Review

Der gemeine Actionfreund hätte ihn in den letzten Jahren ja gern etwas öfter gesehen. Den Gerard Butler. Denn seit Zack Snyders „300" (2007) gehört der Mann mit dem aparten Gesicht zum Inventar des Männerfilms. Antoine Fuquas „Olympus Has Fallen" (2013) detonierte granatenmäßig voll im Ziel und auch der nach London verlegte Nachfolger mit leicht schlagseitigem B-Film-Look krepierte wenigstens genremäßig noch im Zielbereich. Seiner markanten Physiognomie sei Dank, nimmt man dem Schotten den maskulinen Kerl ebenso gern ab wie dem viel zu selten (filmisch) gewalttätigen Thomas Jane oder dem sich wohl nun endgültig in monetär erklecklichere Sphären emporschwingenden Jason Statham aus derselben Liga charismatischer Typen. Hinfort mit den Schattenparkern und den zerbrechlichen Gestalten vom Phänotyp Collegeboy. Das hier ist Männersache. Wie der Playboy. Nur nicht so schön. Denn „Criminal Squad" ist beileibe nicht makellos und lässt, bei zu wenig Puste, Luft nach oben.

Los Angeles - heute. Eine Gruppe knasterfahrener Bankräuber (darunter: 50 Cent und O'Shea Jackson Jr. [Filius von Ice Cube]) wagt sich an den größten Heist der Stadtgeschichte. Die Profis wollen die Federal Reserve Bank überfallen. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Doch dem Einfallsreichtum der Gang (und einem etwas naiven Skript) sei Dank, eröffnen sich den sympathischen Kriminellen ganz neue Möglichkeiten, einerseits in die (dunkle) Geschichte (der Stadt) einzugehen und andererseits die sie bereits beschattenden Polizeibeamten abzuschütteln. Die wiederum arbeiten allerdings auch nicht lupenrein bürokratisch und penibel Paragraphen reitend unter ihrem schlagkräftigen Boss (Butler) und setzen absolut alles daran, den bereits angelaufenen Raub zu vereiteln. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, bei dem es nur die echteren der echten Männer ins Ziel schaffen werden. Denn man spielt All-In. Wie das bei Draufgängern üblich ist.

Es ist, das merkt der Filmkundige gleich, Michael Manns „Heat" (1995), der hier Vorbild und ein Stück weit Vorlage war. Die sonderbare Seelenverwandtschaft der Jäger und Gejagten ist thematisch zentral von Beginn an und endet, wie es eben kommen muss. Nur unterscheidet sich der erste Film des Regienovizen Christian Gudegast von seiner inzwischen auch schon dreiundzwanzig Jahre alten Blaupause darin, dass die emotionale Verbundenheit der Kontrahenten ohne die nötige Aufmerksamkeit inszeniert wird. Sie wird zeitsparend vorausgesetzt. Als Erklärung für das über das jeweilige Gewerbe hinausgehende gegenseitige Interesse muss genügen, dass die harten Jungs einander kurz beschnüffeln und dann am Mann-Sein erkennen. Weil sie sich also in einem gemeinsamen Boot wähnen. Weil sie alle diese Ghetto-Attitüde seit Kindheitstagen aufgesaugt haben. Weil sie Proleten sind. Und sowas schweißt doch irgendwie zusammen. Von der bei „Heat" noch überaus spannenden, längst filmhistorischen Psychologie der Chemie zwischen Al Pacino und Robert De Niro lassen sich hier nur vage Konturen erahnen. Und das ist ob der vollends überzeugenden Darsteller durchaus schade. Und verschwendet.

Straight outta Compton sind hier natürlich nicht nur Tattoo-Romantik und professionelles weibliches Beiwerk, sondern auch die schnellen Autos. Und da kommt man durchaus auf seine Kosten, wenn man nicht eben eine neue Auflage von den Schnellen und den Wilden erwartet. Auch die Schießereien sind unterhaltsam gelungen, wenn sie auch ohne Wiederkennungswert oder Inspiration den Film versüßen. Man denke an die von Michael Mann inszenierten Schusswechsel aus „Heat" oder „Miami Vice" (2007). Oder an die zum Bersten geladene Spannung im Chihuahua eines Dennis Villeneuve. Doch vielleicht ist es nicht fair und ein bisschen nervig, einem Film der zweiten Garnitur immer die großen Vorbilder unter die Nase zu reiben. Beim Fußball muss es ja schließlich auch nicht immer die Bundesliga sein. Nicht wenn man zum Beispiel selbst spielt. Oder wenn der Sohnemann spielt. Und auch nicht, wenn Gerard Butler spielt.

Genretypisch sind hier auch die Rollen verteilt. „Formelhaft" deren Interaktion. Der FBI-Mensch hat, wie gewohnt, nichts Sinnvolleres zu tun, als dem fähigen Sheriff Steine in den Weg zu legen. Doch der uniformierte Mann von der Straße läuft diesmal nicht etwa Parcours um die Dinger, sondern schert sich erst gar nicht um die Erbsenzählerei der ihm übergeordneten Dienststelle. Warum auch? Einen die Geschichte vorantreibenden Impuls gewinnt „Den of Thieves" nicht aus seiner unterentwickelten Raffinesse, sondern aus der Impulsivität seiner Figuren. Und die ist in der von Gerard Butler verkörperten Gestalt gewaltig, gewalttätig und ungestüm. Wenn man einen entführten Kriminellen höflich nach Informationen fragt und nebenbei kräftig würgt, fallen seine Antworten eben ausführlicher aus, als wenn man ihn höflich fragt, ohne nebenbei kräftig zu würgen. Oder so. Sowas ist natürlich nicht schön. Weiß jeder. Doch schön unterhaltsam ist es. Dass die Plausibilität der Figur Butlers (die sich offenbar nicht entscheiden kann, ob sie die ja immerhin Polizisten tötenden Gangster nun warnen, bewundern oder doch lieber erschießen soll) mit ihrem sonderbaren Benehmen etwas auf der Strecke bleibt, lässt sich so jedenfalls entspannt durchwinken.

Es ist die zweifelhafte Idylle der (Neighbor-)Hood, die sich hier in die Bilder Gudegasts schleicht und als Kontext eines Heist-Movies angedacht ist. Da sind die Männer natürlich keine Matschbirnen, sondern Machos, die mit ihren Sperenzchen in Sachen Profilneurose und Selbstdarstellung allerdings durchaus zu unterhalten wissen. Es wirkt nur alles ein wenig zu wenig zu Ende gedacht, was da an Raub auf die Beine gestellt und auf die Räder gesetzt wird. Der Plan, der zum Ziel führt, hätte noch etwas ausgetüftelter oder aber glaubhafter sein dürfen. So wie in „The Town" (2010), „Ocean's Eleven" (2001) oder „Bank Job" (2008) gesehen. Das sind eben die „üblichen Verdächtigen", die auch hier als Referenz herhalten müssen. Und da zieht „Criminal Squad" eben den Kürzeren. Schön ist es natürlich, Gerard Butler wieder zu sehen, und Spaß macht es doch irgendwie immer, als Kerl einen Film für Kerle anzusehen. Und es muss, wie gesagt, ja auch nicht immer ein Filmpreis verdächtiges Highlight sein, von dem man sich da die Zeit vertreiben lässt. „Den of Thieves" ist allemal ein solider Thriller und ansprechend bebildertes Entertainment, das männliche Psychologie in Bilder gießt. Oder eben vorgibt das zu tun.

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