht Pech und Unglück jagen. Geduld ist eine Tugend und das Beste kommt bekanntlich zum Schluss - So ist es auch mit diesem Streifen. Ich finde den Film klassisch, mit gebirgigem Trash-Faktor und genauso kultig wie es die Achtzigerjahre sind. Gruselatmosphäre ist gewiss. Die dt. Synchro tritt sehr pornolastig auf und hat gelegentlich Kandaren vor'm Gesicht. Aber mein Gott ... wenn einer perverse Akkuratheit und Lippensynchronität sucht, soll er sich doch einen Columbia Tristar-Film reinziehen ...

EVIL CLUTCH ist top!                                                                                                                     

Details
Ähnliche Filme