Trotz einer langsamen, wenn auch über die Monate deutlich sichtbaren Verjüngung der Serie, die vom Publikum gemeinhin eher dem altersmäßig gesetzten Zuschauer und so auch der Stammschaft des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks eingeschätzt wird, ist die ursprüngliche Programmierung der Rosenheim-Cops weiterhin auf den Ursprung Anno 2002 angestrebt. So hat man die letzten Jahre zwar immer wieder mal den zweiten Hauptdarsteller ausgetauscht und die jeweils während Urlaub, Krankheit, Weiterbildung oder anderen Gründen fehlenden leitenden Hauptkommissaren als Vertretung einspringenden Kollegen (von auswärts) vom Lebensalter her jeweils etwas heruntergesetzt und andere 'Küken' als Gerichtsmedizinerin, Controller, Praktikantin bei der Empfangsdame oder sonst wie Personal installiert, die seit nunmehr 15 Jahren aktiven festen Größen aus Überzeugung allerdings belassen; ein Beibehalten des Gewohnten, was mittlerweile sicherlich auch mit der Grund für weiterhin hohe Einschaltquoten und mittlerweile auch wieder vermehrt für Winter-Specials im Spielfilmlänge ist:
Als im Rosenheimer Hotel "Bergkamm" die Leiche eines Juweliers entdeckt wird, schalten sich nicht bloß die Ermittler vor Ort, die Kriminalhauptkommissare Korbinian Hofer [ Joseph Hannesschläger] und Sven Hansen [ Igor Jeftić ] sowie Polizeihauptmeister Michael Mohr [ Max Müller ] in die Sache ein, sondern auch das Ehepaar Anton und Hilde Stadler (Dieter Fischer & Isabel Mergl ]. Er eher unfreiwillig, ist er zwar ebenso Polizist, allerdings auf Urlaub, während seine Ehefrau umso neugieriger ihre Nase in alle Angelegenheiten steckt. Hilfe kann das ermittelnde Duo allerdings auch brauchen, sind schnell Kunden des Juweliers, Mitarbeiter, Gäste und auch Personal des Hotels verdächtig.
Geschrieben wurde das ursprünglich "Tödliche Juwelen" betitelte von der Autorin Julie Fellmann, die nicht zur Stammbelegschaft der Serie gehört, aber auch schon vereinzelt dafür verfasst hat und hier hauptsächlich von anderen Kollegen wie Nikolaus Schmidt und Gerhard Ammelburger entwickelten Geschichten und Figuren für sich adaptiert und variiert; Fellmann ist 'hauptberuflich' vielmehr Schriftstellerin der 'Kommissar Garcia' Krimis um einen Münchener Kripobeamten, was nun im Grunde gleiches Genre, andere Tonart aber ist. Fellmann passt sich den provinziellen Vorgaben aber an, in denen zwar der Tote in den ersten Minuten auftaucht, daraufhin aber neben den Ermittlungen auch der schöne Einklang und der geruhsame Frieden und rundherum entspannte Alltag zu auch jeweils besten Wetterbedingungen, wie ein tadelloser Urlaub und für den geneigten Zuschauer so die Idylle schlechthin eingekehrt; entsprechend dessen wird nach dem schnellen Auffinden der Leiche in seinem Hotelzimmer wie gehabt und dies eben familienfreundlich und gediegen, beharrlich und fast wie betagt (und für Ratefüchse auch weithin absehbar) in diese neue (Lang)Episode einmarschiert. [Der einzige Realismus, der der Serie die letzten Jahre passiert ist, war die Nicht-Ausstrahlung der ehemals für den 20. Dezember 2016 geplanten Folge "Musik bis zum Schluss" der Staffel 16, die zugunsten einer Sondersendung aufgrund des terroristischen Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gestrichen wurde und später als Folge 3 der 17. Staffel nachholend addiert.]
Der größte Unterschied ist schon, dass nun ausnahmsweise nicht Sommer ist, wo normalerweise gedreht wird, sondern Winter, was den (überschaubaren) Außenaufnahmen, die eher als Füllmaterial und nur Verortung des Geschehens dargereicht werden, nun etwas andere, eben in Schnee und Frost gefasste Bilder statt der üblichen Sonnenlaune liefert, und dass Fellmann gleich zu Beginn schon mit mehr Personen hantiert, sechs, sieben, acht Verdächtige bestimmt, was dann eher Verwirrung erzeugt. “Wir haben viele Spuren. Aber keine heiße.“ Bekannte Gesichter wie das Rosenheimer Team plus dem hier auf Urlaub befindlichen Passauer Kollegen und auch einem Zutun der Stammkunden aus der Riege der Nebendarsteller helfen in der Verortung; der 'Film' bzw. das Serienspecial ist überdeutlich für die langjährige Fangemeinde und nicht den Zufallsseher angelegt. Auch die Wahl des Tatschauplatzes als ein urgemütliches, in Holz verkleidetes Vier-Sterne-Hotel mit gediegenem Wellnessbereich und so überschau- und einsehbar helfen allerdings in der Übersicht, bewegt wird sich in der Anlage und kurz darum und ansonsten geht's mit gewohnt leichten Schritten zum Polizeirevier und wieder an den Ort der Befragung zurück.
Die Idee mit einem weiteren in diesem Fall 'privaten' Ermittler direkt am Platz des Interesses und vor allem auch seiner sich als Hobbydetektiv betätigenden bzw. sehr neugierigen Frau als das eigentlich aufmerksame zivile Augenpaar ist gar nicht so schlecht angeleiert und sorgt für ein konstantes Betätigungsfeld. Großes Polizeiaufgebot plus Doppelschicht von Kommissar Zufall plus einer alles sehenden und alles hörenden Tratschnudel, was nach Fragespielchen in alle Richtungen und trotz gleich mehreren falschen Identitäten doch zum glücklichen Ende und einer weiteren Kerbe im Ruhmesblatt der Aufklärungsquote führt. Die Inszenierung ist gewohnt solide, eine gewisse Änderung zu den üblichen konservativen Sehgewohnheiten wäre bei der seltenen Gelegenheit allerdings nicht ohne Neugier und entsprechend nicht verkehrt.