Laut Cover von Tiberius soll es sich um die blutige Antwort auf „The Hateful 8“ von Quentin Tarantino handeln, - als ob der sich jemals vor Gewaltexzessen geniert hätte. Noch paradoxer und peinlicher ist es jedoch, den Streifen um rund zwei Minuten zu kürzen, damit jene Antwort beinahe gar nicht mehr blutig ausfällt.
Der Wilde Westen anno 1865: Der sadistische Verbrecher Colonel macht mit seinem Gefolge die Gegend unsicher und überfällt mit Vorliebe Kutschen. In der „Black Hell Station“, in der Chris und Ernest arbeiten und sich ab und an um Reisende kümmern, gastieren gerade die Schwestern Liz und Anne. Ein gefundenes Fressen für die Bande, die es ursprünglich auf einen Goldtransport abgesehen hatte…
Western trifft auf Home Invasion, - eine im Grunde ausbaufähige Idee, der es jedoch in einigen Belangen an der glaubhaften Umsetzung mangelt. Zwar sind einige Landschaftsaufnahmen gelungen, doch Gebiete rund um Madrid und Andalusien sehen eben nicht aus wie Nebraska und einige der spanischen und italienischen Mimen wirken beileibe nicht so, als lebten sie bereits seit Jahrzehnten in der Prärie.
Zudem gibt es unter den Widerstandskämpfern kaum einen Sympathieträger. Chris beweist bereits beim Schießtraining seine Unfähigkeit zur Gegenwehr, beide Damen stellen sich in entscheidenden Momenten schlicht dämlich an und als zwischenzeitlich weitere Durchreisende eintreffen, schöpft niemand Verdacht, obgleich einige Indizien klar auf der Hand liegen. Immerhin geht vom Colonel eine latente Unberechenbarkeit aus, denn der gibt sich überwiegend gebildet, weiß mit Worten umzugehen und Leute um den Finger zu wickeln, während sich seine Kompagnons als reine Klischeefiguren entpuppen.
Auf Dauer entfaltet sich das Treiben in der Station als wenig ereignisreich, es kommt kaum zu Fluchtversuchen, aktive Gegenwehr ist nur minimal zu verzeichnen und erst, als zum Finale eine weitere Kutsche anrollt, ist ein wenig Action im Spiel, wobei der Einsatz von Slow Motion ein wenig überstrapaziert und der Score derart hintergründig eingesetzt wird, dass dadurch keine Spannungssteigerung auszumachen ist. Derweil performen die Mimen okay, allerdings sticht niemand hervor, weder positiv, noch negativ.
Regisseur und Co-Autor Víctor Matellano hat sich zumindest mit den wenigen Gewaltspitzen Mühe gegeben, wobei diese im Direktvergleich zu Tarantinos Werk läppisch ausfallen. In der geschnittenen Fassung sind zwar einige blutige Einschüsse zu sehen, doch bereits nach zwei Minuten Laufzeit wird uns ein Kehlenschnitt vorenthalten, es folgt ein in die Handfläche geschlagener Nagel, ein Haken im Hals, vom Hammer gebrochene Finger, ein Überfahren durch Kutschräder und ein weg geballerter Kopf. Keine der entfernten Szenen ist so deftig, dass man sie nicht einem mündigen Publikum hätte zumuten können.
Insofern sollten ausgemachte Splatterfans besser auf eine ungeschnittene Fassung warten, während Westernfreunden eher ein Belagerungsfilm präsentiert wird, da lediglich einige Nahaufnahmen von Gesichtern an einen typischen Showdown zwischen Gut und Böse erinnern. Spannende Begebenheiten bleiben überschaubar, ein Mitfiebern gegenüber den weitgehend austauschbaren Figuren hält sich in Grenzen und insofern bietet der Weg in die Hölle ein eher halbgares und nicht sonderlich hitziges Vergnügen.
5,5 von 10